Heilkunde, Mythologie und Brauchtum

Lindenblüten sind als „Flores Tilae“ offiziell, d. h. als Heilmittel anerkannt. Sie enthalten viel Schleim, Zucker, Wachs, Gerbstoffe und Spuren eines ätherischen Öls, welches das würzig riechende Farnesol enthält. Bereits in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts wurde der Lindenblütentee als schweißtreibendes und fiebersenkendes Heilmittel bei Erkältungen und Grippe beschrieben.

Den Germanen war die Linde der Liebesgöttin Frigga oder Freya heilig. Diese Gottheit war Sinnbild der Fruchtbarkeit, Güte, Mütterlichkeit, Herzlichkeit und des immerwährenden Lebens. Unter Linden fand bei den Germanen das „Thing“ statt. Die auf Hügeln angepflanzten und daher weit sichtbaren Bäume galten als Freiheitsbäume.
Wer ihr schützendes Dach erreichte, durfte nicht mehr ergriffen und gerichtet werden.
Sehr oft wurde die Linde in der Mitte des Dorfes als Baum der Rast und der Besinnung gepflanzt.

Auch vor Klöstern und an Wallfahrtsorten standen fast im ganzen deutschen Sprachgebiet Linden.

Aus einer älteren Statistik geht hervor, daß es in Deutschland über 850 Ortsnamen gibt, in welchen das Wort Linde vorkommt. Ungezählt sind die Gasthäuser „Zur Linde“, wo dieser wunderschöne Baum im Garten seinen Schatten spendet und den Gast zum Verweilen einlädt.