Grenzbaum in der Feldflur, Foto: A. Roloff
Treffpunkt unter der Linde, Foto: A. Roloff
11a) Mythologie und Brauchtum

Dorflinden, Gerichtslinden, Kirchlinden, Tanzlinden, Hofbäume, Sagen, Gebräuche und Ortsnamen zeugen von der jahrhundertelangen vielseitigen Bedeutung der Linden, auch als Grenzbäume in der Feldflur. In Mythologie und Brauchtum spielten sie eine wichtige Rolle. Der Treffpunkt unter der Linde im Ortszentrum war lange Zeit (vor Telefon und Internet) die wichtigste Kommunikations-, Informations- und Schaltzentrale für die Bevölkerung oder Treffpunkt für Verliebte. Das könnten wir im Jahr der Winter-Linde doch mal wieder zelebrieren?Linden spielen zudem seit Jahrhunderten im Volksglauben und -leben, in der Religion und in der Poesie ("Dichterlinden") eine bedeutende Rolle. In slawischen und germanischen Stämmen galt der Baum als heiliger Baum der Frigga (Göttin der Fruchtbarkeit). Unter Lindenbäumen wurde gearbeitet, gespielt, getanzt, geheiratet und Gericht gehalten – "Tilialgericht". Sie waren außerdem Talisman, Zauberbaum und Schutz gegen böse Geister und Blitze, eine Linde vor dem Haus galt als Schutzsymbol. Linden durften daher nicht gefällt werden, um die Familie vor Unglück zu bewahren.


Ein Treffen unter Linden war etwas Besonderes, es gab Kraft und Stärke, Mut und nahm das Böse fort. Standen Linden an einem Gewässer oder einer Quelle, so wurde dem Wasser heilkräftige Wirkung nachgesagt. Mit dem Bast der Linde konnten Teufel und böse Geister gefesselt werden, mit Lindenzweigen verjagte man Hexen. Viele Sagen, Gedichte, Bilder und Lieder sind entstanden, die den Linden eine besondere Stellung verleihen ("Am Brunnen vor dem Tore…") – ich kenne inzwischen alleine über 20 Lieder und Gedichte.


Es gibt so unglaublich viel Schönes und Interessantes zur Mythologie bei dieser Baumart, dafür empfehle ich Ihnen bei Interesse eigene weitere Recherchen. Dazu gibt es sogar einige Bücher! (siehe Literaturverzeichnis )


 << zu 12)

(Text: A. Roloff)

Baumkönigin

Lil Wendeler Baumkönigin 2016