Nutzung, Verwendung und Heilkunde

Holz - schnellwüchsig

Pappeln gehören zu den schnellstwüchsigen Baumarten der gemäßigten Breiten. Dies gilt in nochmals gesteigertem Maße ganz besonders für die erste Tochtergeneration von Hybriden. Während schon Schwarz-Pappeln in 20 Jahren fast 20 m Höhe erreichen können, schaffen das Hybriden bereits in 10 Jahren.
Das Holz der Schwarz-Pappel hat nur eine geringe Nutzholztauglichkeit, weil der Stamm oft krumm, beulig und astig ist. Es unterscheidet sich in seine physikalischen Eigenschaften nicht nennenswert von dem anderer Pappelarten und ist wegen der Raschwüchsigkeit sehr weich und leichter als das der meisten anderen heimischen Bäume. Es lässt sich leicht und sauber bearbeiten. In frischem Zustand hebt sich der dunklere Kern ab, und die Jahrringe sind gut zu erkennen. Verwendung findet das Holz für Holzschuhe (in Holland ist die Pappel deshalb der 'Klompen-Boom'), Prothesen, (Zigarren-)Kisten und Paletten sowie Schnitzereien. Der neueste Schrei sind Heavy Metall-Gitarren und Snowboards aus Pappelholz. Und die Zündhölzer in Ihrer letzten Streichholzschachtel waren sicher aus Pappelholz hergestellt, was natürlich im Zeitalter der Feuerzeuge kaum noch jemand nachprüfen kann. Erst im Jahre 1984 fiel das deutsche Zündholzmonopol, das sich der schwedische Zündholzkönig Ivar Kreuger 1930 durch eine Millionen-Anleihe an das vom 1. Weltkrieg gebeutelte deutsche Reich erkaufte.
Wegen der Raschwüchsigkeit, hellen Farbe und Geruchs- sowie Harzfreiheit eignet sich Pappelholz gut zur Spanplattenherstellung und für die Zellstoffproduktion zur Papierherstellung.

Pappel-Wolle und Pappelflaum

Das könnte interessant für Sie sein: Verwendung finden auch die Samen als Pappelflaum zum Kissen- und Bettdeckenstopfen oder neuerdings für Isoliermaterial, da er dafür hervorragende Eigenschaften hat: die Fasern halten so warm wie Daunen, leiten aber wesentlich besser und schneller die Feuchtigkeit weiter. Kein Outdoor- und Heimtextil-Material weltweit meistert den Spagat zwischen Leichtigkeit, Wärmeisolation und Feuchteverhalten besser als Pappelflaum! Wem das Aufsammeln der reifen Samenbüschel oder der Einsatz einer Hebebühne zur Samenernte zu mühsam ist, kann wie der Freiburger Diplom-Forstwirt Jens-Gerrit Eisfeld die Früchte kurz vor der Reife (dann sind sie im besten Zustand) auch mit einem Fesselballon ernten... Er hat für seine innovative Unternehmensidee im Jahr 2000 sogar einen Preis erhalten.

weitere Verwendung

Anplanzungen, Bioindikator, Energieholzplantagen ...

Pappeln können in Nadelbaumbeständen und bei der Rekultivierung von Kippen in Reihen von 20-30 m Abstand gepflanzt werden und verbessern so die Streu- und Bodeneigenschaften und die Bestandesökologie sowie den Holzertrag. Nach 10 bis 20 Jahren werden sie dann entnommen, so dass man dann Gassen für die Bestandespflege und -bewirtschaftung frei hat. Bedeutung hat auch die Anpflanzung von Pyramidenpappeln (Sie erinnern sich: eine Varietät der Schwarz-Pappel) als landschaftsgestaltendes Element. So ließ schon Napoleon zur besseren Orientierung Alleen mit Säulenpappeln bepflanzen, die dann wie eine Prozession oder "belaubte Phallen am Wegesrand" aussehen können. Allerdings ist die Verwendung von Pappeln allgemein heute als Straßenbaum durch ihre relativ geringe Lebenserwartung eingeschränkt. Auch als Wind- oder Blitzschutzgehölz sind Pappeln bis heute beliebt. Es rauscht und flüstert dann so schön bei Wind, dass man sie daran sogar mit geschlossenen Augen erkennt. Und Kenner sagen herannahende Unwetter aus dem sich vorher verändernden Geräusch der Pappelblätter voraus.

