Ökologie und Vorkommen

Die Zweihäusigkeit kann erhebliche Auswirkungen auf die Verwendung von Gehölzen haben: manchmal wird man z. B. wegen Heuschnupfen -Empfindlichkeit nur weibliche Exemplare in seinem Garten haben wollen, bei anderen Verwendungen nur männliche, z. B. wenn die Früchte als lästig empfunden werden. Beides dürfte jedoch bei den Weiden bedeutungslos sein, da sie von Insekten bestäubt werden (und daher nicht zu Heuschnupfen führen können), und die zur Fruchtreife einige Tage durch die Luft fliegenden Wattebäusche (zu Büscheln vereinigte, fedrig behaarte Samen) wird man wohl verkraften können (sie wurden früher zum Füllen von Kissen verwendet!). Außerdem fliegen diese 'Watteknäuel' - für die Weide erfreulich und gewollt - bis zu 50 km weit, typisches Kennzeichen einer Pionierbaumart, ebenso die große Zahl der Samen: es können Millionen sein.

Vorkommen

Damit solche Distanzen auf der Suche nach neuen Besiedlungsflächen überbrückt werden können, müssen die Samen sehr leicht sein. Das hat aber zur Folge, daß sie nicht wie z. B. Eicheln größere Mengen an Reservestoffen enthalten, die über die erste Zeit nach der Keimung hinweghelfen können, sondern im Gegenteil: entweder können Weidensamen sofort nach der Landung keimen oder es ist vorbei - ein gewagtes Vorgehen, aber für die Existenz von Weiden entscheidend. Wenn im Verlauf von Flüssen (im naturnahen Zustand) ständig neue Uferbereiche und Inselchen entstehen, sind nämlich die Weiden, so auch die Silberweide, mit als erste zur Stelle und besiedeln diese Flächen oft zunächst im Reinbestand. Allerdings benötigen Weiden soviel Licht zum Wachsen, daß sie sogar unter sich selbst nicht wieder keimen können. Das führt dazu, daß sie im Verlauf der weiteren Entwicklung der Vegetation (Sukzession) von schattentoleranten Baumarten verdrängt werden. Weiden sind also typische Pionierbaum- arten, die immer wieder neue Flächen zur Besiedlung benötigen. So kann man auch einen Weidenbestand im Naturschutz nicht einfach durch Nichtstun schützen: er würde selbst sein Ende herbeiführen. Dazu trägt auch die nicht gerade hohe Lebenserwartung der Weiden bei, bei vielen Arten deutlich unter 100 Jahren. Hier bildet die Silberweide eine wichtige Ausnahme mit bis zu 200 Jahren Höchstalter und bis über 1 m Stamm- durchmesser. Der Stamm ist in höherem Alter allerdings meistens hohl.

Verbreitung:

Die Silberweide kommt in fast ganz Europa natürlich vor (aber auch bis hin nach Vorderasien und Nordafrika) und ist ein Baum der Tieflagen (selten steigt sie bis etwa 1000 m hoch). Sie ist gemeinsam mit Pappeln und Erlen der wichtigste Baum der sog. Weichholzaue am Mittel- und Unterlauf der Flüsse, die ihren Namen wegen des weichen Holzes der beteiligten Baum- arten trägt und auf periodisch länger überflutete Bereiche mit stärkerer Strömungsbelastung und Sedimentation hinweist. Hier gibt es im tiefsten Uferbereich die Pflanzengesellschaft des Silberweidenwaldes, so daß sich entlang größerer, naturbelassener Flüsse oft ein silbernes Band durch die Landschaft zieht. Eine wichtige Eigenschaft ist an diesen Standorten auch die relative Resistenz gegen Rindenbeschädigung (durch Eisgang und mit Hoch- wasser transportierte Gegenstände). Die Weide ist neben der Erle die einzige Baumgattung, die mit ihren Wurzeln unter die mittlere Grundwasserlinie geht, da sie ein besonderes Durchlüftungsgewebe ihrer Wurzeln entwickelt. Sie bildet dann Wurzelzöpfe ins fließende Wasser aus.