Nutzung, Verwendung und Gesundheit

Forstwirtschaftlich ist der Wacholder nur von geringer Bedeutung, so dass bereits 1871 der Tharandter Forstbotaniker ROßMÄßLER sein Leben mit dem eines forstlichen Proletariers verglich, um den sich niemand kümmert.
Das Holz ist weich, aber zäh, elastisch, schwer spaltbar, dauerhaftund weitgehend resistent gegen Insektenbefall. Es hat einen typischen kampferartig-aromatischen Geruch und enthält kein Harz. Die Jahrringe sind eng und grobwellig. Der äußere Bereich, der Splint, ist schmal, hellgelb bis rötlichweiß,der Kern gelbbraun bis rot oder blauviolett, so dass sich das Splintholz in frischem Zustand gut absetzt.
Das Holz ist gut für Schnitz- und Drechslerarbeiten geeignet und wird in der Kunsttischlerei verwendet. Außerdem werden daraus Pfeifen, Spazierstöcke, Ess-und Trinkgeschirr, Holzschuhe und Bleistifte hergestellt. Ferner wird es zum Räuchern von Wurst- und Fleischwaren sowie von Fisch genutzt, da die Speisen dadurch ein einmaliges Aroma bekommen. Das wussten Sie sicher schon, oder?

Sein Grün wird für Kränze verwendet, schlanke junge Schosse wegen ihrer Zähigkeit für Peitschen und sogar zur Korbflechterei. Das Wurzelholz ist aufgrund der interessanten Maserung gut zur Herstellung von Pfeifenköpfen geeignet. Fragen Sie doch mal beim Pfeifenhändler nach.

Am bekanntesten ist wohl die Verwendung der Beerenzapfen: als Gewürz beim Kochen und zur Branntweinherstellung, zum Räuchern und für verschiedene Heilmittel. Als Gewürz für Wildspeisen, Sauerkraut, Gurken und Rote Rüben sind sie ein Muss. In den Beerenzapfen finden sich neben Ölen in den Zapfenschuppen bis zu 30% Zucker. Deshalb werden sie vergoren und destilliert, wobei das Öl in das Produkt mit eingeht und dann Gin, Genever, Borovicska oder Steinhäger genannt wird. Aber Vorsicht, diese Wacholderschnäpse können je nach genossener Menge schnell vom Genuss- zum Arznei- und Betäubungsmittel werden...

Im Mittelalter gehörte der Wacholder zu den wichtigsten Pflanzen in der Heilkunde! Die Ernte der Beerenzapfen ist allerdings sehr mühsam und unangenehm wegen der stechenden Nadeln. Man muss schon ein paar Tricks anwenden (vom Autor erhältlich), um zu einer brauchbaren Menge zu kommen. Innerlich angewendet wirken sie magenstärkend, blutreinigend und harntreibend, äußerlich bewirken sie eine verstärkte Durchblutung. Sie schmecken zunächst süßlich, hinterlassen aber einen bitterherben Nachgeschmack. In der Homöopathie finden sie als Ableitungsmittel für die Nieren, zur Behandlung von Hautkrankheiten, Gicht und Rheuma Verwendung.

Der Wacholder ist gut geeignet für Pflanzungen in der Stadt, denn er ist unempfindlich gegen das Stadtklima und erstaunlich resistent gegenüber Luftverunreinigungen (auch gegenüber Ozon). So wird er in Ihrem Garten und in Grünanlagen besonders zur Anlage von Heidebeeten verwendet und harmonisiert gut mit Kiefer, Birke, Heidekraut, Ginster, Eberesche, Wildrosen, Königskerzen, Nelken, Thymian und Gräsern. Er eignet sich auch für dichte Hecken, ist schnittverträglich und lässt sich sogar zu lebenden Skulpturen formen. Ein Umpflanzen wird von alten Exemplaren allerdings nur schlecht vertragen.