Lat.: Fágus
sylvática L., Buchengewächse/Fagáceae
Charakteristika,
Erkennungsmerkmale
Der im Freistand bis tief hinunter beastete und im Waldverband bis hoch
hinauf astlose, mittelgroße bis große Baum, mit seinem geraden
und vollholzigen Stamm, erreicht mit etwa 120 Jahren eine Höhe von
2530 m. Die Krone ist bei jüngeren Bäumen schlank, bei
älteren ziemlich breit und kuppelförmig aufgewölbt. Buchen
mit einem Alter von 300 Jahren können eine Wuchshöhe von 45
m und einen Durchmesser von 1,5 m erreichen.
Die in der
Jugend graugrüne, später aschgrüne Rinde bleibt bis ins
hohe Alter dünn, glatt und silbergrau. Nur selten kommt es zu einer
Borkenbildung.
Aus den spindelförmigen,
bis 2 cm langen, rotbraunen, zugespitzten, abstehenden, vielschuppigen
und wechselständig angeordneten Knospen entfalten sich im Mai gestielte
Laubblätter. Ihre Spreiten sind 510 cm lang, im Umriss elliptisch
bis breit-eiförmig, kurz zugespitzt, ganzrandig und an der Basis
keilförmig verschmälert oder abgerundet. Gleichzeitig mit dem
Austrieb der Laubblätter erscheinen im Mai an neuen Trieben weibliche
und männliche Blütenstände. Die ersteren sind kugelig,
gestielt, mehr oder weniger aufrecht und tragen immer 2 Blüten. Die
männlichen Blütenstände sind ebenfalls kugelig, 35
cm lang gestielt, vielblütig und stark zottig behaart.
Im Herbst enthalten die 2025 mm langen Früchte je 2 dreikantige,
rotbraune und ölreiche Samen.
Vorkommen
und Verbreitung
Die Buche ist mit einem Anteil von ca. 20 % an der Gesamtwaldfläche
der Bundesrepublik Deutschland nicht nur die mit Abstand wichtigste Laubholzart,
sondern eines unserer bedeutendsten Nutz- und Industriehölzer.
Die Hauptvorkommen
der Buche, die bei uns eine typische Baumart der Ebene und Mittelgebirge
ist, liegen im süddeutschen Voralpen- und Moränengebiet, Bayerischen
Wald, in der Schwäbischen Alb, im Pfälzischen Bergland, Odenwald,
Spessart, in der Fränkischen Alb, im west- und mitteldeutschen Bergland
und östlichen Schleswig-Holstein. Der Baum tritt gleichermaßen
in ausgedehnten Reinbeständen und als wichtiges Element in Mischbeständen
mit Fichte, Tanne und anderen Baumarten, z. B. Eiche, auf. Die oft beeindruckenden
Buchenreinbestände werden ehrfürchtig auch als Buchendome
bezeichnet.
Das Gesamtverbreitungsareal
erstreckt sich etwa vom 40. bis zum 60. Grad nördliche Breite und
umfaßt weite Gebiete West-, Mittel-, Ost- und Südeuropas, wobei
der Schwerpunkt in West- und Mitteleuropa liegt.
Holzbeschreibung
und Verwendung
Die Buche gehört wie die Esche zu den sogenannten Kernholzbäumen
mit unregelmäßiger Farbkernbildung bzw. nach neuer Terminologie
zu den Bäumen mit fakultativer Farbkernbildung. Entsprechend
sind Splint- und Kernholz teils von einheitlicher blaßgelblicher
bis rötlichweißer Färbung, teils ist ein in Intensität
der Färbung, Form und Ausmaß unregelmäßiger, auf
dem Querschnitt mehrzoniger oder wolkig abgestufter rotbrauner Farbkern,
der sog. Rotkern oder Falschkern der Buche, ausgebildet. Der Splint bzw.
die farbkernfreie Zone sind allgemein sehr breit, da die Rotkernbildung
zumeist erst im höheren Baumalter ab etwa 80 Jahren einsetzt. Es
handelt sich dabei um einen rein physiologischen Vorgang und eine normale
Alterserscheinung, die standörtlich bedingt früher oder später
einsetzt. Insbesondere nimmt im Baumalter von 100 bis 130 Jahren das Auftreten
des Rotkernes sprunghaft zu und im Baumalter von über 150 Jahren
sind von Ausnahmen abgesehen 80 bis 100 % der Bäume
rotkernig.
Buchenholz wird sowohl als Stammholz als auch Schnittholz häufig
gedämpft (s. u.), wodurch das hellfarbige, farbkernfreie Holz eine
gleichmäßig rötliche bis rötlichbraune Farbe annimmt.
