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Lat.: Juniperus communis L.
Charakteristika,
Erkennungsmerkmale
Der
Wacholder ist gerne was Besonderes. Und deswegen leicht zu erkennen. Das
fängt beim Habitus an. Und geht weiter bei der Nadelstellung,
da die Nadeln zu dritt im Quirl stehen wie ein Stern. Knospen entwickelt
dieses Gehölz erst gar nicht: einige unterentwickelte Nadeln schützen
die Triebspitze - das war's. Kein Wunder, dass der Wacholder sogar im
Winter weiterwachsen kann, wenn die Witterung mal länger warm genug
ist. Da können die anderen heimischen Gehölze nur neidisch zuschauen. Und die Seitenknospen machen was sie wollen, sie befinden sich
alle in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Das müssen Sie sich
ansehen! (Er mag das, wenn Sie ihn anschauen.)
Meist ist er vom Grunde an verzweigt. Strauchförmige Exemplare können
eine Höhe von 3-5 m erreichen. Seltener gibt es baumförmige
Wacholder, mit einer Höhe von 10 bis 15 m. Stammdurchmesser von bis
zu 50 cm sind das Maximum. Der unterste astlose Stammabschnitt ist allerdings
meist sehr kurz und erreicht höchstens 2 m Länge. Die variable
Kronenform kann sich infolge des dadurch bedingten unterschiedlichen Schattenwurfes
sogar auf die Zusammensetzung der Begleitvegetation auswirken.
Juniperus communis besitzt im Gegensatz zu vielen anderen Wacholderarten
keine schuppenförmigen, sondern ausschließlich nadelförmige Blätter. Und die schauen Sie sich einmal von ganz
nah an (Sie müssen sie ja dabei nicht anfassen). Die bis 2 cm langen, steifen, stechenden, graugrünen Nadeln haben nämlich
oberseits einen weißen Streifen mit schmalen, grünen Rändern.
Und der ist keine Spielerei oder Eitelkeit (was bei diesem Gehölz
auch möglich wäre), sondern entsteht durch ein Band von winzigen
Öffnungen zum Gasaustausch (sog. Spaltöffnungen), die von Wachs
bedeckt sind. Die Lebensdauer der Nadel beträgt 3 bis 4 Jahre.
Außerdem sollten Sie
beim Anschauen des Wacholders wissen und berücksichtigen, dass es
nur männliche oder weibliche Exemplare gibt. Das wird botanisch als zweihäusig bezeichnet. Es
hat sich gezeigt, dass die Standortsbedingungen einen erheblichen Einfluss
auf das Geschlechterverhältnis haben können. So wird auf trockenen
Sandstandorten ein erhöhter Anteil männlicher Exemplare gefunden.
Dies mag aber auch daran liegen, dass weibliche Wacholder auf solchen
Standorten über mehrere Jahre steril bleiben. Eingehende Untersuchungen
belegen, dass bei der Neubesiedelung von Flächen oft zunächst
vor allem männliche Exemplare auftreten und im Geschlechterverhältnis
erst später dann weibliche Exemplare überwiegen können.
Die Männer müssen also die Lage testen... Oder findet gar eine
Geschlechtsumwandlung statt? Niemand hat das bisher untersucht.
Die Blüten stehen an kurzen Seitensprossen in den Blattachseln
der mittleren Nadelquirle eines Zweiges. Zwischen Ende April und Anfang
Juni (je nach Höhenlage und Witterung) entfalten sie sich unauffällig.
Die Bestäubung erfolgt mit Hilfe von Tropfen an den weiblichen Blüten,
die den vom Wind herangeführten Pollen einfangen und bei ihrem Eintrocknen
einsaugen: das können Sie aber nur mit Ihrer Lupe sehen. Zur Befruchtung
kommt es erst 2-3 Monate später.
