Nutzung und Verwendung

Als Pionierbaum sind Weiden raschwüchsig: Jahrestriebe von einem Meter und mehr sind nichts ungewöhnliches (was nur noch von Pappeln übertroffen wird). Allerdings hält dieses intensive Wachstum nicht allzu lange an, so daß sie trotzdem nicht höher als andere Bäume werden. Man macht oder richtiger: machte sich diese Eigenschaft besonders bei der baumförmigen Silberweide zunutze, indem man sie köpfte. Dann treibt sie dutzendfach an der Köpfungsstelle aus, und diese besonders intensiven Austriebe kann man vorzüglich für die Korbflechterei verwenden. Dies ist die Ursache für die noch hier und da verbliebenen Kopfweiden in der Landaschaft, die heute allerdings leider nicht mehr zum Körbeflechten, sondern nur noch als vielerorts einmal landschaftsprägendes Element erahlten werden, sofern das nötige Geld daür bereitgestellt wird. Unterbleibt diese (mindestens alle 10 Jahre erforderliche) Pflege, werden die vielen Austriebe bald so stark, daß der Baum früher oder später auseinanderbricht. Daher sind leider viele der Kopfweiden bereits aus der Landschaft verschwunden, wenn sie nicht einfach irgendwo im Weg standen und deshalb beseitigt wurden.

Die Pioniereigenschaften der Weiden führen auch dazu, daß sie Extremstandorte besiedeln und so für anspruchsvollere Gehölzarten vorbereiten können und damit eine äußerst wichtige Funktion erfüllen. So leiteten sie auch nach den Eiszeiten die Wiederbewaldung ein. Ihre sehr leicht und gut zersetzliche Streu trägt dazu bei, die Humusform entscheidend zu verbessern. Aus diesem Grund sieht man heute in der naturnahen Forstwirtschaft Weiden auch nicht mehr wie noch bis vor einem Jahrzehnt als Unkraut an und beseitigt sie, sondern läßt einen gewissen Anteil im Nebenbestand mitwachsen, der sich dann günstig auf die anderen Baumarten auswirkt. Außerdem wird jetzt in der Forstwirtschaft auch wieder stärker berücksichtigt, daß Weiden eine wichtige Bienentracht und Nahrungsgrundlage vieler vom Aussterben bedrohter Schmetterlingsraupen sind. Biber mögen die Rinde der Silberweide besonders gerne.

Weiden sind Lichtbaumarten, d. h. sie benötigen viel Licht und lassen auch sehr viel Licht durch ihre Krone hindurchfallen. Eine bemerkenswerte Ei genschaft hilft ihnen, dies zu erreichen: sie werfen Zweige auch im Sommer als sog. Absprünge ab. Das sind belaubte Zweige, die an einer eigens dafür entwickelten Trennzone in der Zweigbasis aktiv abgeworfen werden, mit grünen Blättern daran. Dies führt bisweilen dazu, daß man eine Krankheit vermutet. Es handelt sich aber um einen Mechanismus, mit dem die Weiden zu große Beschattung ihrer eigenen Blätter verhindern und zudem für vegetative Ausbreitung sorgen: die Absprünge fallen im Idealfall ins Wasser, werden fortgetrieben und weiter entfernt wieder ans Ufer gespült, wo sie sich bewurzeln können und so zur Ausbreitung der Art beitragen! Diese Eigenschaft macht man sich im Wildbachverbau zunutze, indem man dort Weidenzweige an zu befestigende Ufer legt oder steckt, so daß diese nach Bewurzelung zur Böschungssicherung beitragen. Bei einer anderen Weidenart, der Knackweide, haben die Absprünge sogar zum Namen beigetragen: die Zweige springen bisweilen mit einem knackenden Geräusch aus der Krone, das man auch leicht künstlich erzeugen kann durch Anstoßen dieser Zweige.

Genutzt wird bei Weiden seltener das weißgraue Holz mit braunem Kern (z. B. für Werkzeugstiele, Kricketschläger, Prothesen, Holzschuhe, heute aber wohl meist als Brennholz oder zur Papierherstellung), häufiger werden die Zweige zum Flechten, zum Wildbachverbau oder zur schnellen Bepflanzung von Dämmen und Böschungen verwendet. Dabei kann man sich drei Eigenschaften der Weide zunutze machen: die Biegsamkeit des Holzes, die Ausschlagfreudigkeit nach Absägen und die hohe Bewurzelungsfähigkeit. Besonders eindrucksvoll können Sie dies selbst bei Ostersträußen mit Wei- denzweigen ausprobieren (und dadurch auf einfachste Weise überall für eine bleibende Erinnerung an den Baum des Jahres 1999 sorgen...): man stellt die vor dem Austreiben frisch geschnittenen Zweige einer Silberweide - mit Ostereiern und Schokoladenhasen behängt - in eine mit Wasser gefüllte Bodenvase in die Wohnung, und nach 14 Tagen haben sie sich bewurzelt und man kann sie rauspflanzen (aber ohne Schokoladenhasen!).

Dabei brauchen sie nicht über ein sofort einsetzendes, vorübergehendes Abwerfen der Blätter bestürzt zu sein, da diese Sonnenbrand bekommen und durch raschen Neuaustrieb wieder ersetzt werden. Für ihre Verwendung in der Landschaft spricht auch die wunderbare Verfärbung der Zweige im Frühjahr, besonders ausgeprägt bei einer Varietät der Silberweide, der 'Dotterweide'. Sie färbt ihre Zweige ab März leuchtend gelb, was uns Hoffnung auf das nahende Frühjahr macht. Weiden können dann geradezu fröhlich aussehen, während die hängenden Zweige einer weiteren Varietät, der 'Trauerweide', eher etwas Malancholisches verbreiten. Es wird berichtet, daß ein Zweig der Trauerweide um 1700 als Paketschnur aus Vorderasien in Mitteleuropa eigetroffen und sich nach ihrem Wegwerfen bewurzelt haben soll - sicherlich bei den damaligen Transportgeschwindigkeiten undenkbar, aber immerhin ein schöner Hinweis auf das unübertroffene Ausschlagvermögen dieser Gattung. Napoleon war von einer auf St. Helena im Atlantik wachsenden Trauerweide so angetan, daß er unter ihr begraben werden wollte. Dadurch ist dieser Baum schnell populär geworden. Silberweiden (besonders Kopfweiden) dienen oft als Mutterpflanze für sog. 'Aufsitzerpflanzen', die sich durch Vögel verbreitet in Astgabeln ansiedeln (z.B. Holunder, Bittersüßer Nachtschatten) und dort jahrelang am Leben bleiben können. Sie sollten solche Aufsitzerpflanzen einmal suchen gehen! Kopfweiden sind zudem wichtiger Nistplatz und Brutbiotop z.B für Steinkauz, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Kleinspecht und Feldsperling.