| Die Esche - Baum Des Jahres 2001 |
Lat.: Fraxinus excelsior L. Charakteristika,
Erkennungsmerkmale Normalerweise stehen die Blätter zu zweit exakt gegenständig am Spross. An besonders wüchsigen Trieben finden sich aber - die zweite Besonderheit - auch dreizählige Blattquirle, oder die Blätter sind am Spross versetzt oder stehen gar spiralig. Sie sind etwa 5 bis 10 cm, lang gestielt, mitsamt dem Stiel 40 cm lang und 9- bis 15-zählig gefiedert. Gefiederte Blätter bestehen aus einem Stiel (der Spindel) und den Fiederblättchen. Sie sind botanisch-ökologisch übrigens so zu interpretieren, dass sich der Baum im Herbst mit den Blattspindeln im Grunde der feinsten Verzweigungsordnung entledigt ('Wegwerftriebe'). Diese Blattspindel kann in der Vegetationsperiode Photosynthese betreiben, bleibt anschließend aber nicht mehr als 'Ballast' am Baum. Zudem geht aus interessanten Untersuchungen die enorme Reaktionsfähigkeit der Eschenblätter auf die Lichtverhältnisse hervor. Danach können sowohl die gesamten Blätter als auch die einzelnen Fiederblätt-chen Drehungs- und Biegungsbewegungen ausführen, um sich jeweils den Lichtverhältnissen optimal anzupassen. Das kann soweit gehen, dass die gesamte Krone - Blätter und Zweige - einen Links- oder Rechtsdrall bekommt. Im Herbst verfärben sich die Blätter gar nicht, oder im kontinentalen Osten des Verbreitungsgebietes höchstens gelblich grün. Die meisten fallen unverfärbt vom Baum, ein deutlicher Hinweis, dass es diese Baumart gar nicht nötig hat, im Herbst den Stickstoff aus ihren Blättern in die Zweige zurückzutransportieren, wie es andere Baumarten tun, z.B. der Ahorn mit der Folge der aufregenden Herbstfärbung. Damit hängt das Vorkommen der Esche nur auf besseren Standorten zusammen. Das hat außerdem zur Folge, dass im Herbst auf den Boden fallende Eschenblätter sehr rasch zersetzt werden, so dass Sie bereits im Frühjahr keine vollständigen Blätter vom vorigen Jahr mehr finden können. Die Blühfähigkeit der Esche tritt mit etwa 30 Jahren ein. Die Blüten befinden sich zu vielen in reichverzweigten Blütenständen (Rispen) und erscheinen bereits vor den Laubblättern im März / April. Eschenblüten sind zweigeschlechtig, aber - die dritte Besonderheit - auf einem Baum kann auch das eine oder andere Geschlecht mehr oder weniger reduziert sein bis hin zu rein männlichen oder weiblichen Blüten, ja sogar rein männlichen oder weiblichen Bäumen! Dieses gleichzeitige Vorkommen von Bäumen mit einerseits zwittrigen, andererseits eingeschlechtigen Blüten wird botanisch als dreihäusig bezeichnet. Da den Blüten auffällige Kelch- und Kronblätter fehlen, kann man zu Recht folgern, dass die Esche durch den Wind bestäubt wird. Die Früchte sind Flügelnüsse. Sie fallen während des ganzen Winters aus der Krone, werden durch die Flügel zu Schraubenfliegern und erreichen so Entfernungen von bis zu 125 m vom Mutterbaum. Durch stetes und reichliches Fruchten rein weiblicher Eschen können Zuwachsverluste dieser Bäume verursacht werden. Die Bäume müssen ja die Früchte schließlich von irgendetwas ernähren. Die Esche schlägt sehr gut aus dem Stock wieder aus, weshalb sie Rückschnitt auch in höherem Alter so gut verträgt. Außerdem kann sie sich dadurch z.B. gegenüber der Buche Konkurrenzvorteile an Steilhängen verschaffen, da der dort immer im Rutschen befindliche Boden zu häufiger Beschädigung der Gehölze führt und ausschlagfreudige Arten dies eher vertragen können. Die Esche gehört in die Familie der Ölbaumgewächse, zusammen mit den Sträuchern Flieder, Forsythie und Liguster. Sie wird ein hoher Baum mit kugelförmiger Krone und erreicht Stammdurchmesser bis zu 2m und Höhen bis über 40m. Das Höchstalter beträgt 250 bis 300 Jahre. Vorkommen,