Im Handel
ist Buche als Rundholz, gedämpftes und ungedämpftes Schnittholz
sowie in Form von Furnieren erhältlich. Buche liefert einerseits
ein begehrtes Spezialholz für zahlreiche Einsatzgebiete, andererseits
ist sie neben Fichte und Kiefer das am meisten eingesetzte Industrieholz.
Mit rund 250 bekannten Verwendungsbereichen ist Buche in den letzten Jahrzehnten
zur am vielseitigsten verwendeten Holzart unter den einheimischen Nutzhölzern
geworden.
Nur beschränkte Eignung außer druckimprägniert
als Schwellenholz besitzt sie allerdings wegen ihres ungünstigen
Stehvermögens und ihrer geringen natürlichen Dauerhaftigkeit
im Außenbereich als Bau- und Konstruktionsholz in Form von Massivholz.
Zu den Haupteinsatzbereichen der Buche zählt die Möbelfabrikation.
Eingesetzt sowohl als Massivholz als auch als Sperrholz, Formsperrholz
und Formschichtholz dient Buchenholz vor allem für die Herstellung
von stark beanspruchten und damit harte und widerstandsfähige Oberflächen
verlangenden Gebrauchsmöbeln.
Besondere
Erwähnung verdienen die aus dampfgebogenen Buchenhölzern
gefertigten Bugholzstühle, die nach ihrem Erfinder, dem Bopparder
Tischlermeister Michael Thonet, auch als Thonet-Stühle bezeichnet
und seit nunmehr fast 150 Jahren nach dem von ihm entwickelten Prinzip
des Biegeverfahrens produziert werden.
Ein weiterer
wichtiger Verwendungsbereich für das Buchenholz stellt der Verpackungs-
und Transportsektor dar. Massiv und teils auch als Sperrholz dient es
insbesondere zur Herstellung von Paletten.
Phenolharzbeschichtete Buchen-Multiplexplatten bilden die Stirn- und Seitenwände
gedeckter Güterwagen der Deutschen Bahn AG.
Heilkunde,
Mythologie und Brauchtum
Eigenartig ist die Tatsache, daß die Buche trotz ihrer großen
Verbreitung im Volksglauben nur eine untergeordnete Rolle spielt. Von
den wenigen bekannten Beispielen seien einige genannt.
Um das spätere
Winterwetter zu ergründen, muß zu Beginn des Monats November
mit der Axt in eine Buche gehackt werden. Bleibt die Wunde trocken, so
muß mit einem strengen Winter gerechnet werden.
Buchenholz im Neumond gehauen, ist dauerhaft und wird vom Wurm nicht leicht
zerfressen. Viele Bucheckern im Herbst bedeuten einen strengen und harten
Winter oder ein Mäusejahr; daher der Schweizer Spruch: Vil
Buech, vil Fluech.
In der Naturheilkunde finden die Rinden von zwei- bis dreijährigen
Zweigen (geschält im Februar) und das Holz Verwendung. Ein Aufguß
von Buchenrinde hat fiebersenkende, adstringierende und antiseptische
Wirkung; er wird auch bei Erkrankungen der Atemwege sowie bei Verletzungen
und Infektionen der Mundschleimhaut verwendet. Verbrennendes Buchenholz
hat durch das darin enthaltene Kerosot eine stark desinfizierende Wirkung.
Die weite Verbreitung und das häufige Auftreten der Baumart hatten
einen großen Einfluß auf die Namensgebung von Ortschaften,
Landschaften, Talschaften und Gemeinden. So sollen allein in der Schweiz
über 700 geographische Bezeichnungen in ihrem Wort den Ausdruck Buche
enthalten. Dazu einige Beispiele: Buchthalen, Bucheggberg, Schönenbuch,
Buch a. I. und Buochs. Nach dem Volksglauben werden die Buchen nur
selten vom Blitz getroffen. Beschriftete Buchenholztafeln, welche zusammengeheftet
wurden, haben dem Buch seinen Namen gegeben
Quellen:
Alfred Dengler Waldbau auf ökologischer Grundlage. 6.
Auflage, in 2 Bänden vollständig neubearbeitet von E. Röhrig
u. H. A. Gussone.
I. Band: Der Wald als Vegetationstyp und seine Bedeutung für
den Menschen. 1992. Hamburg und Berlin.
Jean-Denis Godet Bäume und Sträucher, 1996. Arboris-Verlag,
Hinterkappelen, Bern.
CMA und Arge Holz Buche, Baum des Jahres 1990, Bonn und Düsseldorf
1985
Erlbeck, Haseder u. Stinglwagner Das Kosmos Wald- und Forstlexikon,
Stuttgart 1998.
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