Über kaum eine andere Baumart gibt es so viele nicht-forstliche Bücher wie über den Nussbaum, da kommt (auf Italienisch) höchstens noch der Olivenbaum mit.


Volkserotik

Der majestätische Habitus und der ergiebige Fruchtertrag haben den Nussbaum seit alters her mit Königswürde und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht (das lateinische Beiwort regia bedeutet königlich). Schon die Griechen sahen die Walnuss als Speise der Götter und Sinnbild der Fruchtbarkeit. Der Gattungsname Juglans leitet sich von dem lateinischen Jovis glans ab, zu Deutsch Jupiter-Eichel. Wegen des etwas erotischen Aussehens des Nussembryos spielt die Baumart schon lange eine Rolle in der Volkserotik und bei Hochzeitsbräuchen (wollen Sie das wirklich genauer wissen? frischgebackene Bräute sollen viele Walnüsse essen, mehr sag ich nicht dazu…).


Name

Der deutsche Name Walnuss hat sich aus Welschnuss entwickelt, womit auf die Herkunft der Baumart in Deutschland über Italien aus Frankreich hingedeutet wird: sie wurde im 8. Jahrhundert von den Galliern mitgebracht, die damals Welschen genannt wurden – die Gallier kennen Sie ja von Asterix.


Inhaltsstoff Juglon

Walnussbäume vertreiben lästige Insekten wie Mücken und Fliegen von Haus und Hof, daher wurden und werden sie möglichst nah ans Haus gepflanzt. Mit grünen Walnussblättern kann man Ungeziefer aus Kleiderschränken und Betten fernhalten. Ein Hundezüchter sagte mir, an jedem Hundezwinger sollte ein Nussbaum stehen, da er Flöhe und andere Parasiten vertreibt. Ausprobiert hab ich's nicht, aber es kann ja nicht schaden.

Interessant ist eine Erscheinung, die Botaniker bis heute beschäftigt: Nussbäume beseitigen lästige Konkurrenten im Bereich ihres Standortes wie von Geisterhand durch den Inhaltsstoff Juglon in Blättern und Wurzeln, der nach deren Zersetzung freigesetzt wird und die Keimung einiger Pflanzenarten verhindern kann. Besonders bekannt ist diese Erscheinung beim nahe verwandten, aus Nordamerika stammenden Schwarznussbaum, bei der Walnuss hingegen ist die Wirkung nicht so deutlich. Auf keinen Fall ist es so, wie es in manchen Büchern steht, dass unter einem Walnussbaum nichts wächst. Das können Sie sofort bei Ihrem nächsten Spaziergang durch ländliche Wohngebiete kontrollieren.


Allelopathie

Aber eigene Versuche haben tatsächlich ergeben, dass Keimlinge anderer Arten absterben, wenn man Walnussblatt- oder -wurzelpulver im Gießwasser auflöst und die Keimlinge damit gießt. Diese Erscheinung wird als Allelopathie bezeichnet und ist ein besonders interessanter Mechanismus der Konkurrenz unter Pflanzen.

Möglichkeiten des Nussknackens

Die Technik des Nüsseknackens beschäftigt die Menschen, seit sie Walnüsse essen. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten: die Schlag-/Stoßmethode, das Schraub-, das Bohr- und das Hebel-/Zangenprinzip – für jede Variante wurden ausgetüftelte Geräte entwickelt. Wer noch etwas mehr Kult mit der Walnuss betreiben will, sollte anfangen, Nussknacker aus dem Erzgebirge zu sammeln. Damit hat man bis ans Lebensende zu tun, denn es gibt schon jetzt über 1.000 verschiedene Typen, und jedes Jahr kommen neue hinzu.
(Nussknacker sind vielen Rednern übrigens haushoch überlegen: sie kommen immer sofort zum Kern der Sache.)

Holzkünstler

Die Holzkünstler im Erzgebirge schaffen es außerdem, in halben Walnussschalen ganze Miniatur-Welten unterzubringen oder Mini-Pyramiden daraus zu bauen. Das müssen Sie sich ansehen!
Werfen zwei Liebende Walnüsse ins Feuer und die bleiben geschlossen, so ist eine glückliche Ehe zu erwarten – platzen sie auseinander, so ist das Scheitern der Beziehung zu befürchten. (Man kann übrigens vorhersehen je nach Zustand der Nüsse, ob sie platzen oder nicht… meines Wissens hat aber bisher niemand untersucht, ob so Beziehungen zu retten sind.) Die Walnuss galt zudem als Symbol der Unsicherheit im Ehestand: "Niemand weiß, was in der Nuss zu finden ist – süß oder bitter.

Baum-Horoskop - Redewendungen

" Nuss-Menschen, nach dem
Keltischen Baumhoroskop vom 21.4.-30.4 oder vom 24.10.-2.11. geboren, gelten als unbeugsam, geben alles für ihre Ziele und machen sich selbst unglücklich, wenn sie sich im Partner geirrt haben und das nicht akzeptieren wollen.
Walnussbäume sind zudem gut für Menschen, die zu sehr nach außen orientiert sind – dieser Baum richtet die Wahrnehmung nach innen, wir lernen durch ihn, zu uns selbst zu kommen. Wenn Sie Entscheidungs-schwierigkeiten haben, hilft es, mit einem Walnussbaum zu meditieren.

Redewendungen wie diese kennt wohl jeder, sie sind kein Zufall:- "Faule Nüsse werden auch verkauft."
- "Er hat eine harte Nuss zu knacken".
- "Taube Nuss und hohler Zahn, junges Weib und alter Mann."
- "Der muss keine Nüsse knacken, der hohle Zähne hat."
- "Die schönste Nuss hat oft einen faulen Kern."
- "Gott gibt die Nüsse, aber er knackt sie nicht."

Märchen

 

Zum Schluss: kennen Sie vielleicht das Märchen "Allerleirauh" von den Gebrüdern GRIMM, oder von LUDWIG BECHSTEIN "Das Nusszweiglein"? In ersterem ist eine Walnussschale und in letzterem ein Nusszweig schicksalbestimmend. Das ist doch mal ein Anlass, diese Märchen Ihren Kindern vorzulesen (es können auch die Enkelkinder sein, oder Sie lesen sie einfach für sich selbst, denn beides sind eigentlich auch Märchen für Erwachsene).

Ein schöner Brauch: Walnussbaum selbst "ziehen"

Im Jahr der Nuss wäre doch folgendes ein schöner Brauch: von immer 10 Walnüssen, die Sie knacken und essen wollen heben Sie eine auf, stecken sie in die Erde eines Blumentopfes mit einer Moosschicht drauf, stellen den Topf an einen kühlen Ort (0-4°C), wo er vor starkem Frost, Austrocknen und Mäusen geschützt ist, und im April stellen Sie ihn raus, immer mal gießen, und dann geht im April etwas Aufregendes los. Sie werden dann Zeuge eines keimenden Walnussbaumes, und den pflanzen Sie bald, spätestens im Herbst, als Ihren Hausbaum an eine geeignete Stelle! Oder sie legen die Nuss gleich irgendwo im Garten, wo der Nussbaum stehen soll, unter eine dicke Laubschicht.