Verbreitung Auf Freiflächen und in stärker aufgelichteten Altbeständen hat sie ein rasches Höhenwachstum, das oft etwas schneller ist als das von Berg- und Spitzahorn, aber bald wieder nachlässt. Dadurch vermag sie sich einen Vorsprung gegenüber anderen, mit ihr vergesellschafteten Baumarten (z.B. der Buche) zu verschaffen. In sehr dichten Beständen wird das Dickenwachstum zunächst zu Gunsten des Höhenwachstums zurückgestellt. Ein weiteres Rätsel der Esche: Wenn man in naturnahen Wäldern auf besseren Standorten nach unten sieht, stehen die Eschen so dicht "wie die Haare auf dem Hund"; wenn man nach oben schaut, fehlen sie fast völlig. Der Grund dafür ist die ökologische Strategie der Esche: sie ist im Schatten darauf gerichtet - die vierte Besonderheit -, sehr schnell in die Höhe zu wachsen, um eine Lücke im Kronendach zu erreichen. Dabei vermeidet sie zunächst fast jegliche Verzweigung. Im Extremfall wurde eine Esche mit nur 3cm Durchmesser am Stammfuß und einer Höhe von 10m gefunden (angelehnt an eine Kiefer!). Mit dieser Strategie schafft es die Esche sehr erfolgreich, sich in Wiesen und Hecken den Weg zum Licht zu bahnen. In geschlossenen Wäldern ist dies jedoch verhängnisvoll - die jungen Eschen können das Kronendach nicht erreichen und sterben ab. Wussten Sie, dass die Esche die am spätesten austreibende heimische Baumart ist? Das Austreiben kann sich bis in den Juni hinziehen, so dass mancher geneigt sein könnte, die Bäume für abgestorben zu halten und abzusägen. Nein, abwarten! Für gutes Wachstum verlangt die Esche nährstoffreichere, frische bis feuchte Böden in spätfrostfreien, nicht zu warmen, am liebsten luftfeuchten Lagen. Doch ist sie auch auf recht flachgründigen und trockenen Kalksteinverwitterungsböden und Felsen verbreitet anzutreffen, was - die fünfte Besonderheit - zur Diskussion von zwei 'Standortsrassen' (Ökotypen) führte: einer "Wasseresche" und einer "Kalkesche". Durch umfangreiche Untersuchungen und Verpflanzungsexperimente konnte aber gezeigt werden, dass dies nicht der Fall ist. Vielmehr kann sich die Esche außergewöhnlich gut an verschiedenste Standortsverhältnisse anpassen; solange die Nährstoffversorgung gewährleistet ist. Rinde Haben Sie schon einmal etwas von der sog. "Vereschung" gehört, einem weiteren Rätsel dieser Baumart? Damit sind Eschen-Reinbestände gemeint, in denen nachweislich zuvor auch andere Baumarten vorkamen. Auch dieses Rätsel konnte jüngst durch botanische Untersuchungen geklärt werden. Dafür ist die sechste Besonderheit dieser Baumart bedeutsam: Die Hauptwurzel der Esche wächst nämlich nur kurze Zeit senkrecht nach unten, biegt dann jedoch schon in etwa 20cm Bodentiefe in die Waagerechte um. In dichten Verjüngungen ist das Wurzelwachstum der Eschen dabei so intensiv und auf die oberen Bodenbereiche (bis 15 cm Tiefe) konzentriert, dass mit ihnen vergesellschafteten Buchen mit ihren Wurzeln in tiefere Bodenhorizonte ausweichen müssen. Dies hat zur Folge, dass die jungen Buchen in sommerlichen Trockenperioden absterben. Denn sie können dann ihren Wasserbedarf aus den spärlichen Niederschlägen nicht mehr decken - eine Befeuchtung der tieferen Bodenschichten findet nämlich nicht mehr statt, da die darüber befindlichen Eschenwurzeln das wenige Wasser 'wegsaufen'. Dies ist nur zu verhindern, wenn über der Verjüngung ein ausreichender Altbaum-Schirm erhalten bleibt, der durch Beschattung das Wachstum der Esche und damit auch ihr Wurzelwachstum so weit hemmt, dass sich auch die Buche halten kann. Gegenüber
Spätfrösten im Frühjahr ist die Esche empfindlich; verstärkt
wird diese Gefährdung noch durch die oft lagebedingte Frostgefährdung,
da sie häufig in Mulden und Tälern oder an deren Rändern
angebaut wird oder dort natürlich vorkommt. Die Esche tritt von Natur
aus vor allem stärker in der Nähe von Fließgewässern
in Erscheinung (z.B. in Erlen/Eschen-und Eschen/Ulmen-Auenwäldern)
und an Steilhängen (z.B. in Ahorn/Eschen-Schatthangwäldern).
