Habitus - breitkronige u. schlankkronig, Windflüchter

Da gibt es eindrucksvoll breitkronige und schlankkronige Kiefern. Wo im Winter regelmäßig viel und/oder nasser Schnee fällt, sind schlankkronige, von weitem fast wie Fichten aussehende Bäume häufiger, denn bei breitkronigen brechen dann die Äste ab. Natürlich spielen für die Kronen- und Stammform auch die Standort- und Bestandesverhältnisse eine Rolle: Bei Dichtstand werden die Kronen schlanker als bei freierem Aufwachsen, auf ärmeren Standorten sind die Bäume krummstämmiger, die Kronen unregelmäßiger.

An der Küste und im Hochgebirge werden die Kronen bei ständigem Wind- und Sturmeinfluss zu Windflüchtern, da sie dann einseitig abflachen. Die Kiefer mit den meisten Fernsehauftritten dürfte wohl ein solcher Windflüchter am Leuchtturm auf Hiddensee sein – er erscheint fast jeden Abend um 19:55 Uhr beim Wetterbericht des NDR-Ostfernsehens im Hintergrund.

Das Alter von Kiefern

Das Alter jüngerer Kiefern lässt sich leicht an den Astquirlen ablesen, denn davon wird jedes Jahr nur einer gebildet. Da die Astansätze auch nach dem Absterben der Äste noch lange am Stamm verbleiben und danach gut sichtbare Narben hinterlassen, ist es möglich, das Alter 50 Jahre und mehr zurückzuzählen (und damit auch den Höhenzuwachs zu rekonstruieren).
Jüngere Kiefern besitzen die besondere Eigenart, dass Wipfeltriebe und Seitenäste senkrecht wachsen.

Blätter - Nadeln der Kiefer

Da selbst der gute Naturbeobachter Goethe die Kiefern als Fichten bezeichnete, nun das wichtigste Erkennungsmerkmal. Die 4-8 cm langen, blau- oder graugrünen Nadeln stehen immer zu zweit an den Zweigen - genau genommen nicht an den Zweigen, sondern an ganz kurzen, unterentwickelten seitlichen Kurztrieben: Zwischen den beiden Nadeln, tief in der Achsel versteckt, gibt es eine Knospenanlage. Sie wird, wenn alles gut geht, nie zur Entfaltung kommen. Wenn die Nadeln aber durch Schnitt, Fraß o.ä. beschädigt werden, wird diese Knospe aktiviert, treibt aus und ersetzt die beschädigten Nadeln. Es gibt noch weitere zweinadelige Kiefernarten (z.B. Schwarz- und Berg-Kiefer), andere haben 3 oder 5 Nadeln am Kurztrieb, oder sogar nur eine.
Für die ersten 1-2 Jahre ihres Lebens tragen kleine Kiefern übrigens noch einzeln stehende Nadeln, die nicht an Kurztrieben sitzen. Dann findet die "Verwandlung" statt und alle weiteren Nadeln befinden sich zu zweit an den Kurztrieben.
Diese Nadeln werden, für einen Nadelbaum bemerkenswert, nur 2 bis 3 Jahre alt (in kalten Regionen und in hohem Alter können es auch bis zu 8 Jahre sein, bei Immissions- oder starkem Trockenstress nur 1-2 Jahre). Es ist also normal, dass die Nadeln schon im dritten Jahr abfallen. Die Zahl der Nadeljahrgänge ist ein Kriterium, mit dem sich die Vitalität einer Kiefer beurteilen lässt: wenn sie die Nadeln nur ein Jahr lang behält, muss ihr irgendein Stressfaktor zu schaffen machen.

Blüten, Bestäubung - Schwefelrgegen

Die Blüten der Kiefer sind, wie für Nadelbäume üblich, unauffällig. Sie müssen ja keine Insekten anlocken, sondern werden vom Wind bestäubt.

Es können dann zum Blütezeitpunkt im Mai solche Pollenmengen produziert werden, dass von Schwefelregen die Rede ist oder es gar heißt, Saharastaub sei bei uns angekommen (so steht es dann gelegentlich auch falsch in den Zeitungen). Pfützen und Tümpel sind um diese Zeit mit einem gelben Film überzogen.

