Monatsartikel

August / Juli    Juni     Mai     April     März


Gedenkstein für die Toten der Wald-brandkatastrophe 1975 bei Meinersen / Landkreis Gifhorn (Foto: J. Tönnießen, KBJ)

Die Monatsartikel sind zur freien
Verwendung und dürfen herunter-
geladen werden.


aktuell:
Fertige Powerpoint-Präsentation
zur freien Verwendung nach dem Herunterladen
zum downloaden

Die Kiefer im Hochsommer:
„Feurio!“ – Feuer im Kiefernwald


In trockenen Hochsommern geht die Angst um bei den Verantwortlichen für Kiefernwälder: Wald­brand droht! Die Kiefer ist die durch Waldbrände am meisten gefährdete Baumart – kein Wunder, findet sie sich doch meist auf trockenen, sandigen Böden, die schnell austrocknen und deren Boden­vegetation entsprechend schnell Feuer fängt. Immer wieder kommt es deshalb bei kritischen Wetter­lagen zu Waldbränden, meist durch Unachtsamkeit (z.B. Rauchen im Wald, sogar Grillfeuerstellen). Der bisher größte Waldbrand in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ereignete sich im August 1975 im Kiefernwaldgebiet Ostniedersachsens. 13.000 Feuerwehrleuten und 11.000 Soldaten sowie fast 8.000 weitere Hilfskräfte bekämpften 10 Tage lang verschiedene Brandherde. Fünf Feuerwehrleute kamen damals in den Flammen um, etwa 7.500 Hektar Wald wurden vernichtet.

Neben falsch eingeschätztem, drehendem Wind lag ein Hauptgrund für diese Brandfolgen in den weit­läufig jungen, also sehr dicht stehenden Wäldern, die erst in der Nachkriegsphase aufgeforstet worden waren. Sie hatten noch eine relativ geringe Höhe, so dass die Bodenfeuer sich schnell in die Kronen­region ausbreiten konnten. Zudem lag in den Wäldern noch eine Fülle nicht aufgearbeiteten Holzes, das ein großer Sturm drei Jahre zuvor geworfen hatte. Dieses an sich schon brandgefährliche Material war zum Teil zu „Stubbenwällen“ aufgeworfen worden, die wie Zündschnüre durch den Wald liefen und das Feuer extrem rasch verbreiteten.

Angesichts solcher Waldbrandkatastrophen im Kiefernwald mag man kaum glauben, dass, ökologisch gesehen, ein Brand in natürlichen Kiefernwäldern durchaus Sinn macht. Kiefern wachsen in trockenen Gebieten oder in kalten Gegenden, im Taiga-Gürtel Nord- und Osteuropas bis hin nach Sibirien. Dort wird die Streu aus abgefallenen Nadeln, Ästen und Zapfen in den kurzen Sommern nur unzureichend zersetzt – der Nährstoffkreislauf funktioniert nicht so kontinuierlich, wie wir es in Mitteleuropa ge­wöhnt sind. Dann muss eben ab und an der Blitz einschlagen und die Streu auf einen Schlag minerali­sieren – in der Asche wachsen die Kiefern danach umso besser. Meist überleben die alten Kiefern dieses Streufeuer sogar, haben sie doch am Stammfuß eine dicke, isolierende Borke. Die Krone, die erst nach einem „astreinen Stamm“ weit oben beginnt, liegt außerhalb der Reichweite des Streufeuers, das wie das vom Wortursprung her verwandte Strohfeuer nur kurz auflodert, sich schnell ausbreitet und dann genau so schnell wieder vorbei ist. Und wenn die alten Kiefern nicht überleben, fliegt eben aus benachbarten Beständen die Kiefernsaat heran, die nun beste Keimbedingungen vorfindet: Der Boden ist durch die Asche frisch gedüngt und frei von störender Bodenstreu.

Erste Versuche, das Feuer kontrolliert auch in Wirtschaftswäldern wieder einzusetzen, gibt es bereits in Nordamerika wie auch in Skandi­navien. In Mitteleuropa sind die Verhältnisse anders; hier ist der Waldbrand eindeutig eine Gefahr, sowohl für den Wald als auch – bei der hier herrschenden, sehr hohen Besiede­lungsdichte – für den Menschen. Schutz vor Waldbränden muss also sehr ernst genommen werden, die Einschränkungen der Wald­nutzungen bei Ausrufung der verschiedenen Waldbrandwarnstufen sind unbedingt einzuhalten!





(Text: Jens Tönnießen, Kuratorium Baum des Jahres)