Leserbrief an Baum des Jahres:
Können Sie mir bitte verständlich darstellen, wie ich das Alter
eines Baumes einigermaßen sicher feststellen kann?

Antwort Rübezahl:

Die Frage ist einfacher als die Antworten.
Ich will es versuchen, ganz „einfach“ ist es nicht, weil es mehrere Möglichkeiten gibt und je nach Möglichkeit unterschiedliche Verfahren. Folgen Sie mir zu den vier „Situationen“.

1. Situation:
Sie können das Datum/den Zeitpunkt der Pflanzung ermitteln.
Dann rechnen Sie noch ca. 3 Jahre für die Aufzucht in der Baumschule dazu und Sie haben das
Alter des Baumes ziemlich genau.

2. Situation:
Sie wissen die Baumart vor der Sie stehen, aber mehr nicht.

2,a) Der Baum steht mit anderen in einem Wald-Bestand. Er hat also Nachbarn, die seine Konkurrenten (i.d.R. ist Licht der Hauptfaktor) sind und ihm keinen vollen Lichtgenuss gestatten (anders, als bei einem allein auf weiter Flur stehenden Solitär, der hat Licht von allen Seiten).
Jetzt brauchen Sie Erfahrung, um aus dem optischen Vergleich mit Ihnen anderen Bäumen derselben Baumart, deren Alter Sie kennen, das Alter des Baumes vor dem Sie stehen, schätzen zu können. Ohne diese Erfahrung ist eine vergleichende Schätzung nicht erfolgreich. Erinnern Sie sich an ein Klassenfoto aus Ihrer Schulzeit? Abgesehen von dem einen oder anderen „Wiederholer“ sind die Kinder alle fast gleich alt, aber wie unterschiedlich groß oder dick sind sie doch. Da können Sie, wenn Sie sich am „Durchmesser“ oder an der Höhe des Türrahmens orientieren wollen, ganz schon daneben liegen.

Zurück zur „Situation“ 2.a. Schätzung des Alters durch Vergleich.

2.b) Es handelt sich um einen Ihnen unbekannten Solitär = allein auf weiter Flur.
Da nützen Ihnen Erfahrungen mit Bäumen im Wald wenig, denn Vergleiche sind wegen der unterschiedlichen Wachstumsbedingen sehr unsicher ( Nicht nur Licht sondern auch z.B. Wind, Wasser, mechanische „Schäden“ wie Verbiss durch Weidetiere und anderes mehr).
Meist sind Solitäre dicker = größeren Stamm - Umfang oder Durchmesser als ihre gleich alten Kollegen in einem Baumbestand, diese sind dafür höher, weil sie zum „Licht“ nach oben streben = schlanke, längliche Krone. Der Solitär ist nicht so hoch und hat oft eine Kugelkrone, die ja von allen Seiten Licht bekommen kann.

3. Situation:
Der Baum wurde gefällt und der Stamm liegt noch da, zumindest ist der Stubben mit der Schnittfläche vorhanden. Jetzt ist es relativ einfach, das Alter festzustellen, denn Sie können die meist gut sichtbaren bzw. abgegrenzten Jahrringe zählen + 3 Jahre Keimling = ein Jahrring grenzt den Holzzuwachs eines Jahres ab. Beispiel: 20 Jahrringe = 20 + 3 Jahre Keimling = Alter 23 Jahre

Siehe Foto:
Wie alt war der Baum, als er gefällt worden ist? Schicken Sie uns nur „Ihre“ Zahl an info@baum-des-jahres.de. Drei Preise werden unter den „richtigen“
ausgelost (Postadresse angeben).

Zählen Sie die Jahrringe und Sie wissen das Alter.

Bemerkung: so ein Bild gibt den „Lebenslauf“ eines Baumes preis.
Sie sehen, dass in der Stammmitte = Jugend der Pflanze ein kaum differenzierter „Kern“ zu erkennen ist = langsames Dickenwachstum. Später hat der Baum mehr Licht bekommen und konnte „zulegen“ und gegen Ende seines Lebens im Waldbestand mit anderen wurde er vom Förster begünstigt = Entnahme von Konkurrenten. Das hat er durch einen stärkeren Holzzuwachs „belohnt“. Man sieht allerdings auch, dass dieser nicht rundum gleichmäßig angelegt worden ist. Und was man auch sieht = keine eingewachsenen Äste = „astreines“ Holz. Da freut sich das Sägewerk und der Käufer von Brettern oder Balken. Oder?
Bisher ging es nur um den Dickenzuwachs. Und wie wächst ein Baum in die Höhe?
Diese Frage erörtere ich später.

Aber schon heute frage ich:
Wie hoch ist eine Markierung, die an einen Stamm vor 10 Jahren vorgenommen wurde nach diesen 10 Jahren?

Wer die Antwort weiß, kann sie ebenfalls an info@baum-des-jahres.de schicken.
Dann wird ein Sonderpreis ausgelost.

4. Situation:
Der Baum ist nicht gefällt, aber Sie haben einen so genannten „Zuwachsbohrer“ zur
Verfügung. Siehe Foto. Es handelt sich um ein Röhrchen mit Gewinde an der Spitze.
Dieses Rohr wird in den Stamm in Richtung der Durchmessermitte durch Drehen
eingebohrt und der Bohrkern = Bohrspan wird mit einem halbrunden „Löffel“ herausgezogen. Siehe Foto: Der Span liegt im „Löffel“ und Sie können die Jahrringe
zählen (wenn Sie den Span heil nach Hause bringen, können Sie die Zählung auch
bei gutem Licht und mit einer Lupe oder gar unter dem Mikroskop durchführen)
Natürlich bohren Sie ein Loch in den Holzkörper = Wunde. Der Bohrer ist aber sehr
dünn und die Wunde verwächst = schließt sich i.d.R. wieder




 





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