| Die Stieleiche - Baum Des Jahres 1989 |
Lat.: Quércus róbur L., Buchengewächse/Fagáceae Charakteristika,
Erkennungsmerkmale In der Jugend besitzt der Baum eine glatte, glänzende und bräunlich bis weißgraue Rinde. Sie verwandelt sich später zu einer dunkelbraunen bis schwärzlichen und längsrissigen Borke. Am Ende neuer Triebe liegen in Büscheln zusammengefaßt wechselständig angeordnete, 616 cm lange und sehr kurz gestielte Laubblätter. Zusammen mit den Blättern erscheinen im Mai an vorjährigen Trieben lockerblütige, 25 cm lange, gelblichgrüne, schmale und hängende männliche Kätzchen. Über ihnen, an den Neutrieben, folgen zunächst einige Laubblätter und dann die weiblichen Blütenstände. Im Nachsommer reifen die eiförmig geformten, stärke- und gerbstoffreichen und einsamigen Früchte heran. Sie fanden geröstet als Kaffee-Ersatz, zur Branntweingewinnung und in außergewöhnlichen Notzeiten auch zur Brotbereitung Verwendung. Vorkommen,
Verbreitung Beste Wuchsbedingungen herrschen in Europa in der kollinen Stufe im Flachland und an Hängen mit weniger als 30 % Neigung auf mineralhaltigen, tiefgründigen, lehmigen bis tonigen und nicht austrocknenden Braunerden vor. Ihr Optimum
hat die Stieleiche in den Auen großer Flüsse und auf schweren
Lehmböden der Ebene und des Hügellandes. Verwendung,
ökologischer Nutzen Nach dem
Fällen werden die Stämme zu Balken geschnitten und anschließend
Hin und wieder taucht der Name Mooreiche auf. Es handelt sich hier nicht etwa um eine eigene Art, sondern lediglich um Holz der Stieleiche, welches viele Jahre im Moorboden oder im Wasser gelegen hat. Dadurch wurde es nicht nur schwer, sondern erhielt auch eine schöne, dunkelbraune bis schwarze Farbe. Dieses seltene Holz findet Verwendung bei Holzbildhauern und zur Schmuckherstellung. Heilkunde,
Mythologie und Brauchtum Fallen viele Eicheln im Herbst auf den Boden, so deutet dies nach einer alten Regel auf einen langen und harten Winter hin. Ähnliche Verhältnisse stehen bevor, wenn die Eichen ihr Laub lange behalten oder die Eicheln tief in ihren Fruchtbechern stecken. Tragen Eichen viele Früchte, so deutet dies auf eine gute Ernte hin; ein landwirtschaftlicher Aberglaube, der sich bereits in der Antike nachweisen läßt. Die Eiche behauptet in der Überlieferung den ersten Rang unter den Bäumen. Sie galt in Griechenland und Italien als erste Pflanze, auf die auch der Ursprung der Menschen zurückgeführt wurde. Eine besondere Bedeutung erhielt die Eiche durch die enge Beziehung zum Himmelsgott. So war sie bei den Griechen dem Zeus, bei den Römern dem Jupiter und in Germanien dem Donner- und Gewittergott Donar geweiht. Der Grund dafür wird wohl darin zu suchen sein, daß die Eichen unter den einheimischen Baumarten besonders häufig vom Blitz getroffen werden. Im Zuge der
Christianisierung wurden viele heilige Eichen gefällt. Quellen:
Alfred Dengler Waldbau auf ökologischer Grundlage. 6.
Auflage, in 2 Bänden vollständig neubearbeitet von E. Röhrig
u. H. A. Gussone. |