Nach der Befruchtungvereinigen sich die obersten drei Schuppenblätter ("Fruchtblätter"), werden
fleischig und wachsen zu einem kugelförmigen Beerenzapfen heran,
der die Samen bald völlig einschließt. Und nun die botanische Richtigstellung:
Es handelt sich nicht um Beeren, denn Früchte gibt's bei Nadelgehölzen
nicht. Bereits im Juli des ersten Jahres ist der Zapfen ganz geschlossen,
aber die Nähte zwischen den Schuppen sind noch erkennbar, und in diesem
Stadium ist noch unschwer zu sehen, dass es sich um einen Zapfen mit drei
Zapfenschuppen handelt. Die Samen reifen erst im Herbst/Winter des zweiten
Jahres, oder sogar erst im dritten Jahr (nur ausnahmsweise im ersten Jahr). Die Beerenzapfen sind im ersten Herbst
noch grün, hart und von unangenehmem Geschmack. Im Sommer des zweiten
Jahres werden sie fleischig, schwarzblau und bekommen einen Wachsüberzug.
Dann können Sie die Zapfenschuppen nicht mehr erkennen.
Die Beerenzapfen werden durch Vögel verbreitet, besonders durch Amseln,
Ring-, Misteldrosseln, Wacholderdrosseln ("Krammetsvögel"!), Alpenkrähen,
Birkhühner und Schneehühner. Dabei wird ihre Keimfähigkeit jedoch zum
Teil erheblich herabgesetzt.
Die Rinde ist in der Jugend glatt. Bei älteren Exemplaren löst
sie sich in langen, dünnen Streifen ab, ein schönes Beispiel für eine
Streifenborke. Diese ist ein wichtiges dekoratives Element, da der Stamm
oft sehr drehwüchsig ist.
Der Wacholder gehört zur Familie der Zypressengewächse. In Nordamerika
gibt es Wacholderarten (dort Zedern genannt), die zu 30m hohen Bäumen
werden. Der nah verwandte Stinkwacholder war wegen seiner abtreibenden
Wirkung im Dritten Reich verboten.
Ökologie und Vorkommen
Der Wacholder wächst sehr langsam, da er sich mit all seinen Seitenzweigen
zu sehr verausgabt. Baumförmige Exemplare erreichen in 10 Jahren meist
nur eine Höhe von 1 m. Mit 500-2000 Jahren kann er aber sehr alt werden
und wird dabei in Europa nur noch von der Eibe übertroffen.
Er erträgt tiefe Winterkälte und hat sehr geringe Ansprüche an
den Boden. Eigentlich kann er überall wachsen. So verträgt er sowohl lehmige
als auch sandige Böden,die trocken oder wechselfeucht sind, und selbst auf nassen Hochmoorstandorten
kommt er vor. Üppig wird er allerdings nur auf mäßig saurem Boden, der
sandig und relativ trocken ist. Na, wissen Sie noch welches Geschlecht
hier häufiger ist? Auf armen, trockenen Böden tritt er oft in schlanken,
zypressenartigen Wuchsformen in Erscheinung, vor allem in Skandinavien.
Was das Entscheidende ist: er braucht wegen seines hohen Lichtbedarfes
eine vollsonnige, exponierte Lage. Und kaum eine Baumart ist so trockenheitsresistent
wie der Wacholder.
Er ist rund um die Nordhalbkugel verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet
reicht in Europa im Norden von der Küste des Eismeeres bis in den
Süden nach Zentralspanien, Sizilien, dem Peloponnes und zu den nordafrikanischen
Gebirgen. Außerdem kommt der Wacholder in Südgrönland und in Nordamerika
vor. Meist tritt er gruppen- und herdenweise auf.
Juniperus communis ist von der Ebene bis in die Hochalpen verbreitet.
In den Alpen kann man ihn häufiger bis in Höhen von 1500-1600 m antreffen,
als absolutes Maximum der Höhenverbreitung in den Alpen gelten 3570 m,
womit er das am höchsten steigende Gehölz Europas ist.
Er braucht in seinem großen Verbreitungsgebiet für ein häufigeres Vorkommen
sehr offene Landschaften wie Sand-, Fels-, Schotter-, Trockenfluren, Heiden
oder Macchien oder sehr
lichte Kiefern- oder Eichenwälder. In Heiden und Magerrasen wird der Wacholder
als Weideunkraut wegen der stechenden Nadeln selbst von Schafen gemieden.
Auf intensiv beweideten Flächen gelingt die Verjüngung anderer Baumarten,
wie z.B. Eberesche, Sandbirke oder Traubeneiche oft nur im Schutz der
im Alter auseinanderfallenden Kronen des Wacholders, so dass ihm hier
eine wichtige Bedeutung in der Waldentwicklung zukommt (Ammenverjüngung).
