Attraktiver Stadtbaum, hier Kirchbaum, Foto: A. Roloff
Sehr gute Überwallung und Abschottung bei Verwundungen und Stammfäulen, Foto: A. Roloff
Schutzanstrich gegen Sonnenbrand nach dem Pflanzen, Foto: A. Roloff
Beliebter Baum auf Stadt- und Dorfplätzen, Foto: A. Roloff
Lindenallee, Foto: A. Roloff
8a) Stadtbaumart

 

In der Stadt sind die großen Vorteile und Vorzüge der Winter-Linde:
+ sehr gute Kompartimentierung (Abschottung bei Verletzungen und Pilzbefall)
+ sehr hohe Reiterationsfreudigkeit (Wiederaustrieb nach Verletzungen und Schnitt)
+ wichtiges Bienen-/Hummelgehölz
+ späte, aromatisch duftende Blüte
+ anspruchslos und tolerant
+ kaum Krankheiten und Schäden
+ hohes Lebensalter bis 1.000 Jahre

Die Linden sind in den meisten Städten Mitteleuropas die häufigsten Bäume (nur Ahorne sind noch ähnlich verbreitet). Dazu trägt neben ihrem guten Anpassungsvermögen auch ihre Reaktionsfähigkeit auf Stammverletzungen und ihre hohe Schnitt-Toleranz bei. Selbst Verstümmelungen durch Kappungen überleben sie meist, allerdings nur mit der Folge erheblicher und lange anhaltender Stammfäulen (infolge der dann einige Jahre fehlenden Blätter, so dass es zur Unterversorgung mit Kohlenhydraten kommt). Leider war das Kappen von Linden vor Jahrzehnten mal sehr in Mode, die negativen Folgen wirken oft noch bis heute. Den Rest gibt man solchen Bäumen dann, wenn man sie nochmal verstümmelt, gelegentlich als Verjüngungs- oder Regenerationsschnitt deklariert. Es wäre schön, wenn wir den Linden in Zukunft mehr Liebe, Achtung und Fürsorge zukommen lassen als bisweilen in vergangenen Zeiten.

Honigtau

Probleme verursacht an warmen Frühlings- und Sommertagen der aus Lindenkronen tropfende Honigtau: kleine Zuckerwasser-Tröpfchen machen Fahrräder, Autos und Bänke klebrig, das haben Sie sicher auch schon erlebt. Selbst wenn diese beim nächsten Regen wieder abgewaschen werden und absolut unschädlich sind, machen sich die Linden dadurch zunehmend unbeliebt, denn unsere Ansprüche und Empfindlichkeiten gegenüber Stadtbäumen nehmen in letzter Zeit immer mehr zu. Gelegentlich wurde deshalb von Bürgern schon das Absägen von ganzen Lindenalleen in Wohngebieten gefordert, allerdings zum Glück bisher ohne Erfolg. Denn am Ende bleiben sonst nur noch Plastikpalmen, die auch keine Blätter und Früchte verlieren. Hoffen wir dass die Freude an Natur und Bäumen in der Stadt weiter zunimmt in der Zukunft – ich bin da sehr optimistisch, mit Ihrer Hilfe!

Sonnenbrand

Jungbäume sind empfindlich gegen Sonnenbrand: der dunkle Stamm mit seiner noch dünnen Rinden erhitzt sich bei neu auf Freiflächen gepflanzten Linden auf über 45°C, was zu Rindenschäden auf der Süd- bis Westseite des Stammes und in der Folge zu einem Absterben und Aufplatzen der Rinde führen kann. Deshalb sehen Sie neuerdings so viele weiß angestrichene neu gepflanzte Bäume in der Stadt. Damit wird sozusagen Birke mit weißer Rinde imitiert, denn dieser (ungiftige) Farbanstrich hält die Rindentemperatur für einige Jahre niedrig genug (unter 45° C), bis sich die Bäume angepasst haben.

Lärmminderung

Beide Lindenarten haben gute Eigenschaften zur Lärmminderung und tolerieren auch höhere pH-Werte über 7, wie sie in der Stadt weit verbreitet vorkommen. Die Winter-Linde wächst am besten in leichten/sandigen oder durchlässigen Böden. Sie ist überschüttungs- und strahlungstolerant, aber immissionsempfindlich.

Als Solitärgehölz oder in Alleen kann sie ihre Wirkung besonders gut entfalten. Die Linden haben ihren festen Platz als Gehölze in Siedlungen und in der Landschaft: Sie sind als Zierbaum in Parkanlagen und Gärten, auf Dorfplätzen, vor Kirchen, um Kapellen und auf Friedhöfen sehr beliebt. Hier werden sie auch häufig/traditionell als Kopfbaum beschnitten. Etwas ganz besonders Schönes sind Tanzlinden: früher sehr verbreitet, heute nur noch in wenigen älteren Exemplaren (zu 95% Sommer-Linden), wurden in den Kronen alter Linden die Äste so "geleitet", dass man einen Tanzboden in die Krone einbauen konnte, mit Geländer rundherum und einer Treppe zum Hochsteigen. Dann fanden Festveranstaltungen in und unter diesen Bäumen statt. Besonders schöne alte Exemplare, in denen auch heute noch getanzt wird, stehen in Effelder (Thüringen, eine Winter-Linde!) und Effeltrich (Bayern).

Zukunft als Stadtbaumart

Nach der unter Stadtbaumexperten bekannten KlimaArtenMatrix (KLAM) ist die Winter-Linde auch in Zukunft als Stadtbaumart sehr gut bis gut verwendbar (Bewertung Schulnotenpaar 2.1 für Trockenstress-Toleranz und Frosthärte). Leider wird sie in letzter Zeit gelegentlich schlechter eingeschätzt, was allerdings aus meiner Sicht nicht zutrifft und wohl mit daran liegt, dass es Millionen von alten Linden in Stadt und Land gibt und davon natürlich auch ein Teil altersbedingt Probleme hat. Dies bedeutet aber nicht, dass die Baumart ungeeignet ist.

Lindenallee

Linden sind vielmehr auch weiterhin geeignet für Alleen, Parkplätze, Parks, Plätze, Promenaden/Fußgängerzonen, Entrees, große Gärten und als Hausbaum. Eine der längsten und stammreichsten Lindenalleen Deutschlands dürfte die etwa 2 km lange Herrenhäuser Allee in den Hannoverschen Herrenhäuser Gärten mit vierreihig insgesamt 1.300 Linden sein. Kennen Sie noch eine längere Lindenallee, mit mehr als 325 Bäumen auf jeder Seite? dann bitte melden! Als Straßenbaum macht der Linde allerdings der Salzeintrag zu schaffen, die Blätter bekommen davon braune Ränder und können vorzeitig abfallen.

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(Text: A. Roloff)




Baumkönigin

Lil Wendeler Baumkönigin 2016