Nutzung, Verwendung und Heilkunde

Siegeszug der Waldkiefer - Wiederbewaldung

Im ausgehenden Mittelalter begann der vom Menschen geförderte Siegeszug der Kiefer, weil man mit ihr die großen verödeten und herabgewirtschafteten Flächen bepflanzen konnte. Ostern 1368 erfolgte im Nürnberger Raum die erste großflächige künstliche Baumsaat, und sie erfolgte mit der Kiefer. Der Nürnberger Reichswald war lange Zeit das berühmteste Kiefern-Waldgebiet. Bis zum Dreißigjährigen Krieg waren die Nürnberger Kiefernsäer vielgefragte Fachleute, die von Preußen bis Flandern mit Säcken voller Saatgut durchs Land zogen. Die Kiefer war es, die nach großflächiger Waldvernichtung überhaupt erst eine Wiederbewaldung möglich machte, da sie selbst mit widrigsten Bedingungen fertig wird.

Im 18. Jahrhundert bedrohten Sanddünen als Folge der überweideten, fast vegetationslosen Landschaft die Herzogstadt Celle (Niedersachsen), so dass 1748 Friedrich der Große befahl, die Heiden mit der Kiefer aufzuforsten.
Heute hat die Kiefer einen Anteil von 23% an der deutschen Waldfläche (in Brandenburg 71%).

Kiefern sind wichtiger Lebensraum

für eine Vielzahl von Insekten, Pilzen und Vögeln. Die Insekten können ihr allerdings sehr zu schaffen machen, da einige sie vollkommen kahl fressen. An den Wurzeln wurden über 50 Pilzarten festgestellt, die den Bäumen bei der Nährstoff- und Wasseraufnahme helfen (sog. Mykorrhiza-Partner), auch der Fliegenpilz gehört dazu.
Gelegentlich sieht man an Kiefernstämmen von oben bis unten auf der Rinde waagerechte Linien, aus denen Harz läuft. Durch dieses Ringeln machen sich Spechte (vor allem Buntspechte) den Saft der Bäume nutzbar und freuen sich dann natürlich auch über die im Harz kleben bleibenden Insekten…

Holz

Das dekorative Holz der Kiefer ist seit langer Zeit sehr beliebt. Es zeigt einen warmen Farbton, kann jedoch beim Nachdunkeln auch etwas "laut" werden durch die auffälligen Jahrringe, weil sich das dünnwandige helle Frühholz deutlich vom dickwandigen dunklen Spätholz im Jahrring absetzt. Der dunklere Kern unterscheidet sich klar vom helleren Splint. Das Kernholz ist ziemlich dauerhaft, da pilzresistent. Gerade, astfreie Stammabschnitte lassen sich zu Furnier verarbeiten. Kiefernholz wird als Konstruktionsholz im Innen- und Außenbereich verwendet für Schiffsdecke, Rammpfähle, Schwellen, Gartenmöbel und für Türen, Türrahmen, Fenster, Treppen, Fußböden und Möbel. Früher wurden auch Wasserleitungen daraus hergestellt.
Kienspäne verwendete man zum Erhellen der Stuben: Kiefernholz wurde in etwa 3 mm dicke und 4 cm breite Steifen gespalten, die im Mund gehalten wurden(!), wenn man für sie keine Halterung besaß, und eine Viertelstunde für Licht (und im Moment der Nachlässigkeit für einen Brand!) sorgten. Oder man schnitt fingerdicke harzgetränkte Stäbe aus Kiefernholz, die als Fackeln 1 bis 2 Stunden brannten (und fürchterlich rußten). Dieser Kienruß war wertvolles Kiefernholz-Produkt zum Herstellen schwarzer Ölfarbe, von Tusche, Druckerschwärze und Schuhcreme.

Harz und Nadeln

Lange Zeit war die Harznutzung eine wichtige Verwendungsform. Schon der Begründer der Homöopathie HAHNEMANN berichtete 1793 von der medizinischen Bedeutung des Harzes. Seit dem 1. Weltkrieg bis Anfang der 1990er Jahre wurden die Stämme vieler Kiefern etwa 10 Jahre vor der Fällung nach Entfernen der Rinde an einer Seite fischgrätartig angeritzt. Dann tritt im Frühjahr das flüssige Harz aus, und man kann es in darunter gehängten Töpfchen auffangen, 1-4 kg je Baum im Jahr. Harz ist Grundstoff für Terpentin(öl) und Kolophonium. Ersteres wird genutzt für Kosmetika, Lacke und Anstreichmittel, letzteres für Lacke, Papier, Leime, Linoleum, Geigenbogenharz und Kaugummi (also doch noch etwas für den Geschmackssinn…).
Aus den Nadeln kann man Matratzen- und Kopfkissenfüllungen als "Waldwolle" herstellen – Sie können sich denken, dass man dazu ein paar Tricks kennen muss (sonst wird das nichts mehr mit der Nachtruhe).

Weihnachtsbaum

Im östlichen Nordamerika ist die Föhre der beliebteste Weihnachtsbaum – eins der wenigen Dinge, die sich von dort (noch?) nicht bei uns verbreitet haben.

Heilkunde - Extrakte der Waldkiefer

Die Samen der Wald-Kiefer sind ungenießbar, aber die von Pinie und Zirbel-Kiefer sehr nahr- und schmackhaft. Kiefernölextrakte aus Nadeln und jungen Trieben werden als Duft- und Massageöle, Badezusatz, Saunaaufgüsse und innerlich (Inhalation) gegen Erkältungskrankheiten und Halsbeschwerden verwendet, für letzteres kann man auch Kieferntee aufgießen. Wer sich bei Glieder-, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Prellungen und Verstauchungen Erleichterung verschaffen will, reibt sich mit Kiefern-Franzbranntwein ein – das hält wegen des Geruches für eine Weile auch die Verwandtschaft fern.