Ökologie und Vorkommen

Die Samen sind stark keimgehemmt und bleiben in der Regel zunächst zwei Winter auf dem Boden liegen, bevor sie keimen. Die Keimhemmung ist z.T. dadurch bedingt, dass der Embryo zur Zeit der Fruchtreife noch nicht völlig entwickelt ist. Die Samen können bis zu 5 Jahre keimfähig im Boden verbleiben. Es ist keine Seltenheit, auf Naturverjüngungsflächen bis zu 100 junge Eschen auf einem Quadratmeter zu finden. Die Sämlinge weisen eine sehr hohe Schattentoleranz auf, was ihnen ein Gedeihen auch unter einem geschlossenen Bestandesschirm erlaubt. Diese Schattentoleranz lässt jedoch bald nach, und für eine weitere Entwicklung ist dann zunehmend eine ausreichende Beleuchtung von entscheidender Bedeutung, so dass die Esche im Alter schließlich zur Lichtbaumart wird, d.h. volles Licht benötigt.
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Auf Freiflächen und in stärker aufgelichteten Altbeständen hat sie ein rasches Höhenwachstum, das oft etwas schneller ist als das von Berg- und Spitzahorn, aber bald wieder nachlässt. Dadurch vermag sie sich einen Vorsprung gegenüber anderen, mit ihr vergesellschafteten Baumarten (z.B. der Buche) zu verschaffen. In sehr dichten Beständen wird das Dickenwachstum zunächst zu Gunsten des Höhenwachstums zurückgestellt.

Ein weiteres Rätsel der Esche: Wenn man in naturnahen Wäldern auf besseren Standorten nach unten sieht, stehen die Eschen so dicht "wie die Haare auf dem Hund"; wenn man nach oben schaut, fehlen sie fast völlig. Der Grund dafür ist die ökologische Strategie der Esche: sie ist im Schatten darauf gerichtet - die vierte Besonderheit -, sehr schnell in die Höhe zu wachsen, um eine Lücke im Kronendach zu erreichen. Dabei vermeidet sie zunächst fast jegliche Verzweigung. Im Extremfall wurde eine Esche mit nur 3cm Durchmesser am Stammfuß und einer Höhe von 10m gefunden (angelehnt an eine Kiefer!). Mit dieser Strategie schafft es die Esche sehr erfolgreich, sich in Wiesen und Hecken den Weg zum Licht zu bahnen. In geschlossenen Wäldern ist dies jedoch verhängnisvoll - die jungen Eschen können das Kronendach nicht erreichen und sterben ab.

Wussten Sie, dass die Esche die am spätesten austreibende heimische Baumart ist? Das Austreiben kann sich bis in den Juni hinziehen, so dass mancher geneigt sein könnte, die Bäume für abgestorben zu halten und abzusägen. Nein, abwarten! Für gutes Wachstum verlangt die Esche nährstoffreichere, frische bis feuchte Böden in spätfrostfreien, nicht zu warmen, am liebsten luftfeuchten Lagen. Doch ist sie auch auf recht flachgründigen und trockenen Kalksteinverwitterungsböden und Felsen verbreitet anzutreffen, was - die fünfte Besonderheit - zur Diskussion von zwei 'Standortsrassen' (Ökotypen) führte: einer "Wasseresche" und einer "Kalkesche". Durch umfangreiche Untersuchungen und Verpflanzungsexperimente konnte aber gezeigt werden, dass dies nicht der Fall ist. Vielmehr kann sich die Esche außergewöhnlich gut an verschiedenste Standortsverhältnisse anpassen; solange die Nährstoffversorgung gewährleistet ist.

Haben Sie schon einmal etwas von der sog. "Vereschung" gehört, einem weiteren Rätsel dieser Baumart? Damit sind Eschen-Reinbestände gemeint, in denen nachweislich zuvor auch andere Baumarten vorkamen. Auch dieses Rätsel konnte jüngst durch botanische Untersuchungen geklärt werden. Dafür ist die sechste Besonderheit dieser Baumart bedeutsam: Die Hauptwurzel der Esche wächst nämlich nur kurze Zeit senkrecht nach unten, biegt dann jedoch schon in etwa 20cm Bodentiefe in die Waagerechte um. In dichten Verjüngungen ist das Wurzelwachstum der Eschen dabei so intensiv und auf die oberen Bodenbereiche (bis 15 cm Tiefe) konzentriert, dass mit ihnen vergesellschafteten Buchen mit ihren Wurzeln in tiefere Bodenhorizonte ausweichen müssen. Dies hat zur Folge, dass die jungen Buchen in sommerlichen Trockenperioden absterben. Denn sie können dann ihren Wasserbedarf aus den spärlichen Niederschlägen nicht mehr decken - eine Befeuchtung der tieferen Bodenschichten findet nämlich nicht mehr statt, da die darüber befindlichen Eschenwurzeln das wenige Wasser 'wegsaufen'. Dies ist nur zu verhindern, wenn über der Verjüngung ein ausreichender Altbaum-Schirm erhalten bleibt, der durch Beschattung das Wachstum der Esche und damit auch ihr Wurzelwachstum so weit hemmt, dass sich auch die Buche halten kann.

Gegenüber Spätfrösten im Frühjahr ist die Esche empfindlich; verstärkt wird diese Gefährdung noch durch die oft lagebedingte Frostgefährdung, da sie häufig in Mulden und Tälern oder an deren Rändern angebaut wird oder dort natürlich vorkommt. Die Esche tritt von Natur aus vor allem stärker in der Nähe von Fließgewässern in Erscheinung (z.B. in Erlen/Eschen-und Eschen/Ulmen-Auenwäldern) und an Steilhängen (z.B. in Ahorn/Eschen-Schatthangwäldern). Außerhalb des Waldes ist sie vor allem in Nord- und Osteuropa sowie in den höheren Lagen der Mittelgebirge ein verbreiteter Straßen- und Stadtbaum. Die Esche bietet zahlreichen Insekten (z.B. Eschenbastkäfer, Eschenzwieselmotte) und Pilzen (z.B. Zottigem Schillerporling) einen wichtigen Lebensraum. Viele Wildtiere ernähren sich von ihren Zweigen, was sich z.B. im Wald in starkem Verbiss äußert. Das Verbreitungsgebiet der Esche erstreckt sich über ganz Europa, ausgenommen das äußerste Nordeuropa und Teile Spaniens, und erreicht auch Vorderasien. Am weitesten nach Osten dringt sie in Auenwäldern entlang der Flüsse vor. In den östlichsten und nördlichsten Randbereichen ihres Verbreitungsgebietes kommt die Esche dann häufig nur noch in Strauchform vor. Die Höhenverbreitung reicht von der Ebene bis in das Bergland: in den deutschen Mittelgebirgen bis 700m, in den Bayerischen Alpen bis 1360m, im Kaukasus bis 1800m.