Ökologie und Vorkommen

Vom Aussterben bedroht!

Sie wollten noch etwas mehr über die wesentlichen Gründe für die Seltenheit der Schwarz-Pappel wissen? Verantwortlich sind großflächige Rodungen von Auewäldern für landwirtschaftliche Nutzungen, die Begradigung, Eindeichung und Regulierung von Flussläufen, Absenkungen des Grundwasserspiegels sowie die seit etwa 200 Jahren bevorzugte Verwendung anderer Pappelarten/-sorten ("Wirtschaftspappeln") und die leichte Kreuzbarkeit mit diesen. Dies hat man sich für die Züchtung besonders wüchsiger Bastarde zunutze gemacht, oder es wurden gleich andere Arten in der Landschaft gepflanzt. So kommt es dazu, dass die meisten wie Schwarz-Pappeln aussehenden Bäume bei genauerer Untersuchung Hybriden (Bastarde) sind und sich die wenigen verbliebenen reinen Schwarz-Pappeln mit anderen Arten oder diesen Bastarden kreuzen.

Es gibt daher alle Übergänge zu verschiedenen anderen Pappelarten und -sorten, und wenn Sie eine vollkommen sichere Aussage über wirklich reine Schwarz-Pappeln treffen möchten oder brauchen, ist dies nur mit genetischen Methoden möglich (oder man muss die Kombination der äußeren Merkmale von Altbäumen mehrmals im Jahreslauf untersuchen). Die genetischen Nachweismethoden sind inzwischen so ausgereift, dass solche Gentests unkompliziert und schnell durchzuführen sind (i.d.R. bei Landesanstalten oder wissenschaftlichen Einrichtungen). Dafür benötigt man am besten Knospen im Ruhezustand, das Ergebnis der Untersuchungen ist ein artspezifischer Strichcode. In Deutschland sind bislang nicht mehr als 3.000 Altbäume der Schwarz-Pappel sicher identifiziert worden.

Heimat und Verbreitungsgebiet

Die Heimat der Schwarz-Pappel ist ganz Europa mit Ausnahme des Nordens (d.h. außer Skandinavien, Schottland, Irland und Island). Was schließen Sie aus dieser Verbreitung? Richtig: einen gewissen Wärmebedarf. Deshalb ist sie ein Baum der Tieflagen und kommt vor allem in den Niederungen großer Ströme vor, nur ausnahmsweise in den Alpen bis über 1000 m Höhe. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Süden bis nach Nordafrika und im Osten nach Asien hinein bis zum Fluss Jenissei in Russland und bis an den Rand vom Kaukasus und Himalaja.
Die Schwarz-Pappel gehört wegen ihres hohen Licht-, Wasser- und Nährstoffbedarfes zu den konkurrenzschwachen Bäumen, die fast nur in natürlichen Weichholz-Auewäldern direkt am Flussufer eine Chance haben.
Dort ist sie meist mit Weidenarten vergesellschaftet und benötigt wie diese zur Keimung Rohboden, der nur bei natürlicher Überflutungsdynamik regelmäßig und in größerem Ausmaß vorhanden ist. Sie erträgt häufige und auch mehrmonatige Überflutungen gut, wie sie ja direkt am Ufer naturnaher Flüsse häufiger vorkommen. Pappeln sind in einigen Regionen Deutschlands, z.B. entlang der großen Flüsse und in Norddeutschland, so landschaftsprägend, dass sie das Heimatgefühl dortiger Bewohner bestimmen können.

In Deutschland steht die Schwarz-Pappel als gefährdete Pflanzenart in der Roten Liste. Diesen Status gibt es nur für ganz wenige Baumarten. In den ostdeutschen Bundesländern ist sie vom Aussterben bedroht.
Pappeln treiben sehr stark aus dem Stock aus, wenn sie abgesägt werden. Wenn Sie also eine Pappel durch Absägen beseitigen wollen, kann es gut sein, dass einige Jahre später statt einer dort 50 Pappeln wachsen. Aus eingeschlagenem liegendem Pappelholz erscheinen noch lange Zeit aus dem Saft des Stammes wieder grüne Triebe. Nach Monaten, manchmal erst nach einem Jahr, sterben diese Zweige dann aber wieder ab.

Flora und Fauna

Eine große Zahl von Insekten lebt auf Pappeln (einige davon speziell auf der Schwarz-Pappel). Zu ihnen gehören Pappel-Bock, -Blattkäfer, -Blattroller, -Schwärmer, -Spinner und -Wickler. Wenn Sie die alle nebeneinander vor sich sehen würden, würden Sie sich sofort die Bedeutung der Schwarz-Pappel als Lebensraum verstehen. Von Gallläusen können keulenförmige Gallen am Blattstiel hervorgerufen werden – ein interessantes Artmerkmal (wenn sie auftreten), denn nur die reine Schwarz-Pappel wird befallen. Vogelarten nutzen die Krone als Nistplatz, und Rinder, Schafe und Wild verbeißen mit Vorliebe Zweige von Pappeln. Pferde zerfetzen gerne ihre Rinde, was leicht zum Absterben der Bäume führen kann. Auch Biber mögen Pappeln und legen selbst dickere Bäume in 1-2 Nächten um. Aber wo gibt’s denn noch Biber... Das weiche Holz ist außerdem attraktiver Lebensraum für viele Pilzarten, z.B. Lackporlinge und Schüpplinge, die allerdings zur Holzzersetzung durch Weißfäule führen können.