Kugelförmige Krone

Nussbäume entwickeln eine kugelförmige Krone. Bei genauerem Ansehen (am besten ohne Blätter) fällt auf, dass man keinen dominanten Wipfeltrieb finden kann. Stattdessen gibt es eine Rangelei, wer in der Oberkrone das Sagen hat – ohne Ergebnis. Das ist zwar bei vielen Laubbäumen ähnlich, aber beim Nussbaum besonders ausgeprägt: er leistet sich 20 und mehr Wipfeltriebe. Das Höhenwachstum kann in der Jugend trotzdem 1 bis 2 m pro Jahr erreichen, also mit anderen schnellwachsenden Baumarten mithalten.

Silbrige Rinde

Im Winter fällt seine silbrige Rinde auf, sie kann fast weiß werden. Dagegen sind die jungen Triebe dunkel rotbraun, und die alte schuppige Borke wird auch wieder dunkler. Dadurch entsteht ein markanter Farbkontrast in der Krone. Zudem wirkt der krumme, knorrige Stamm eindrucksvoll. Es gibt fast keinen Walnussbaum mit einem geraden Stamm. Seine maximale Höhe beträgt meist 20 m im Freistand, im Bestand 25-30 m. Sein Höchstalter ist etwa 150 Jahre, kaum mehr. Veredelte (gepfropfte) Bäume werden oft sogar nur 50 Jahre alt.
Der dickste mir persönlich bekannte Walnussbaum steht in der Nähe von Köln und hat einen Stammumfang von 308 cm, also einen Durchmesser von 98 cm (oberhalb der Wurzelanläufe).

gekammertes Mark

Interessant: wenn Sie die jungen Zweige schräg anschneiden oder in der Mitte längs aufschneiden, erkennen Sie im Inneren das gekammerte Mark, ein wichtiges Merkmal, dass es sich tatsächlich um einen Nussbaum handelt.
Und eindrucksvoll sind auch die großen Blattnarben mit einer grinsenden Fratze: beim Abfallen hinterlassen die dicken Blattstiele große Narben auf der Zweigoberfläche, die im Blattstiel befindlichen Leitbündel (zur Versorgung der Blätter mit Wasser und zum Abtransport des Zuckers aus ihnen) reißen dann ab und sind fratzenartig angeordnet.

gefiederte Blätter

Die Blätter des Nussbaumes sind gefiedert, d.h. an einer Blattspindel, dem verlängerten Blattstiel, sitzen 5-9 Fiederblättchen, die alle zusammen das 20-40 cm große Blatt bilden. Da im Herbst zusammen mit den Fiederblättchen auch die Blattspindeln abgeworfen werden, ist die Verzweigung der Walnuss sehr grob. Denn im Grunde genommen fehlt die feinste Verzweigungsordnung, und man kann die Blätter daher auch als "Wegwerftriebe" bezeichnen. So braucht der Baum keinen Aufwand für ihren Frostschutz zu betreiben.

Die Blätter sind beim Austreiben rotbraun gefärbt, daran kann man Nussbäume um diese Zeit gut von weitem erkennen. Sie fühlen sich lederig und etwas ölig-klebrig an, glänzen oberseits matt und duften aromatisch – wenn Sie das genauer wissen wollen, zerreiben Sie ein Blättchen zwischen den Fingern und riechen dran – traumhaft! Auf der Blattunterseite findet man, zumindest an jungen Blättern, viele kleine Drüsen und in den Nervenwinkeln Gabelhaare, die unter einer stark vergrößernden Lupe (50x) schön anzusehen sind.

Blüten

Die männlichen Blüten öffnen sich im April/Mai in bis zu 15 cm langen Kätzchen, die vorher nackt überwintern mussten und deshalb vom Spätsommer bis zum Austreiben immer sichtbar, wenn auch noch kompakt sind.
Dagegen erscheinen die unauffälligen weiblichen Blüten erst beim Austreiben mit den Blättern an den neuen Jahrestrieben, und zwar am Sprossende zu 1-5 zusammen (meist zu zweit).
Die Bestäubung besorgt der Wind, daher kann der Nussbaum auf bunte „Schauapparate“ oder Nektardrüsen zum Anlocken von Insekten verzichten und steckt diesen Aufwand später lieber in seine Früchte.
Die ersten Blüten können schon an 5-jährigen Bäumen auftreten, in größerer Zahl ab dem Alter 10.

Nüsse, die Früchte der Walnuss

Altes Volksrätsel
(aus D. LAUDERT 2003: Mythos Baum, BLV München)

Zur schönen warmen Sommerzeit
da trage ich ein grünes Kleid.
Doch wenn erst kommt der Herbst daher,
trag' ich das grüne Kleid nicht mehr.
Ich trage dann ein Kleid von Stein,
ein Hammerschlag dringt kaum hinein.
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
so trag' ich gar ein golden Kleid.
Das zieht mir dann das Kindchen aus
und isst mich selbst zum Weihnachtsschmaus.

