Habitus

Habitus - dieser Baumart ist im Freistand unverwechselbar. Dann sollten Sie sich als nächstes den Stammfuß genauer ansehen: im Alter turbulente netzartige Borkerippen, deutliche, z.T. brettartige Wurzelanläufe und Wülste/Knollen mit sog. Wasserreisern (jungen direkt aus dem Stamm entspringenden Ästen) sind weitere Kennzeichen von echten Schwarz-Pappeln.

Schraubig am Spross stehende Blätter

Blätter mit dreieckigem oder rautenförmigem Umriss und lang ausgezogener Spitze. Nach vollständiger Entfaltung ist die Blattfläche bis 12 cm lang, kahl und ohne Drüsen am Übergang vom Blatt zum Stiel. Der Blattstiel ist bis 8 cm lang und seitlich zusammengedrückt. Daher das Flattern der Blätter im Wind, allerdings nicht so stark wie bei der Zitter-Pappel, die das an sehr warmen Sommertagen sogar bei Windstille macht. Dadurch werden die Blätter gekühlt und der Gasaustausch verbessert, wodurch ein schnelleres Wachstum möglich wird. Die beiden untersten Hauptseitennerven der Blätter zweigen im Gegensatz zu vielen anderen Papperarten und -bastarden bereits am Übergang des Stiels zur Blattfläche vom Hauptnerv ab.
Die Blattflächen von (europäischen oder amerikanischen) Schwarz-Pappeln sind meist etwa so lang wie breit, bei anderen Pappelarten deutlich länger als breit.
Wenn Sie sich dann verschiedene Blätter an einem Baum ansehen, werden Sie schnell feststellen, dass die Form sehr variabel ist: Blätter an Kurztrieben sind sind rautenförmiger als die mehr eiförmigen an Langtrieben, im Sommer erscheinende haben eine länger ausgezogene Spitze als im Frühjahr entfaltete. Damit müssen wir leben, dass diese Baumart alleine an der Blattform nicht sicher bestimmbar ist, weil die zu variabel ist.

Runde bleigraue Triebe

Die bleigrauen jungen Triebe sind rund (nicht wie bei einigen anderen Pappelarten kantig), die schlanken, höchstens etwas klebrigen Knospen bis 15 mm lang und spitz, an der Basis dem Trieb angedrückt mit nach außen gebogener Spitze. In Trockenperioden kann es zum Abwurf von Zweigen mit grünen Blättern kommen, um die Verdunstungsfläche zu vermindern. Da der Abwurf solcher Absprünge wie im Herbst bei den Blättern an einer vorbereiteten Trennungszone erfolgt, sieht das untere Ende dieser abgeworfene Zweige wie ein Gelenk aus. Diese Absprünge können ins Wasser fallen, davon treiben und sich nach Anschwemmen am Ufer bewurzeln – ein genialer Mechanismus der ungeschlechtlichen Fortpflanzung!

Das Wachstum der jungen Triebe hält bis in den Spätsommer an, was im Gegensatz z.B. zu Buche und Eiche als freies Wachstum bezeichnet wird. So kommen nicht nur die im Vorjahr in der Knospe gebildeten Blätter zur Entfaltung, sondern im Sommer auch welche die erst kurz zuvor in der Knospe entstanden sind. Diese sog. Spätblätter bleiben im Herbst dann auch länger an den Zweigen hängen als die Frühblätter.

Blüten

Die unauffälligen Blüten erscheinen in etwa 10 cm langen Kätzchen im April vor dem Laubaustrieb. Warum vor dem Austreiben? Weil das für eine windbestäubte Baumart von Vorteil ist, da der Pollentransport nicht durch die eigenen Blätter behindert wird. Beide Geschlechter sind nur auf verschiedenen Bäumen zu finden – dies wird botanisch als zweihäusig bezeichnet und hat zur Folge, dass es nur Pappelfrauen und -männer gibt. Die weiblichen Kätzchen sind gelb-grün, die männlichen rot. Wenn Sie Blüten gerne mit der Lupe anschauen, finden Sie bei der Pappel an der Basis der Einzelblüte eine auffällige tellerartige Verbreiterung des Blütenstieles, den sog. Diskus der Pappelblüte. Das blühfähige Alter ist bereits mit 10 Jahren erreicht, die Blüte ist in fortgeschrittenem Alter jedes Jahr reichlich. Die Kätzchen werden übrigens bereits im Juli des Vorjahres gebildet.

