Flaniermeile "Unter den Linden" in Berlin vorm Brandenburger Tor, Foto: A. Roloff
12a) Sonstiges Interessantes

Beim Pflanzen einer Linde sollte man bedenken, dass sie 1.000 Jahre alt werden kann – dann wird man richtig ehrfürchtig und beginnt, nachhaltig(er) zu denken. Die mit einem Alter von über 700 Jahren ältesten Bäume in Deutschland sind zu weit über 50% Linden, viele davon in Dörfern oder Kleinstädten. Oft tragen sie besondere Namen wie z.B. die Zwölf-Apostel-Linde in Gehrden und die Auferstehungslinde in Annaberg. Ob auch der älteste Baum Deutschlands eine Linde ist (die oft genannte Tanzlinde von Schenklengsfeld in Hessen, eine Sommer-Linde), ist unsicher da niemand ihr genaues Alter kennt – ich schätze sie auf ca. 900 Jahre und damit etwas jünger als die sonst oft genannten über 1000 Jahre.

Außerdem gibt es viele  Flur-, Orts- und Herbergsbezeichnungen sowie Familiennamen, die auf die Linde zurückgehen, wie z.B. Carl von Linné, dem einflussreichsten schwedischen Botaniker. Sie kommt in zahlreichen Wappen vor.

Der Name Linde soll vom biegsamen, weichen = linden Holz kommen, Tilia von lat. telum = Pfahl: Lindenzweige wurden zur Römerzeit für Rebpfähle genutzt.
Die häufigste Benennung von Gaststätten in Deutschland sind nach dem Ratskeller Namen mit Linde, z.B. Gasthaus zur Linde, Lindenhof etc. (Auswertung von 56.300 Gaststätten-Namen, das macht Spaß!). Auch unter den Straßennamen ist die sie häufigste Baumart (-gattung): Lindenstraße, Unter den Linden etc. (2.648 mal!). Das spricht für sich (und für die Linde ☺). Ach ja, und wenn Sie mal in Berlin mit der U-Bahn am Bahnhof "Unter den Linden" halten, sind Sie wirklich unter den Linden der Flaniermeile! Allerdings ist das erst ab 2019 wieder möglich. Denn der Bahnhof wird gerade komplett neu und umgebaut, und viele der Linden sind dort leider wegen der Baustelle beseitigt worden – das tragische Schicksal von (zu) vielen Stadtbäumen.

Die Linden sind unstrittig die Baumart(en) mit den seit Jahrhunderten vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten, der höchsten Wertschätzung und der größten Bedeutung in Mythologie und Esoterik. Dazu gibt es ganze Bücher, denen man anmerkt mit wieviel Liebe viele Menschen mit der Linde verbunden sind. Diese Wertschätzung alleine ist schon eine Kostbarkeit auch für die Winter-Linde. Zudem sind Linden die häufigsten Bäume Deutschlands und Mitteleuropas in Stadt und Landschaft.
Pflanzt, schützt und beachtet mehr Winter-Linden, sie haben es verdient!


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Text und Fotos: Prof. Dr. Andreas Roloff, TU Dresden
(Vorstandsmitglied Baum des Jahres-Stiftung und Kuratorium Baum des Jahres)

Baumkönigin

Lil Wendeler Baumkönigin 2016