Nutzung, Verwendung und Heilkunde


Kommen wir nun wieder zu etwas Erfreulicherem, zur Nutzung dieser Baumart. Zunächst zum Erlenholz: es lässt keinen farblich abgesetzten Kern erkennen, die Jahrringe treten kaum hervor. Die auffallend blutrote Färbung der frischen Schnittflächen nach dem Fällen hat zu der Legende geführt, dass Erlen "bluten". Die Rotfärbung entsteht durch Sauerstoffreaktion von Zellinhaltstoffen. Die auf dem Querschnitt ebenfalls auffallenden rötlich-braunen Flecken sind die Fraßgänge einer Fliegenlarve, die so regelmäßig auftreten, dass sie als Bestimmungsmerkmal genutzt werden können.
Das Holz ist gut zu trocknen, arbeitet und reißt wenig, lässt sich leicht und sauber bearbeiten. Es wird als Massivholz in der Kunst- und Möbeltischlerei eingesetzt, aber auch häufig zu Furnieren verarbeitet, da es eine sehr feine Zeichnung aufweist und sich zudem leicht färben und beizen lässt. Sie sollten sich Ihr Kirschbaum-Schlafzimmer also mal genauer ansehen, bei Tageslicht und ohne Ablenkung. Ob es nicht doch aus Schwarz-Erle ist? Macht doch nichts!
Die Schwarz-Erle war früher der "Holzschuh-Baum" (im Oldenburgischen 'Holschenboom') wegen der häufigen Verwendung des Holzes für diesen Zweck. Auch für Küchengeschirr und Schusterleisten sowie zur Bleistift-Herstellung wurde es genutzt. Heute werden Spanplatten daraus hergestellt. Als Bauholz soll es seine beste Eignung und Dauerhaftigkeit haben, wenn es zwischen dem 15. August und 8. September eingeschlagen wird. Dies ist jedoch auf den meist nassen und empfindlichen Standorten technisch nur sehr schwer ohne Befahrungsschäden zu lösen. In der Regel findet daher ein Wintereinschlag bei Boden frost statt.

In Wasser verbaut zeigt Erlenholz eine besonders große Dauerhaftigkeit und wird daher gerne für Wasserbauten, Mühlenbalken, Wasserleitungsröhren und Stalldielen verwendet. Halb Venedig steht auf Erlenpfählen! (Die andere Hälfte steht auf Eichenpfählen.) Der mittlere Heizwert des Holzes macht es auch zu einer brauchbaren Energiequelle, es liefert vor allem gute Holzkohle. Trotz der genannten Verwendungsmöglichkeiten stand das Holz der Schwarz-Erle auf den Märkten lange Zeit deutlich im Schatten anderer Holzarten und wurde von den Sägewerken als Bestandteil von Sammelkäufen überwiegend nur geduldet. Heute ist jedoch das Interesse der Möbelindustrie und anderer Holzverbraucher an hochwertigem Erlenholz deutlich gestiegen, so dass für Erlen-Sägeholz oder -furniere inzwischen hohe Preise erzielt werden können, was diese Baumart auch für die Forstwirtschaft wieder attraktiv macht. Das wird natürlich 2003 erst richtig losgehen!

Schwarzerlen-Pflanzungen werden in der Ingenieurbiologie gerne zum Schutz vor Erosion eingesetzt. Sie dienen mit ihrem intensiven Wurzelwerk, das auch unter die mittlere Grundwasserlinie reicht, der dauerhaften Uferbefestigung von Bächen und Flüssen. Wie wichtig das sein kann, hat das Hochwasser vom August 2002 überdeutlich gemacht. Wegen ihrer standortverbessernden Eigenschaften - Moment mal: wissen Sie noch wieso?³ - wurden Erlen bisweilen auch in landwirtschaftlichen Mischkulturen eingesetzt, z.B. mit Hirse, oder auch heute noch im Waldbau als "Vorwald" für anspruchsvollere Baumarten.
Die besonders gerbstoffreichen Blütenstände sowie die Rinde wurden zum Ledergerben und zum Wollefärben genutzt, die Zapfen auch zur Herstellung von dauerhaft schwarzer Tinte und für Frühlingsgestecke. Bis ins 18. Jahrhundert fing man Mücken mit aufgehängten jungen, noch klebrigen Erlenzweigen.

In der Heilkunde hat die Schwarz-Erle bisher keine große Bedeutung gehabt. Blätter und Rinde ergeben gerbstoffhaltige Drogen, die äußerlich bei Geschwüren, Beulen und Verwundungen Verwendung finden. Innerlich angewendet helfen sie bei Rheuma, Hals- und Mandelentzündung, Angina und Darmblutungen. Blätter und Rinde gelten als fiebersenkend, geglättete Blätter auf wunde Füße gelegt können Wunder bewirken. Bei Müdigkeit und Niedergeschlagenheit hilft es bisweilen, eine Erle aufzusuchen: sie macht einen wieder fit für all die sonstige Härten des Lebens...