Wenn
die Beweidung auf diesen Magerstandorten fehlt, kommt es sofort zur natürlichen Wiederbewaldung, und der Wacholder wird
schließlich durch Beschattung verdrängt. Kümmernde Exemplare in heute
geschlossenen Wäldern weisen daher auf frühere Heideflächen an diesen
Stellen hin. Bis ins 16. Jahrhundert war er viel häufiger in der Landschaft
wegen der weit verbreiteten Weide und großflächigen Rodungen. Will man
dieses heute seltene Gehölz in der Landschaft erhalten, so müssen entsprechende
Flächen durch Schafbeweidung offengehalten werden. Andere Pflegemaßnahmen
(z.B. Entfernung der übrigen Gehölze oder Mahd) können auf Dauer den Bestand
nicht sichern, weil es kaum zu Verjüngungen kommt.
Der Wacholder bietet Lebensraum für eine Reihe von Insekten (z.B.
Wacholderprachtkäfer, -miniermotte und -borkenkäfer) und Pilzen (z.B.
verschiedene Rostpilzarten). Im Frühling dienen die männlichen Blüten
als Pollenspender für Bienen. Auch als Vogelschutz- und -nährgehölz ist
er wertvoll, und im Winter schafft erzusätzlich einen Zufluchtsort für
das Wild.
Nutzung, Heilkunde, Verwendung
Forstwirtschaftlich
ist der Wacholder nur von geringer Bedeutung, so dass bereits 1871 der Tharandter
Forstbotaniker ROßMÄßLER sein Leben mit dem eines forstlichen Proletariers
verglich, um den sich niemand kümmert.
Das Holz ist weich, aber zäh, elastisch, schwer spaltbar, dauerhaftund
weitgehend resistent gegen Insektenbefall. Es hat einen typischen kampferartig-aromatischen
Geruch und enthält kein Harz. Die Jahrringe sind eng und grobwellig. Der
äußere Bereich, der Splint, ist schmal, hellgelb bis rötlichweiß,der Kern
gelbbraun bis rot oder blauviolett, so dass sich das Splintholz in frischem
Zustand gut absetzt.
Das
Holz ist gut für Schnitz- und Drechslerarbeiten geeignet und wird in der
Kunsttischlerei verwendet. Außerdem werden daraus Pfeifen, Spazierstöcke,
Ess-und Trinkgeschirr, Holzschuhe und Bleistifte hergestellt. Ferner wird
es zum Räuchern von Wurst- und Fleischwaren sowie von Fisch genutzt, da
die Speisen dadurch ein einmaliges Aroma bekommen. Das wussten Sie sicher
schon, oder?
Sein Grün wird für Kränze verwendet,
schlanke junge Schosse wegen ihrer Zähigkeit für Peitschen und sogar zur
Korbflechterei. Das Wurzelholz ist aufgrund der interessanten Maserung
gut zur Herstellung von Pfeifenköpfen geeignet. Fragen Sie doch mal beim
Pfeifenhändler nach.
Am bekanntesten ist wohl die Verwendung der Beerenzapfen: als Gewürz
beim Kochen und zur Branntweinherstellung, zum Räuchern und für verschiedene Heilmittel. Als Gewürz für
Wildspeisen, Sauerkraut, Gurken und Rote Rüben sind sie ein Muss.
In den Beerenzapfen finden sich neben Ölen in den Zapfenschuppen
bis zu 30% Zucker. Deshalb werden sie vergoren und destilliert, wobei
das Öl in das Produkt mit eingeht und dann Gin, Genever, Borovicska
oder Steinhäger genannt wird. Aber Vorsicht, diese Wacholderschnäpse
können je nach genossener Menge schnell vom Genuss- zum Arznei- und
Betäubungsmittel werden...
Im
Mittelalter gehörte der Wacholder zu den wichtigsten Pflanzen in
der Heilkunde! Die Ernte der Beerenzapfen ist allerdings sehr mühsam
und unangenehm wegen der stechenden Nadeln. Man muss schon ein paar Tricks
anwenden (vom Autor erhältlich), um zu einer brauchbaren Menge zu
kommen. Innerlich angewendet wirken sie magenstärkend, blutreinigend
und harntreibend, äußerlich bewirken sie eine verstärkte
Durchblutung. Sie schmecken zunächst süßlich, hinterlassen
aber einen bitterherben Nachgeschmack. In der Homöopathie finden
sie als Ableitungsmittel für die Nieren, zur Behandlung von Hautkrankheiten,
Gicht und Rheuma Verwendung.
