2) Historie

 

Ohne den jahrtausendelangen menschlichen Einfluss wären unsere heutigen Wälder zu über neunzig Prozent Laubmischwälder, überwiegend geprägt von Buchen und Eichen. Tatsächlich aber sind die Nadelbäume heute in der Mehrheit. Denn auch die Kiefer, die in unseren Breiten ebenfalls von Natur aus nur auf wenigen Standorten vorkommen würde, ist zum Brotbaum Nummer zwei der deutschen Forstwirtschaft arriviert. Diese tiefgreifende Umgestaltung begann Ende des 18. Jahrhunderts.

Die meisten Wälder, die von den bis ins 14. Jahrhundert anhaltenden Waldrodungen verschont worden waren, wurden in den folgenden drei, vier Jahrhunderte stark übernutzt oder auch fast völlig ruiniert. Zu groß war der Bedarf an Bauholz, Brennholz und Holzkohle. Zu stark war auch die Nutzung der Wälder durch die Bauern, die ihr Vieh in den Wäldern weiden ließen und die Laubstreu als Unterlage für ihr Vieh in die Ställe brachten. Kriege und der Holzexport vor allem nach Holland und England trugen ebenfalls dazu bei.

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Ab Anfang des 18. Jahrhunderts, als der immer größere Mangel an Holz auch so lukrative Wirtschaftszweige wie den Abbau und die Verarbeitung von Erzen oder die Gewinnung von Salz akut gefährdete, da wurden erste Konzepte für eine nachhaltige Nutzung der Wälder entwickelt. Die ersten forstlichen Ausbildungsstätten entstanden. Und vielerorts wurde neu geregelt, wer die Wälder für welchen Zweck nutzen durfte. Vor allem die bäuerliche Nutzung, die Waldweide und Streunutzung, wurde stark eingeschränkt oder auch ganz verboten. Dann begannen auch die Aufforstungen der zu Ödland verkommenen Waldflächen.

Für die Wiederbewaldung solcher offenen, ungeschützten und an Nährstoffen verarmten Flächen sind nur wenige Waldbaumarten geeignet. Neben der Kiefer ist das in erster Linie die Fichte. Die braucht eine einigermaßen gesicherte Wasserversorgung, hat ansonsten aber kaum besondere Nährstoffansprüche. Mit ihr hatte man auch schon seit dem 15. Jahrhundert, wenn auch nicht in großem Umfang, devastierte Waldflächen außerhalb des natürlichen Fichtenvorkommens wieder neu bewaldet – beispielsweise im Reichswald bei Nürnberg und im Stadtwald von Frankfurt, später dann – um 1700 – auch im Harz.

So kam es, dass nun mehr und mehr auf Standorten, auf denen ursprünglich mal nur Laubwälder wuchsen, reine Waldbestände aus gleichaltrigen Fichten heranwuchsen. Zwar waren diese Aufforstungen mit Fichten von vielen Forstleute nur als eine einmalig notwendige Maßnahme gedacht, damit sich die übernutzten Waldflächen erholen können. Danach sollte zu den naturnäheren Laubholzwäldern zurückgekehrt werden. Doch die zunehmende Industrialisierung und das Wachstum der Städte ließen solche Überlegungen schnell wieder in Vergessenheit geraten. Denn nun wurden gerade Nadelhölzer in großem Umfang gebraucht – als universales Bau- und Konstruktionsholz, als Grubenholz, für Eisenbahnschwellen und Telegrafenmasten oder als Rohstoff für die aufstrebende Papierindustrie. Der Bedarf wurde so groß, dass sogar ab Mitte des 19. Jahrhunderts zusätzlich Nadelholz importiert werden musste.

So wurden nun überall im Land auch weiterhin Fichten-Monokulturen angelegt, obwohl bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach und nach deutlich geworden war, dass diese „Fichtenäcker“ durchaus große Risiken bargen. Sie waren höchst anfällig für Sturmwürfe, insbesondere solche Bestände, die auf zu feuchten oder zu dichten Böden angelegt worden waren. Unter diesen Bedingungen bilden Fichten nämlich nur sehr flache und damit wenig Halt bietende Wurzelteller aus.Und wie in allen Monokulturen kann es auch in diesen reinen Fichtenbeständen leicht zu Massenvermehrungen von Schadorganismen kommen. Borkenkäfer können Fichtenbestände großflächig zum Absterben bringen. Parasitische, das Stammholz zersetzende Pilze wie der Hallimasch oder der Gemeine Wurzelschwamm können sich leicht über die gesamte Bestandsfläche ausbreiten.

