Leserbriefe

An das KBJ: Sie stellen die wohl mehr rhetorische Frage,“ warum ruft das KBJ einen Baum des Jahres aus“ und geben eine kurz gefasste Antwort. Die Antwort fällt wirklich kurz aus, für mich nicht nur zu kurz sondern vor allem zu ungenau.
Sie wollen „Menschen für Bäume“ gewinnen – ein verständliches Motto, aber was wollen sie dann von den motivierten Menschen? Vor ein paar Tagen war bei uns eine Haussammlung für den „Tierschutz“ – die Frau brauchte mir nichts näher zu erklären, sie bekam 5,-- € in die Büchse: gegen Tierquälerei, nicht artgerechte Haltung, Missbrauch, für Artenschutz und anderes mehr. Bei ihrer Frage fiel mir aber so spontan wie zu Tierschutz nichts ein – nichts was man zum Beispiel mit einer „Baumspende“ bewirken könnte, was mich ohne längere Überlegung bewegen könnte, eine Spende zu leisten. Antworten sie mir bitte!

Rübezahl: Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen und gleichzeitig, wenn das überhaupt geht, den Finger in d i e Wunde gelegt: sie stellen d i e Frage, die uns immer wieder umtreibt und nach deren Antwort – wahrscheinlich gibt es weit mehr als nur eine Antwort darauf – wir selbst laufend suchen.
Bäume bellen nicht, sie schnurren nicht und sie singen nicht wie die Nachtigal. Auch wenn sie leiden, leiden sie stumm >> wenn ihre Wurzeln durch Asphalt versiegelt werden, wenn ein Bagger die Wurzeln beim Verlegen von Rohren oder Kabeln zerreist, wenn Bäume durch angebliche Spezialisten bis zur Unkenntlichkeit beschnitten werden ( zur Zeit betreiben diese „Schnitter“ überall an den Straßen mehr schlecht als recht ihr Handwerk), wenn Bäume einem Bauvorhaben weichen müssen ( bei einem Tier würde man sagen, es wird „getötet“, ein Baum wird ganz undramatisch „gefällt“) oder wenn der Regenwald aus Profitgier hektarweise vernichtet wird. Wir brauchen diese Reihe jetzt nicht fortzusetzen, es ist klar, was gemeint ist.
Eine zu der Frage oben passende Antwort wäre, dass wir Menschen diese Probleme bekannt und bewusst machen wollen. Im zweiten Schritt wollen wir sie motivieren, nach Lösungen für diese Probleme zu suchen und die Lösungen schließlich auch in die Tat um zu setzen.
Ein Erfolg versprechenden Weg wird möglicherweise der sein, dass wir Menschen für Bäume gewinnen können, wenn wir sie in ihrem eigenen Interessensbereich ansprechen, also den Arzt, wenn es um die Gesundheit von Menschen geht oder den Wasserwirtschafter, wenn es um den Wasserhaushalt seiner Landschaft geht, oder das Sägewerk, wenn es um den Rohstoff Holz geht und die Wanderer, die Spaziergänger, die Gartenliebhaber, die Pharmaindustrie, die Imker, die Baumschulen, die Jäger, die Naturschützer usw. usw.
Wir haben absichtlich so „durcheinander“ aufgezählt, weil die „Interessenslage“ ganz genau so „gemischt“ ist.
Unsere Antwort will Sie und andere Leser zum Nachdenken anregen, denn es gäbe dazu sicher noch viel zu sagen.
Schreiben Sie uns bitte einen „Leserbrief“ mit Ihren Gedanken.