Das ruft

Baumfreunde helfen der Schwarzerle - Baum des Jahres 2003

Eine neue Epidemie bedroht die europäischen Erlenbestände, Fachleute befürchten ein weit verbreitetes Erlensterben.

Bitte melden Sie uns erkrankte oder absterbende Erlen über unseren Online-Meldebogen!

Um einen möglichst vollständigen Überblick über die Situation zu erhalten, ist die Mithilfe von Personen vor Ort wünschenswert. Das Kuratorium bittet um Mithilfe! Melden Sie uns kranke oder absterbende Erlen.

Das Meldeformular steht auch als PDF-Datei zum Download bereit! Sie können die PDF-Datei downloaden, ansehen, ausfüllen und an uns senden. Entweder als PDF (im E-Mail-Anhang) oder in gedruckter Form per Post.

Unter den Einsendern werden jeden Monat ausgelost:
5 Fotserien "Schwarz- Erle in den vier Jahreszeiten" (Vier DIN A3 Farbfotos) und 5 Plakate DIN A2 sowie 5 Baumbücher

Online-Meldebogen
 
Name des Beobachters?

Datum?
E-Mail-Adresse des Beobachters?
Ort der Beobachtung?

Um welche Erlenart handelt es sich?
Schwarzerle (Alnus glutinosa)
Grauerle (Alnus incana)
nicht bekannt


Wo haben Sie die Erle gefunden?

Gewässerrand
Wurzeln im Wasser
Überschwämmungsbereich des Gewässers

Um wieviele Bäume handelt es sich?

Einzelner Baum
2-5 Bäume
Mehr als 5 Bäume

Welche Krankheitsmerkmale haben Sie an wievielen Bäumen festgestellt?
"Teerflecken": schwarz-braune Flecken auf der Rinde "Wundgummi", schwarze, nässende Wunden Bereiche auf der äußeren Rinde Lichte Krone, vergilbte Blätter Rrot-braune Flecken / Bereiche unter der Rinde
Anzahl: Anzahl: Anzahl: Anzahl:
(Mehrfachnennungen sind möglich)
 
Sonstige Bemerkungen:

Das KBJ dankt dem saarländischen Ministerium für Umwelt für die Anregung und für Unterlagen zu dieser Aktion.

Weitere Informationen zum Erlensterben:

Ursache

Hinter dem Erlensterben verbirgt sich ein pilzähnlicher Mikroorganismus der Gattung Phytophthora. Hierbei handelt es sich um eine weltweit verbreitete Gattung mit vielen verschiedenen Arten. Die bekannteste Art (Ph. infestans) verursacht die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln.
Andere Phytophthora-Arten waren schon vor Jahren in Australien die Ursache für ein Eukalyptussterben und - seit einigen Jahren - in den USA (Kalifornien) für ein Absterben von Eichen.
Für das Erlensterben bzw. die Wurzelhalsfäule verantwortlich ist ein i. W. auf Schwarz-, und Grauerlen spezialisierter Hybrid aus Phytophthora-Arten (vermutlich Ph. cambivora X Ph. fragariae). Es treten offensichtlich eine Reihe von Varianten dieses Hybrids auf, die unterschiedlich aggressiv wirken.


Verbreitung

Ein Erlensterben wurde erstmals im Jahre 1992 in den Niederlanden beobachtet. Eine Isolierung des Verursachers "Erlen-Phytophthora" erfolgte 1993 in England. Seither breitete sich die Erkrankung in fast allen europäischen Ländern aus (z. B. Schweden, Frankreich, Belgien, Österreich, Italien, Ungarn). In Deutschland wurde über ein neuartiges Erlensterben erstmals 1994 (Niedersachsen) berichtet. Inzwischen liegen Meldungen aus mehreren Bundesländern über ein Erlensterben vor. Als erstes Bundesland hat bisher Bayern eine systematische Erfassung durchgeführt. Die Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft befürchtete schon im Jahr 2000 für süddeutsche Erlenbestände eine "ernste Epidemie".
Betroffen sind bei uns insbesondere Schwarzerlen an (hoch)wasser- und grundwasserbeeinflussten Standorten, da Phytophthora zur Fortpflanzung auf Wasser angewiesen ist. Erlen-Phytophthora scheint an bestimmte Umweltbedingungen angepasst zu sein. So konnte der Pilz bisher nur in Bodenproben mit einem pH-Wert von über 4 nachgewiesen werden.