Damit kommen wir nun zu den Walnüssen, der Antwort auf dieses Rätsel. Wenn Sie sich im Sommer die reifenden Früchte am Baum anschauen, ist die Sache mit den Nüssen doch etwas komplizierter. Denn dann sehen Sie: um das herum, was wir als Nuss auf den Weihnachtsteller legen, ist noch eine dickfleischige grüne Schale vorhanden, die kurz vor der Reife im September oder Oktober aufplatzt und den "Kern" freilegt, bevor er herausfallt, oder alles zusammen fällt vom Baum ("Plumpsfrüchte"). Würde die grüne Schale nun mit zur Frucht gehören, wäre es eine Steinfrucht wie z.B. die Kirsche. So steht es bisher in fast allen Lehrbüchern, und so habe ich selbst es auch meinen Studenten bis 2006 in den Vorlesungen erzählt. Neueste Untersuchungen haben nun aber nachgewiesen, dass die fleischige Schale nicht zur Frucht gehört, sondern aus anderen Organen (Blättern) entstanden ist. Deshalb handelt es sich bei Walnüssen also tatsächlich um Nüsse, die wie Bucheckern und Maronen am Baum von einer grünen Fruchthülle umgeben sind. So kann es auch heute noch zu Umbrüchen in der Botanik kommen, wenn jemand mal genau hinschaut.

Am Hang kann die Frucht weit herabrollen, und wenn sie am Ufer in einen Fluss fällt, wird sie weit fortgetragen, da sie schwimmt. Eichhörnchen, Mäuse, Krähen und andere Tiere legen sich Verstecke mit Walnüssen an, die sie dann z.T. vergessen – so säen sie Nüsse.

Genau genommen sind das, was wir bei der Walnuss essen, die beiden gefalteten und fleischigen Keimblätter des Embryos. Dieser ist durch eine echte holzige und eine unvollständige hautartige Scheidewand, die beide kreuzartig zueinander stehen und das so genannte Kreuzchen bilden, in 4 Abteilungen geteilt. Dazu sollten Sie eine Walnuss mal ganz vorsichtig knacken und sich ansehen, was da alles zum Vorschein kommt. (Eigentlich wussten Sie das ja schon vom 1.000-fachen Nüsseknacken.) Die Keimung findet im folgenden Frühjahr statt, dazu müssen die Früchte einige Zeit feucht und kalt gelegen haben, was ja in der Natur automatisch durch den Winter und herabgefallenes Laub geschieht. Dann sprengt der schwellende Embryo die Schale an der Naht auseinander. Die Keimblätter entfalten sich bei der Keimung nicht, sondern bleiben wie bei Eiche und Kastanie auf dem Boden und werden vom Keimling beim Aufwachsen "ausgesogen".

Ursprünglich waren die Nüsse ziemlich klein, nur 2 cm groß. Nussbäume wurden aber – wie Äpfel, Birnen und Maronen – von unseren Vorfahren schon seit Jahrtausenden auf größere Früchte gezüchtet, so dass wir die Ursprungsgröße kaum noch zu sehen bekommen und uns an die bis zu 5 cm großen Nüsse gewöhnt haben. Ist ja logisch, denn wer will schon so viele Nüsse knacken, um einen Kuchen zu backen? Rekord ist eine Nuss mit 9 cm Länge und 6 cm Breite, die deshalb auch als Riesenwalnuss bezeichnet wird. Da ihr Inhalt geschmacklich dem aber nicht entspricht, werden solche Nüsse auch Blendernüsse genannt und eher zu Dekorationszwecken verwendet. Größer muss ja nicht immer besser sein.

Keimling und Wurzel

Der Keimling entwickelt zunächst eine imposante Pfahlwurzel, bevor er sich um die oberirdischen Organe kümmert. In den ersten Jahren ist die Wurzel meist deutlich länger als der Spross und – Vorsicht! – extrem empfindlich gegen Beschädigung (z.B. beim Verpflanzen). Später nimmt das Wurzelwerk eine herzförmige Form an, und im Alter wurzeln Nussbäume relativ flach. Viele oberflächliche Hauptwurzeln streichen dann weit vom Stamm weg, um ein Vielfaches über die Kronentraufe hinaus.
Der Nussbaum spielt vor allem in wärmeren Regionen Südwestdeutschlands und in den Flusstälern eine bedeutsame Rolle als Fruchtbaum und kann im Freistand bis zu 150 kg Nüsse in einem Jahr produzieren. Allerdings trägt er nicht jedes Jahr reichlich, sondern meist nur alle zwei Jahre. Das ist jedenfalls mein Eindruck.

Familie der Walnussgewächse

Die Walnuss gehört zur Familie der Walnussgewächse, zusammen mit den weiteren Gattungen Hickory- und Flügelnuss, die in Nordamerika bzw. Asien heimisch sind. Weltweit gibt es etwa 20 Walnussarten. Die nah verwandte, in Nordamerika heimische und hier gelegentlich angepflanzte Schwarznuss wird in ihrer Heimat als 'king of the forest' (König der Wälder, wegen des hochwertigen Holzes) und als 'queen of the kitchen' (Königin der Küche, wegen ihrer Früchte) bezeichnet.