Schuppenborke, Foto: A. Roloff
hohler Stamm eines Altbaumes, Foto: A. Roloff
zahlreiche Stammaustriebe, Foto: A. Roloff
4a) Rinde / Stamm/ Höchstalter

Die Rinde des Apfelbaumes ist dick-schuppig, die Borkeschuppen sind unregelmäßiger geformt als beim Birnbaum. Oft erkennt man an den Rindenstrukturen ausgeprägten Drehwuchs des Stammes, und alte Apfelbäume werden schnell hohl. Dann würden manche von Ihnen vielleicht gleich ans Absägen denken, aber halt! denn jetzt werden die Bäume eigentlich erst richtig interessant (solange sie nicht gefährlich durch Umfallen oder Abbrechen werden können): achten Sie doch mal bei alten Kulturapfelbäumen mit dem Blick eines Holzkünstlers auf den Stamm – da finden Sie wahre Natur-Kunstwerke, und Künstler können aus solchen alten hohlen, drehwüchsigen Stämmen die schönsten Skulpturen herstellen. Ich habe auch gerade erst gelernt, ältere Bäume mal mit diesem Blick zu sehen, und seitdem erlebe ich ganz neue Entdeckungen und bleibe vor solchen Greisen oft ein paar extra Minuten ehrfürchtig stehen, schaue in die Astlöcher und stelle mir vor, was ein Künstler jetzt sehen würde. Das schafft Freu(n)de und neue Beziehungen zu alten Bäumen, die dann auch nicht immer nur gerade und "fehler"frei sein müssen, eben wie bei echten Freunden – gerade die sog. "Holzfehler" (z.B. Drehwuchs, Krummschäftigkeit, Ovalität/Exzentrität, Knollen, Astigkeit) haben bisweilen für spezielle Nutzungen interessante Eigenschaften, weshalb sie neuerdings auch neutral als Holzmerkmale bezeichnet werden. Darüber gibt es inzwischen sogar ganze Bücher…

Stammdicke und Alter

Alte Apfelbäume können Stammdicken (Durchmesser in Brusthöhe) von etwas mehr als 50 cm, ausnahmsweise fast einem Meter erreichen – der dickste mir persönlich bekannte Wild-Apfelbaum steht bei der sächsischen Uhrmacherstadt Glashütte und hat 1,10 m Stammstärke, das ist aber etwas ganz Besonderes.

Kennen Sie besonders schöne, dicke Apfel- oder sogar Wild-Apfelbäume? dann bitte an www.baum-des-jahres.de melden (Preisverlosung).

Die Baumhöhe erreicht selten 10 m, häufig bleibt der Wild-Apfel auch nur ein Strauch. Das Höchstalter ist wohl etwa 100 Jahre, wegen der hohlen Stämme alter Bäume meist schwer zu ermitteln. Kultur-Äpfel werden nur halb so alt, da die Veredlungsstelle am Stamm die Lebenserwartung etwa halbiert, weil sie ein Hindernis für den Stofftransport im Stamm darstellt. Wild-Äpfel treiben sehr gut aus dem Stock wieder aus, wenn der Baum abgesägt wurde oder abgestorben ist. Nicht ausgeschlossen, dass etliche der heute noch stehenden alten Wild-Äpfel daher bis zu 1.000 Jahre und älter sein können! wenn sie (womöglich mehrmals) aus Stockausschlag stammen. Dann stellt man sich die Frage: was ist eigentlich Alter bei Bäumen?

 << zu 5)

(Text: A. Roloff)