Krankheitsverlauf

Die Ausbreitung der Phytophthora-Erkrankung erfolgt insbesondere entlang der Gewässer, grundsätzlich mit der Strömung flussabwärts. Die Fortpflanzungsorgane des Pilzes können sich mit zwei Geißeln im Wasser bewegen und so die Erlenwurzeln und -stämme erreichen. Eine Aufnahme des Mikroorganismus erfolgt nur über die Atemöffnungen (Lentizellen) an der Stammbasis. Günstige Bedingungen für eine Infektion sind gemäßigte Temperaturen und eine hohe Bodenfeuchtigkeit. Frühjahr und Herbst sind daher die bevorzugten Infektionszeiträume.
Ist das Rindengewebe erst mal befallen, sind Zuckertransport und Dickenwachstum nicht mehr möglich. Bis zum Ausbruch der Erkrankung können Monate bis Jahre vergehen. Langjährige Beobachtungen haben ergeben, dass Erlen in bestimmten Maße Abwehrmechanismen besitzen, die einen Ausbruch der Erkrankung über mehrere Jahre hinweg verhindern können. Dann aber schreitet die Krankheit sehr rasch fort und führt meist sehr schnell zum Absterben des Baumes.


Gegenmaßnahmen

Direkte Bekämpfungsmaßnahmen, z. B. mit Fungiziden (Pilzbehandlungsmittel), sind nur begrenzt möglich (z.B. in Baumschulen). In der freien Landschaft ist eine Anwendung dagegen nicht ausgewiesen und wegen der bedenklichen ökologischen Auswirkungen (Gewässer !) auch nicht sinnvoll.
Es bleiben lediglich vorbeugende Maßnahmen wie das Fällen der Bäume und Verbrennen des infizierten Holzes. Es gibt auch Hinweise, dass durch regelmäßiges Auf-den-Stock-Setzen die Erkrankung ausgemerzt werden könnte.
Empfohlen wird auch, verstärkt auf Naturverjüngung zu setzen, so lange keine resistenten Arten zur Verfügung stehen. In Großbritannien, wo das Erlensterben besonders in den letzten Jahren katastrophale Ausmaße angenommen haben soll, werden derzeit Züchtungsversuche mit widerstandsfähigen Arten unternommen.


Schlussfolgerungen

Die Schwarzerle (Alnus glutinosa) ist bei uns die bestandsbildende Charakterbaumart entlang der kleinen und mittelgroßen Fließgewässer. Sie hat vielfältige ökologische Funktionen im Gewässerökosystem (Nahrungslieferant, Lebensraum, Beschattung, Ufersicherung, Luftstickstoffbindung). Ein flächendeckendes Absterben von Erlen hätte unabsehbare Auswirkungen für die Gewässerökosysteme.
Solange jedoch die genaueren Umstände, unter denen die Phytophthora-Erkrankung der Erlen auftritt oder begünstigt wird, nicht bekannt sind, lassen sich auch nur schwer Gegenmaßnahmen ergreifen.
Im Augenblick bleibt nur weitere Forschungsergebnisse abzuwarten und zu beobachten, wie sich der Zustand der Erlen in Deutschland im nächsten Jahr entwickelt.

Weitere wissenschaftliche Untersuchungen wären wünschenswert, um die vielen offenen Fragen zu klären. Gibt es zum Beispiel eine Abhängigkeit zwischen Phytophthora-Vorkommen und Bodentypen bzw. Gewässerbeschaffenheit ? Welchen Einfluss haben Hochwässerereignisse und die damit verbundenen Stresssituationen für die Bäume ? Wie lässt sich das Verschleppen der Erlen-Phytophthora über Pflanzgut kontrollieren bzw. vermeiden?

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