Mythologie und Brauchtum

Der Name Juniperus ist schon bei den Römern in Gebrauch gewesen und ist abgeleitet vom lateinischen juvenis = Jüngling /
Mädchen und parere = gebären; das ist auf die abtreibende Wirkung der Beerenzapfen zurückzuführen. Der Name Wacholder ist auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt und tritt seit dem 15. Jahrhundert auf. Er ist aus der Althochdeutschen Silbe 'wachal' abgeleitet, die so viel wie wach, munter, frisch, hier 'immergrün' bedeutet. Im deutschen Sprachraum gibt es viele verschiedene Bezeichnungen und mundartliche Formen für den Wacholder, es wurden über 150 Namen gezählt!
Manche Namen leiten sich von seinem Verwendungszweck ab. So wird der Wacholder auch als Räucherstrauch oder Weihrauchbaum bezeichnet, weil die Zweige und Zapfen beim Räuchern sehr aromatisch riechen. Aus dem Bayerischen kommt die Bezeichnung Kranewitt (Kranewitter, Kranewitterbeere), die aus dem Althochdeutschen krano ("Kranich") und witu ("Holz") entstanden ist. In Pommern wird er auch als Kniste- oder Knastebusch nach dem Knistern der verbrennenden Zweige bezeichnet: das müssen Sie mal gehört haben!
Außerdem gibt es verschiedene mundartliche Formen wie Weckholder, Queckholder (niederdeutsch angelehnt an queck "lebendig, lebensfrisch") und Reckholder (auf das Allemannische beschränkt) und man findet auch Bezeichnungen wie Feuerbaum, Krammetsbaum, Krammelbeere und Wachtelbeerstrauch. Neben Hasel und Holunder hatte der Wacholder im Volksglauben die größte Bedeutung: "vor dem Holunder zieh’ den Hut, vor dem Wacholder geh’ in die Knie".

"Machandel, lieber Machandelbaum,
in Trauern komm ich her,
ich träumte einen bösen Traum,
das Herze ist mir schwer..."


(aus HERMANN LÖNS: Der Traum)

Als in der Dämmerung einzeln stehende Gestalt hat er vor allem in Heidegegenden die Phantasie der Menschen beflügelt. Er wird als Hüter an der Schwelle vom Leben zum Tod bis heute gerne an Grabstellen gepflanzt. Früher sollte ein Trank aus den "Beeren" die Gabe verleihen, in die Zukunft zu sehen. Brennenden Wacholderstämmen wurde Schutz vor Ansteckung in Zeiten der Pest zugeschrieben.
Auf Rügen steckte man beim Hausbau einen Wacholderzweig mit ins Fundament, damit der Teufel fernbliebe. In alten norddeutschen Fachwerkhäusern findet man bisweilen heute noch Einstreu von Wacholdernadeln unter den Erdgeschossdielen - zum Schutz vor Mäusen, für die dies ein fast unüberwindliches Hindernis darstellt.

Schaffen Sie für den Wacholder einen sonnigen Platz in Ihrem Garten oder in der Landschaft - Sie werden sich viele Male im Jahr darüber freuen und haben einem seltenen Gehölz zu einem Lebensraum verholfen. Und schauen Sie ihn an. Er mag das.

(Text: Prof. Dr. A. Roloff)