Auch die Fichtenbestände selbst verschlechtern die Lebensbedingungen auf ihren Standorten. Ihre schwer zersetzliche Nadelstreu reichert sich mehr und mehr auf dem Waldboden an. Dies führt innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer deutlichen Versauerung des Waldbodens und zu Nährstoffverlusten. Nachfolgende Baumgenerationen haben es auf diesen Böden später schwerer. Selbst junge Fichtenwurzeln meiden versauerte Bodenbereiche und bleiben im Oberboden oder gar in dem aufliegenden Humus.

Es waren Forstleute, die noch im 19. Jahrhundert begannen, erste Gegenmodelle zu dieser risikoreiche Fichtenwirtschaft zu entwickeln. Kahlschlagfreiheit und ungleichaltrige, baumartenreiche Mischwälder waren Kernpunkte dieser naturnäheren Wirtschaftskonzepte. Und es waren auch Forstleute, die 1921 den oben zitierten Satz „Willst du den Wald bestimmt vernichten, pflanze nichts als reine Fichten!“ in das Fundament eines im Wald installierten Sägewerkes meißeln ließen, nachdem ihnen ein Sturm im Vorjahr große Teile ihres Fichtenbestandes umgeworfen hatte.

Doch diese Auseinandersetzung um eine naturnähere Forstwirtschaft geriet immer wieder in den Hintergrund. Die beiden Weltkriege hinterließen übernutzte Wälder und führten zu hohen Einschlägen wegen des großen Holzbedarfs für den Wiederaufbau und zu den großen sogenannten Reparationshieben für die alliierten Siegermächte. All das wurde möglichst schnell und kostengünstig wieder aufgeforstet - wie gehabt: großflächig, und, je nach Standort, vor allem mit Fichten oder Kiefern.

Erst seit wenigen Jahrzehnten gibt es eine wachsende Bereitschaft, Alternativen zu dieser risikobehafteten Fichtenwirtschaft zu entwickeln. Falsche Standortwahl, großflächige Monokulturen und große Kahlschläge sind inzwischen als fehlerhafte Praxis weitgehend akzeptiert. Die mit Fichten bestandene Waldfläche nimmt seit über zwanzig Jahren langsam ab und macht Platz auch für Buchen und andere Laubbäume.

Die Fichte ist zum Symbolbaum für die erfolgreiche Wiederbewaldung in Deutschland geworden. Doch dieser Erfolg war wohl nur möglich, weil ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Kohle das Holz als Energiequelle Nummer eins ablöste. Dank neuer Techniken konnte die Steinkohle jetzt aus bislang unerreichbaren Tiefen gefördert und dank des schnell wachsenden Eisenbahnnetzes auch schnell überallhin transportiert werden. Dadurch ging der Bedarf an Brennholz und Holzkohle stark zurück. Der Druck auf den Wald ließ enorm nach, und die noch jungen Fichten auf den Aufforstungsflächen hatten ausreichend Zeit, tatsächlich zu einem Wald aus hoch gewachsenen Bäumen zu werden.

Doch rund hundert Jahre später holte dieser rettende Wechsel zum fossilen Energieträger den Wald wieder ein und macht ihm heute mehr und mehr schwer zu schaffen. Und wieder steht die Fichte im Mittelpunkt – diesmal als Opfer.

Fichtenurwald in Nordschweden, Foto: Robin Wood
Die Fichte – in Deutschland ein Baum der Berge. Foto: Michael Springmann
Gleichaltriger Fichtenreinbestand Foto: Andreas Gomolka
Waldumbau von der Fichte zur Buche, Foto: Andreas Roloff
3) Saurer Regen und Klimaveränderung

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Baumkönigin

Anne Bente Schnoor
Baumkönigin 2017