Rosskastanie – Synonyme:

Foppkastanie – Gemeine Rosskastanie – Judenkest – Pferdekastanie –
Saukastanie – Vixirinde – Weiße Rosskastanie – Wilde Kastanie – Wildi Kestene


Mythologie

Ein alter Aberglaube besagt: es soll genügen, immer drei Kastanien in der Tasche bei sich zu tragen, um vor rheumatischen Krankheiten und Gicht geschützt zu sein. Na ja – schaden kann's ja jedenfalls nicht...

Und: Männer aufgepasst! Schon die alten Griechen wussten, dass das Einreiben des kostbarsten Stückes mit einer Weinbrand-Essenz aus Kastanienblüten die Manneskraft stärkt. (Frauen! schenkt ihm doch ein paar Blüten, eine Flasche Weinbrand und dieses Faltblatt !!)

Der Name Ross- oder Pferdekastanie geht auf ihre früher weithin bekannte Heilwirkung der Samen bei kranken Pferden zurück. Oder soll er deutlich machen, dass die Samen nur für Pferde und eben nicht für Menschen genießbar sind?

Als Kastagnetten (im Spanischen Verkleinerungsform von Kastanie) werden kleine Rhythmusinstrumente aus zwei ausgehöhlten, an Kastanienschalen erinnernden Hartholzschälchen bezeichnet, die man gegeneinander schlägt. Vor allem beim spanischen Flamenco sind sie regelmäßig zu hören.



Gedicht über die Kastanie


Die Besonderheit von alten Rosskastanien bringt HERMANN HESSE sehr schön in seiner Erzählung "Kastanienbäume" herüber. Und ihre heutige Situation in der Stadt trifft das folgende Gedicht:

Rosskastanie
Wie trägt sie bloß
ihr hartes Los
in Straßenhitze und Gestank.
Und niemals Urlaub, keinen Dank!
Bedenke, Gott prüft sie nicht nur,
er gab ihr auch die Rossnatur.

(Aus "Heiteres Herbarium" von K.H. WAGGERL)


Noch eins zum Schluss: immer wieder hört und liest man bis in die jüngste Zeit, dass bei der Rosskastanie (wie auch bei anderen Baumarten) eine direkte Beziehung zwischen einem Wurzelstrang und dem darüber befindlichen Ast in der Krone besteht. Wenn also ein Ast in der Krone abstirbt, so muss die darunter befindliche Wurzel geschädigt worden sein. Dies ist so nicht richtig. Erstens gibt es eine solche Beziehung bei älteren Bäumen grundsätzlich nicht (das wäre baumbiologisch auch viel zu riskant), und zweitens selbst wenn es sie gäbe: aufgrund des verbreiteten Drehwuchses bei Rosskastanien würde dann eher ein Ast auf der anderen Kronenseite absterben, aber eben gerade nicht der genau darüber befindliche.

Die Rosskastanie benötigt derzeit dringend Optimismus und verstärkte Forschungsanstrengungen, um ihre Probleme in der Stadt und durch die Miniermotte zu verringern.