Die männlichen Blüten befinden sich vorzugsweise im unteren Kronendrittel und stehen dicht gedrängt an der Basis der Jahrestriebe, mit der Folge, dass durch ihr Abfallen nach dem Verblühen markante Benadelungslücken an den Zweigen zurückbleiben. Die weiblichen Blüten sind in Zapfenblütenständen angeordnet und befinden sich in den oberen Kronenbereichen am Ende der Jahrestriebe.

Kiefernsamen / Kienäppeln

Die Befruchtung erfolgt erst im Frühjahr des Folgejahres, die Zapfen reifen deshalb nicht vor dem Herbst des zweiten Jahres. Reichlich Samen, eine sog. Vollmast mit bis zu 1.000 Samen auf dem Quadratmeter, gibt es alle 5-10 Jahre, dazwischen jedes Jahr geringere Mengen – aber immer noch größere als bei den meisten Laubbäumen.

Die eiförmigen, 3 bis 6 cm großen Zapfen ("Kienäppel") entlassen die Saat also erst im Spätwinter und Frühjahr zwei Jahre nach der Blüte. Bei Lufttrockenheit öffnen sich die Zapfen ein wenig und erste Samen fallen heraus. Wenn die Luftfeuchtigkeit zunimmt (nachts und bei Regen), schließen sich die Zapfen wieder etwas. So geht das wochenlang hin und her, die Samen fallen daher nicht alle auf einmal heraus, sondern über einen längeren Zeitraum verteilt. Irgendwann in diesem Zeitraum herrschen günstige Verbreitungsbedingungen; die Samen werden mit ihrem 2 cm langen Flügel dann bis zu 2 km weit vom Wind verfrachtet. Wenn man an einem sonnigen Frühlingstag unter einer Kiefer sitzt, kann man es knacken hören (das sind die sich öffnenden Zapfen), und kurz darauf sieht man einige Samen davonsegeln.
Der leere Zapfen fällt schließlich als ganzes ab. Eine 100jährige Kiefer produziert jährlich etwa 1.600 Zapfen. Es gibt übrigens auch Kiefernarten (vor allem in Nordamerika), deren Zapfen sich erst bei starker Erhitzung öffnen. Das ist eine clevere Anpassung an die in diesen Regionen häufigen Waldbrände: Die Samen fallen ins Aschebett und haben ideale Keimungsbedingungen.

Rinde / Wurzel / Alter

Die Wald-Kiefer ist bekannt für ihre fuchsrote Spiegelrinde, ein schönes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Kiefernarten (in Ungarn wird die Kiefer deshalb auch Karottenbaum genannt). In mittlerem Alter entwickelt sich unterhalb der Krone eine glatte, matt glänzende, in Orange- und Rottönen leuchtende Rinde, die in höherem Alter immer dicker und schließlich am unteren Stammabschnitt braungrau wird und schuppig aufreißt.

Bemerkenswert sind auch die Pfahlwurzeln von Kiefern, die bis in 8 m Tiefe reichen können; die Seitenwurzeln können 16 m lang werden. Dementsprechend verankert und sturmfest sind die Bäume.

Das Höchstalter der Kiefer beträgt 500, in Einzelfällen auch bis 1.000 Jahre
(dokumentiert in Lappland). Sie kann fichtenschlank 48 m hoch werden
(oder ein kaum mannshoher Zwerg bleiben) und einen maximalen Durchmesser von 1,50 m erreichen. Wenn Sie vor so einer dicken Kiefer mit breit ausladender Krone stehen, werden Sie sich ehrfürchtig verneigen (hoffe ich zumindest).

Familie der Kieferngewächse

Die Kiefer ist namengebend für die Familie der Kieferngewächse, zu denen die meisten Zapfenträger gehören. Weitere heimische Kiefernarten in Deutschland sind Berg- und Zirbel-Kiefer, die aber von Natur aus eher in höheren Lagen anzutreffen sind. Häufiger findet man auch angepflanzte Schwarz-Kiefern (aus Österreich) oder Stroben („Weymouth-Kiefer“ aus Nordamerika). Weltweit gibt es etwa 100 Kiefernarten, darunter eine mit 50 cm langen Zapfen (die Zucker-Kiefer), eine mit bisweilen tödlichen Zapfenschuppen (die Coulter-Kiefer, deren 3 kg schwere dornige Zapfen aus 25 m Höhe herunterfallen können) und eine, die mit fast 5.000 Jahren die ältesten lebenden Bäume der Welt stellt (die Langlebige Grannen-Kiefer).