Der Wacholder ist gut geeignet für Pflanzungen in der Stadt,
denn er ist unempfindlich gegen das Stadtklima und erstaunlich resistent
gegenüber Luftverunreinigungen (auch gegenüber Ozon). So wird
er in Ihrem Garten und in Grünanlagen besonders zur Anlage von Heidebeeten
verwendet und harmonisiert gut mit Kiefer, Birke, Heidekraut, Ginster,
Eberesche, Wildrosen, Königskerzen, Nelken, Thymian und Gräsern.
Er eignet sich auch für dichte Hecken, ist schnittverträglich
und lässt sich sogar zu lebenden Skulpturen formen. Ein Umpflanzen
wird von alten Exemplaren allerdings nur schlecht vertragen.
Mythologie und Brauchtum
Der Name Juniperus ist schon bei den Römern in Gebrauch gewesen
und ist abgeleitet vom lateinischen juvenis = Jüngling / Mädchen und parere = gebären; das ist auf die abtreibende Wirkung
der Beerenzapfen zurückzuführen. Der Name Wacholder ist auf
das deutsche Sprachgebiet beschränkt und tritt seit dem 15. Jahrhundert
auf. Er ist aus der Althochdeutschen Silbe 'wachal' abgeleitet, die so
viel wie wach, munter, frisch, hier 'immergrün' bedeutet. Im deutschen
Sprachraum gibt es viele verschiedene Bezeichnungen und mundartliche Formen
für den Wacholder, es wurden über 150 Namen gezählt!
Manche Namen leiten sich von seinem Verwendungszweck ab. So wird der Wacholder
auch als Räucherstrauch oder Weihrauchbaum bezeichnet, weil die Zweige
und Zapfen beim Räuchern sehr aromatisch riechen. Aus dem Bayerischen
kommt die Bezeichnung Kranewitt (Kranewitter, Kranewitterbeere), die aus
dem Althochdeutschen krano ("Kranich") und witu ("Holz")
entstanden ist. In Pommern wird er auch als Kniste- oder Knastebusch nach
dem Knistern der verbrennenden Zweige bezeichnet: das müssen Sie
mal gehört haben!
Außerdem gibt es verschiedene mundartliche Formen wie Weckholder,
Queckholder (niederdeutsch angelehnt an queck "lebendig, lebensfrisch")
und Reckholder (auf das Allemannische beschränkt) und man findet
auch Bezeichnungen wie Feuerbaum, Krammetsbaum, Krammelbeere und Wachtelbeerstrauch.
Neben Hasel und Holunder hatte der Wacholder im Volksglauben die größte
Bedeutung: "vor dem Holunder zieh den Hut, vor dem Wacholder
geh in die Knie".
"Machandel, lieber Machandelbaum,
in Trauern komm ich her,
ich träumte einen bösen Traum,
das Herze ist mir schwer..."
(aus HERMANN LÖNS: Der Traum)
Als in der Dämmerung einzeln stehende Gestalt hat er vor allem in
Heidegegenden die Phantasie der Menschen beflügelt. Er wird als Hüter
an der Schwelle vom Leben zum Tod bis heute gerne an Grabstellen gepflanzt.
Früher sollte ein Trank aus den "Beeren" die Gabe verleihen,
in die Zukunft zu sehen. Brennenden Wacholderstämmen wurde Schutz
vor Ansteckung in Zeiten der Pest zugeschrieben.
Auf Rügen steckte man beim Hausbau einen Wacholderzweig mit ins Fundament,
damit der Teufel fernbliebe. In alten norddeutschen Fachwerkhäusern
findet man bisweilen heute noch Einstreu von
Wacholdernadeln unter den Erdgeschossdielen - zum Schutz vor Mäusen,
für die dies ein fast unüberwindliches Hindernis darstellt.
Schaffen Sie für den Wacholder einen sonnigen Platz in Ihrem Garten
oder in der Landschaft - Sie werden sich viele Male im Jahr darüber
freuen und haben einem seltenen Gehölz zu einem Lebensraum verholfen.
Und schauen Sie ihn an. Er mag das.
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