Früchte

Bei den Früchten handelt es sich um Kapseln, die schon Ende Mai bis Anfang Juni reif sind und dann am Baum aufplatzen, um die flaumigen Samen herausfallen lassen. Diese sind zu mehreren durch die dichten Haare miteinander verfilzt und so leicht, dass sie wie Bettfedern auch ohne Wind über weite Strecken davongetragen werden – man sieht dann Wattebüschel durch die Luft fliegen und im Sommer Pappelschnee fallen. Dies hat den Pappeln in Nordamerika übrigens den Namen Cottonwood-Tree (Baumwoll-Baum) eingebracht. Mit Windunterstützung können so Entfernungen von bis zu 50 km erreicht werden, zusammen mit den Weiden ist das der Rekord der jährlichen Baumverbreitung. Auch auf dem Wasser können die Samen über größere Distanzen schwimmen.

Borke, Wurzeln und Keimung

Borke - Die Rinde wird im Alter zu einer eindrucksvollen Netzborke und reißt dann tief und x-förmig auf. Sie sollten sich einmal einige Minuten Zeit nehmen und die Rinde einer alten Pappel ganz genau anschauen. Dann ärgern Sie sich womöglich, wenn Sie keinen Fotoapparat dabeihaben. Der Name Schwarz-Pappel geht übrigens auf die im Vergleich zu anderen Pappelarten dunkle Rinde zurück.

Die Wurzeln können sich sehr weit vom Stamm aus im Oberboden ausbreiten, nur anfangs wächst die Hauptwurzel schnell in die Tiefe. Pappelwurzeln wachsen nicht unter die mittlere Grundwasserlinie und sind daher zur dauerhaften Uferbefestigung nur eingeschränkt verwendbar.

Die Keimung muss nach der Landung der Samen innerhalb weniger Tage erfolgen, sonst geht die Keimfähigkeit verloren. Das bedeutet, dass die Samen sofort geeigneten nackten Boden vorfinden müssen und an den Tagen der Landung Regen oder Tau fallen oder Wasser vom Standort, z.B. an Flussufern vorhanden sein muss. Jetzt kennen Sie einen wichtigen Schwachpunkt dieser Baumart und wissen, warum Sie lange auf eine Schwarz-Pappel in Ihrem Garten warten müssen. Zum Pflanzen einer neuen Pappel nehmen Sie am besten einfach einen im Frühjahr abgeschnittenen Ast und stecken ihn in die Erde. Bei ausreichender Feuchtigkeit wird er anwachsen.
Schwarz-Pappeln können 35m hoch und 2m dick werden und erreichen ein für Pappeln beachtliches Höchstalter von etwa 200 Jahren.

Familie der Weidengewächse

Die Pappeln gehören zur Familie der Weidengewächse, sind also – wegen der Blüten und Früchte – nahe mit den Weiden verwandt. Auch in Nordamerika gibt es eine Schwarzpappel (eine andere Art), weltweit existieren etwa 60 Pappelarten. Relativ verbreitet ist eine durch Mutationen (das ist eine spontane, ungerichtete Änderung des Erbgutes) entstandene Varietät der Schwarz-Pappel, die zypressenartig wachsende Pyramidenpappel, die nach ihrer Entdeckung vor etwa 250 Jahren schnell der Renner bei Baumliebhabern in ganz Europa wurde. Mit ihr bringt man seit dem 18. Jahrhundert etwas Toscana-Stimmung und Italiensehnsucht nach Norden (wo die Säulenzypressen des Mittelmeeres nicht winterhart sind). Als Alleebaum kann die Säulenpappel eindrucksvoll das Landschaftsbild bestimmen und wird über Stecklinge vermehrt.