Außerhalb des Waldes ist sie vor allem in Nord- und Osteuropa sowie
in den höheren Lagen der Mittelgebirge ein verbreiteter Straßen-
und Stadtbaum. Die Esche bietet zahlreichen Insekten (z.B. Eschenbastkäfer,
Eschenzwieselmotte) und Pilzen (z.B. Zottigem Schillerporling) einen wichtigen
Lebensraum. Viele Wildtiere ernähren sich von ihren Zweigen, was
sich z.B. im Wald in starkem Verbiss äußert. Das Verbreitungsgebiet
der Esche erstreckt sich über ganz Europa, ausgenommen das äußerste
Nordeuropa und Teile Spaniens, und erreicht auch Vorderasien. Am weitesten
nach Osten dringt sie in Auenwäldern entlang der Flüsse vor.
In den östlichsten und nördlichsten Randbereichen ihres Verbreitungsgebietes
kommt die Esche dann häufig nur noch in Strauchform vor. Die Höhenverbreitung
reicht von der Ebene bis in das Bergland: in den deutschen Mittelgebirgen
bis 700m, in den Bayerischen Alpen bis 1360m, im Kaukasus bis 1800m. Das Eschenholz zählt seit langem zu den wertvollsten Hölzern des mitteleuropäischen Waldes. Daher wird es forstlich zusammen mit anderen Baumarten auch als Edellaubholz bezeichnet. Die wichtigste Verwendung ist heute die Herstellung von Sportgeräten, Werkzeugstielen, Möbeln (Biegemöbel) und Deckfurnieren. Beim Kauf von Gartengeräten sollten Sie auf den Eschenstiel achten - der hält wenigstens! Früher wurde das Holz besonders in der Wagnerei und Tischlerei zu Radreifen, Schlittenkufen, Achsen, Deichseln, Rudern, Schneeschuhen, Ackergeräten, Gerätestielen, Möbeln, Musikinstrumenten, Turngeräten etc. verwendet. Aufgrund der besonders hohen Toleranz des Holzes gegenüber Stoßbeanspruchung fand es in der Stellmacherei vor allem für die Felgenteile des Radkranzes Verwendung. Auch Waffen (Bögen und Speere) wurden reichlich daraus hergestellt. Sogar die Pfeile des römischen Liebesgottes Amor sollen aus Eschenholz gewesen sein Rasch
ihm folgte sein Volk mit rückwärts fliegendem Haupthaar,
Heilkunde Die abgeschabte Rinde junger Bäume wurde Fieberkranken als Tee eingeflößt. Aus jungen, noch klebrigen Blättern lassen sich leckere Salate herstellen. Wenig bekannt ist die blutstillende Anwendung als Wundholz (wie Chinarinde), indem man Schnittwunden bei der ersten Hilfe mit frischen Eschenrindenstreifen verbindet. Schwarztee lässt sich in Notzeiten durch getrocknete und gestampfte Eschenblätter ersetzen. Eschenlaub in Schuhe gelegt, soll müden Füßen vorbeugen. Mythologie
und Brauchtum Als lebendige Säule durchdringt und verbindet sie mit ihren drei Wurzeln die unterschiedlichen Welten. Eine führt in die Unterwelt Niflheim, die zweite in die Götterstadt Asgard und die dritte in das Riesenland Jotunheim. Drei Schicksalsgöttinnen, die Nornen, kommen aus dem Urdbrunnen am Weltenbaum, bewässern dessen Wurzeln und bestimmen das Schicksal des Menschen. Über die Brücke des Regenbogens kommen die Götter jeden Tag zum Weltenbaum, um in seinem Schatten Gericht zu halten. O
weiser Baum,
Das Glück einer Ehe beschützte in Schottland ein über das Bett gehängter Eschenzweig, bei den Römern war die Baumart das Symbol einer glücklichen Ehe und ihrer Freuden... Der Name Fraxinus leitet sich vom griechischen phrasso (= umzäunen) ab, da junge Stämme gut zur Verwendung als Zaunpfähle geeignet sind. Ortsnamen wie Eschenbach und Aschau lassen sich auf diese Baumart zurückführen. Kenner wissen außerdem natürlich, dass man Vampiren den Garaus macht, indem man ihnen einen Eschen-Holzpflock durchs Herz rammt! Vielen ist sicher der Wetterspruch bekannt: Grünt
die Eiche vor der Esche, Aber beachten: Dies sollten Sie natürlich nur an nebeneinander stehenden und etwa gleich großen Bäumen beurteilen, um daraus Konsequenzen für den nächsten Urlaub abzuleiten |