Ökologie und Vorkommen

Worin liegt die Stärke der Waldkiefer?

Kiefern sind konkurrenzschwach. Der Grund dafür ist ihr sehr hoher Lichtbedarf, schon in der Jugend. Die Stärke dieser Baumart liegt daher in der Besiedelung von Freiflächen und Extremstandorten sowie Katastrophenflächen, z.B. nach Waldbränden.

Pionierbaumart

Man bezeichnet sie deshalb als Pionierbaumart (wie auch die Birke). Hier hat die Kiefer freie Bahn und kann mit ihren Millionen von Samen richtig loslegen – mit der Folge von großflächig gleichaltrigen Reinbeständen. Solche Reinbestände sind in der Natur aber meist nur ein Durchgangsstadium, bis andere Baumarten die Kiefern verdrängen. Ganz anders ist es, wenn der Mensch durch Pflanzung nachhilft und gleichaltrige Reinbestände zum Dauerzustand werden, denn dies hat negative Folgen: Die Nadeln werden nur unvollkommen zersetzt und bilden eine immer dicker werdende Schicht auf dem Waldboden, so dass sich der Standort verschlechtert und versauert. Insbesondere das Schädlingsrisiko steigt dann an. Bei naturnaher Waldbewirtschaftung werden solche Kiefernreinbestände in stabilere Mischbestände "umgebaut", d.h. es werden Laubbaumarten wie Eichen oder Buchen hineingepflanzt.

Extremstandorte - Überlebenskünstler

Am besten wächst die Kiefer wie die meisten Baumarten auf Standorten mit gutem Wasser- und Nährstoffangebot. Dauerhaft hat sie in Deutschland aber nur auf Extremstandorten eine Chance, z.B. auf sehr armen, trockenen Sandböden, auf Felsen oder an Moorrändern. Nicht weil sie sich dort besonders wohl fühlt, sondern weil sie nur hier konkurrenzstärker ist als andere Baumarten. Kiefern können die reinsten Überlebenskünstler sein: Keine andere Baumart kommt mit so wenig Wasser und Erde aus. In Felsritzen z.B. entwickelt sie einen bonsaiförmigen Habitus und ist im Alter von 50 Jahren vielleicht gerade mal 50 cm groß.

Heidekiefern

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Kiefern in Heideflächen auffällig breite Kronen haben? In beweideten Heideflächen werden die jungen Kiefern von den Schafen verbissen (im Winter stellen Kiefernnadeln dort das einzige fressbare Grün dar), kriechen dann im Schutz der Heideschicht am Erdboden in alle Richtungen und werden breiter und breiter (aber nicht höher). Wenn es schließlich einzelne Äste schaffen, aus der Verbisszone herauszuwachsen, entstehen die eindrucksvollen, extrem breitkronigen Heidekiefern.

Verbreitungsgebiet der Waldkiefer

Keine andere heimische Baumart hat so ein riesiges Verbreitungsgebiet: es umfasst fast ganz Europa und Asien, überschreitet im Norden den Polarkreis und dringt im Süden bis in die Steppen vor sowie bis in 2.500 m Höhe im Gebirge. Vor allem im Nordosten Europas und in Brandenburg, der "Sandkiste Deutschlands", tritt die Kiefer auffällig in Erscheinung. Nach den Eiszeiten hat sie vor etwa 10.000 Jahren über lange Zeit gemeinsam mit der Birke die mitteleuropäischen Wälder dominiert. Von einer Klimaerwärmung und entsprechender Ausdehnung trockener Standorte wird diese Baumart mit Sicherheit profitieren.

Krankheiten und Schäden

Die Wald-Kiefer wird aufgrund ihres riesigen Verbreitungsgebietes und ihres häufigen Vorkommens auf trockenen Standorten von einer Vielzahl von Schädlingen gebeutelt, so dass sie in Büchern über Baumkrankheiten regelmäßig die meisten Seiten einnimmt. Nadeln, Rinde und Holz enthalten aber sehr viel Harz, eine Art Notfallapotheke gegen die Schädlinge.

Der schon erwähnte massive Nadelfraß wird z.B. durch die Raupen von den Schmetterlingen Nonne, Kiefernspanner, -spinner, -schwärmer und Forleule verursacht. Er kann zum Absterben des Baumes, im Extremfall ganzer Waldbestände führen. In Mischbeständen und an natürlichen Kiefernstandorten treten diese Probleme seltener auf.
In feuchten, windstillen Lagen kommt es in jungen Reinbeständen häufig zur Kiefernschütte, einem pilzbedingtem massiven Nadelfall. Findet man hingegen Nadelverfärbungen vor, so lassen sich diese oft gut dem Mangel an bestimmten Nährstoffen zuordnen.
Für Holz- oder Wurzelfäulen sind verschiedene Pilzarten verantwortlich, z.B. Kiefern-Baumschwamm, Kiefern-Braunporling, Krause Glucke, Hallimasch und Wurzelschwamm.
Als Kienzopf bezeichnet man das Absterben des Wipfels durch den Kiefernrindenblasenrost – das dann entstehende, harzreiche „Kienholz“ wird noch heute gern als (leider stark rußender) Kaminanzünder verwendet. Triebverkrümmungen („Posthornbildung“) kommen durch den pilzbedingten Kiefern-Drehrost oder den Kiefernknospentriebwickler zustande: Durch ungleiches Wachstum verschiedener Triebseiten verkrümmen sich die Sprosse und richten sich am Ende wieder auf – das kann ganz schön merkwürdig aussehen. Zu Hexenbesen in der Krone (miniaturisierte Verzweigungen) kann es durch Knospenanomalien kommen. Dazu gibt es in Westfalen die Sage, dass darunter so tief wie der Hexenbesen hoch in der Krone hängt, im Boden ein Schatz vergraben liegt… Als Zapfensucht bezeichnet man eine Mutation, durch die männliche Blüten und weibliche Zapfen am Zweig vertauscht sind, so dass sich an einem Zweig bis zu 250 Zäpfchen entwickeln können.
Die Kiefern-Mistel ist eine Unterart der Mistel, die nur auf Kiefern auftritt. Sie kann einzelne Äste schädigen, bei massivem Befall zum Absterben ganzer Bäume führen.
Kiefern gelten als sehr empfindlich gegenüber Schwefeldioxid und Streusalz, sind dafür aber sehr dürre- und frosthart.