Nutzung, Verwendung und Gesundheit

Verwendung - Holz, Früchte, Knospen, Blätter...

Das Holz ohne einen auffälligen Farbkern ist fast bedeutungslos, vor allem wegen ungünstiger Verarbeitungseigenschaften und des häufigen Drehwuchses, der viele Verwendungen erschwert oder unmöglich macht. Sie möchten ja auch nicht miterleben, wie sich Ihr Bücherregal mit den Büchern darauf verdreht, oder? Für Möbel, Schnitzarbeiten, Obstkisten, orthopädische Geräte und im Spielzeugbau findet es gelegentlich Verwendung.

Viel bedeutungsvoller als das Holz sind bei der Nutzung von Bestandteilen dieser Baumart die Früchte: wegen ihres hohen Stärkegehaltes (ähnlich der Kartoffel) als Vieh- und Wildfutter und in Notzeiten zur Mehlherstellung und als Kaffeeersatz. Für kosmetische Produkte, Farben und Schäume, zur Herstellung von Medikamenten. In der Naturheilkunde verwendet man Inhaltsstoffe von Rinde, Blättern, Blüten und Früchten. Kaum eine andere Baumart hat in dieser Hinsicht so viel zu bieten wie die Rosskastanie! Bei der heutigen Bewegungsarmut hat ihre die Durchblutung fördernde Wirkung bei Venenleiden die größte Bedeutung. Was man schnell nachvollziehen kann, wenn man Rosskastanien-Zusätze ins Badewasser tut (das Selbst-Herstellen ist etwas kompliziert, denn für eine Wanne braucht man einen halben Eimer Früchte!).

 

Danach kommt es schon mal vor, dass jemand beim Heraussteigen aus der Wanne umfällt, weil der Kreislauf verrückt spielt... Auch als "Gichtbaum" ist sie unter Naturheilkundlern bekannt, und Gletschersalben gegen Sonnenbrand enthalten meist Extrakte aus ihren Knospen.
Chestnut Bud heißt die Essenz aus Rosskastanien-Knospen in der Bachblütentherapie – sie ist ein Heilmittel für Menschen, die sich schwer damit tun, aus eigenen Fehlern zu lernen... Von diesen unbelehrbaren Zeitgenossen gibt es ja leider eine ganze Reihe.
Rezepte für Kastanienblätter-, -blüten- und -rindentee, Kastanienblütenessenz, Kastaniengeist, -korn, -extrakt, -tinktur, -brei und -badezusätze kann man (gegen eine Spende von je 5 Euro auf das Konto Baum des Jahres) vom Kuratorium zugesandt bekommen.
Auch zur Schnupftabak- und Seifenpulverherstellung sind die Früchte geeignet.
Kastanien sammeln - Unsere Kinder sammeln seit Jahrhunderten im Herbst Kastanien, um daraus Streichholzmännchen zu basteln oder mit Kastanien - "Pfeifen" oder -Ketten Erwachsene nachzuahmen. So ist das Herunterholen der Früchte aus den Kronen mit Knüppeln und Steinen seit langem der Lieblingssport der 9jährigen im September geworden (ich selbst gehörte auch dazu...), weshalb sich jedes Jahr zu dieser Zeit die für Grünanlagen Verantwortlichen die Haare raufen.

Und noch wichtiger war bisher die Schattenwirkung der Rosskastanie in Biergärten – solange sie ihre Blätter bis zum Herbst behält. In Ländern und Bundesländern mit hohem Bierkonsum und dementsprechend vielen Biergärten hat man aber derzeit ein großes Problem, wenn die Blätter wegen der Miniermotte bereits im August und September abfallen.

Die Rosskastanie als "Biergartenbaum"


Zunächst hatte dies weniger mit dem Biertrinken, als mit dem Bier selbst zu tun.
Die Bierbrauer, die nur bis in den April hinein brauen konnten, brauchten eisgekühlte Keller, um ihr gelagertes Bier über den gesamten Sommer für ihre Kundschaft frisch zu halten. Doch das war schwierig im breiten Isartal, wo wegen des nahen Grundwassers keine tiefen Keller gebaut werden konnten. Sie pflanzten daher auf ihre flach angelegten und mit Erde überhäuften Keller zusätzlich noch Bäume, damit kein Sonnenstrahl das Kellerdach unnötig erwärmt. Und für diesen Zweck war die Rosskastanie, der Baum mit dem „schwärzesten“ Schatten, geradezu prädestiniert. Später – und sehr zum Ärger der umliegenden Gastwirtschaften natürlich – boten die Brauereien auf ihren baumbestandenen Kellern ihren Gestensaft auch im Direktverkauf an. So entstand der „Biergarten“ – eine historische Form des Firmen-Outlet-Store mit Eventcharakter also. Um die aufgebrachten Gastwirte etwas zu beruhigen, untersagte damals der Bayerische König Ludwig I. den Brauern auch noch Mahlzeiten zu ihrem Bier anzubieten. Die eigene Brotzeit durfte allerdings jeder mitbringen – bis heute.