Weiterhin kann man Pyramidenpappeln als sog. Bioindikator verwenden, um städtische und industrielle Belastungen nachzuweisen. Sie erfüllen dafür hervorragend die Anforderungen, da sie bei Verwendung von Stecklingen genetisch einheitlich sind (so dass festgestellte Effekte nicht auf die besondere Empfindlichkeit einzelner Bäume zurückgehen können). Außerdem sind sie relativ widerstandsfähig gegen Einwirkungen von Streusalz, Stäuben, Immissionen und anderen Stressfaktoren und können insbesondere Blei, Cadmium, Zink, Fluor, Schwefel, Aluminium in ihren Blättern und im Holz anreichern, so dass eine Umweltbelastung auf diese Weise nachweisbar wird. Mit Schwermetallen verseuchte Böden lassen sich daher mit Pappeln entgiften, was Fachleute als Phytosanierung bezeichnen. Hohe Konzentrationen von Schwefeldioxid und Ozon in der Luft lassen sich an ihren Blättern nachweisen, weil sich dann charakteristische Verfärbungen entwickeln.

Mit keiner anderen Baumgattung lassen sich so schnell nennenswerte Mengen Kohlendioxid aus der Luft binden, um den Treibhauseffekt zu bremsen. Wegen dieses Klimaschutz-Effektes werden Pappeln in nächster Zeit erheblich an Bedeutung und Beachtung gewinnen. Wegen ihrer Raschwüchsigkeit werden sie auch vermehrt in Energieholzplantagen angebaut, bisher vor allem in Skandinavien. Die entstandene Biomasse wird nach wenigen Jahren maschinell geerntet und zu Hackschnitzeln verarbeitet. Diese können dann in Heizkraftwerken oder -anlagen verfeuert werden. Jetzt wissen Sie endlich, was Pappelschnitzel sind und warum Sie die auf keiner Speisekarte finden!

Heilkunde - die Pappel kann helfen ...

Die Blätter wurden früher häufiger als heute als Viehfutter und gelbes Färbemittel für Leinen verwendet, die Rinde zum Gerben.
Es gibt seit langer Zeit Rezepte für Tee und Wein aus Pappelkätzchen, und aus Pappelknospen kann man Creme, Salbe, Spiritus und Tee herstellen, aus dem Holz medizinische Kohle. Als Tee oder äußerlich angewendet sind Extrakte in der Heilkunde als harnsäurelösend, entzündungshemmend und schmerzstillend bekannt. Auch bei Verdauungsstörungen, Hautausschlägen, Bronchitis und Rheuma kann die Pappel Ihnen helfen.
In Horoskopen steht die Pappel wegen ihrer Wüchsigkeit für Tatkraft und Zielstrebigkeit. Und wenn Sie Ihre Haare in ein Loch in einer Pappel halten, so sollen sie schneller wachsen.

So mancher kennt vielleicht das Gedicht von Bertold Brecht:


Eine Pappel steht am Karlsplatz
Eine Pappel steht am Karlsplatz
Mitten in der Trümmerstadt Berlin,
Und wenn Leute gehn übern Karlsplatz,
Sehen sie ihr freundlich Grün.

In dem Winter sechsundvierzig
Frorn die Menschen und das Holz war rar,
Und es fielen da viele Bäume
Und es wurd ihr letztes Jahr.

Doch die Pappel dort am Karlsplatz
Zeigt uns heute noch ihr grünes Blatt;
Seid bedankt, Anwohner vom Karlsplatz,
Dass man sie noch immer hat!