Woran erkennt man nun eine Silberweide?

Vor allem an ihrer schon von weitem sichtbaren silbrigen Behaarung, die blattunterseits und an den noch wachsenden Triebspitzen bis zum Herbst erhalten bleibt und an ihrem Habitus: ein einige Meter durchgehender, senkrechter, oft tief beasteter Stamm, der sich erst allmählich auflöst und mit steilen Ästen eine mächtige Krone entwickelt.

Den schraubig stehenden Blättern sieht man ihren Naturstandort an Gewässern sofort an: lang und schmal wie ein Paddelboot, so daß sie sich im Wasser gut der Strömung anpassen können. Bei der Silberweide weisen die Blätter am Blattstielende und am gezähnten Blattrand Drüsen auf, die (eher bei anderen Arten) für aromatischen Geruch sorgen können. Die silbrige Behaarung ist ein hervorragender Verdunstungs- und Strahlungsschutz, womit sich die Silberweide zeitweiliger Trockenheit und der extremen Einstrahlung an Gewässerrändern angepaßt hat.

Weiden weisen nur eine Knospenschuppe auf, wodurch sie sich eindeutig von allen anderen heimischen Gehölzgattungen unterscheiden lassen. Die Knospen der Silberweide sind zudem seidig behaart und fast zweischneidig zusammengedrückt. Unter besonders günstigen Umständen werden sog. Nebenknospen beiderseits der Hauptknospe ausgebildet, um noch schneller auf alles reagieren zu können. Die meisten Weidenarten sind Sträucher, die Silberweide ist eine der wenigen Ausnahmen mit baumförmigem Wuchs - sie ist mit etwa 30 m Höhe unsere größte heimische Weidenart. Die Weiden gehören gemeinsam mit den Pappeln zur Familie der Weidengewächse, für die eingeschlechtige Kätzchen charakteristisch sind, d. h. es gibt nur rein weibliche oder rein männliche Blütenstände. Und nicht nur das - zudem existieren auch am ganzen Baum bei dieser Familie nur weibliche oder männliche Blüten, so daß man nur ´Weidenfrauen´ oder ´Weidenmänner´ findet und dies botanisch als Zweihäusigkeit bezeichnet.


Die Blüten der Silberweide sind wie bei allen Weidenarten extrem einfach aufgebaut. Es fehlt alles, was zur Bestäubung nicht unbedingt notwendig ist, z. B. die gesamte Blütenhülle (Kelch- und Kronblätter), so daß die etwa 5 cm langen Blütenkätzchen relativ unauffällig sind. Da Weiden aber insektenbestäubt sind und daher Insekten anlocken müssen, versuchen einige Arten den Mangel durch auffällige Färbung der Staubbeutel auszugleichen - nicht jedoch die Silberweide: sie blüht relativ unscheinbar im April/Mai mit dem Laubaustrieb, die Kätzchen fallen daher erst bei genauerem Hinsehen auf. Die Blüten sondern aber Nektar ab, was den Insekten bekannt ist und den sie riechen können. Der einfache Blütenaufbau (mit einem Fruchtknoten bei weiblichen und zwei Staubblättern bei männlichen Exemplaren) wird heute so interpretiert, daß die Weiden erdgeschichtlich nicht etwa als besonders ursprünglich einzuordnen sind, sondern gerade im Gegenteil als besonders jung - durch im Laufe der Evolution erfolgte immer stärkere Reduktion auffälliger Blütenbestandteile. Die sich rasch entwickelnden Früchte sind Kapseln, welche im Frühsommer am Baum aufplatzen und die mit Flughaaren versehenen Samen entlassen. Wenn die Luftreise auf feuchten Stellen oder bei feuchter Witterung zu Ende geht, verkleben die Haare und der Same fällt aus dem Haarschopf heraus.