6) Flatter-Ulmen erkennen

 

Die Unterscheidung der drei heimischen Ulmenarten wird nicht selten als schwierig dargestellt. Auch Carl von Linné, der Begründer der heutigen Pflanzensystematik, hatte 1753 alle europäischen Ulmen noch unter einem Artnamen zusammengefasst. Tatsächlich geistern auch heute immer mal wieder fälschliche Artzuweisungen durch die Baumliteratur. Aber eigentlich kann nur die Unterscheidung zwischen Feld- und Berg-Ulmen gelegentlich schwierig werden. Denn zwischen diesen beiden Ulmenarten gibt es keine Kreuzungsbarrieren. Und so kommen in Gebieten, wo beide Arten vertreten sind, auch entsprechende Bastarde durchaus häufig vor. Mehr noch: Da auch diese Bastarde nicht steril sind, sondern sich weiterhin untereinander und auch mit den beiden Ausgangsarten kreuzen können, gibt es eine Fülle von Varianten, die in der Tat keine eindeutige Zuordnung zu einer der beiden Arten zulässt. Doch bei der Flatter-Ulme ist auch das entschieden anders. Sie ist erstens mit keiner der beiden anderen heimischen Ulmenarten kreuzbar. Es gibt also auch keine verwirrenden Hybridformen. Und sie hat zweitens ein paar sehr klare Erkennungsmerkmale.


Am einfachsten ist es, sie im Frühjahr – von März bis Mai – zu erkennen, wenn sie noch vor dem Blattaustrieb blüht und während des Blattaustriebs fruchtet. Denn die in Büscheln an den Zweigen hängenden Blüten und Früchte sitzen auf dünnen, bis zu vier Zentimeter langen Stielen und können – daher ja ihr Name – locker im Wind flattern. Die Blüten und Früchte der anderen beiden heimischen Ulmenarten sind dagegen relativ kurz oder ungestielt und entsprechend unbeweglich. Sehr spezifisch sind auch die auffälligen, unter europäischen Baumarten einmaligen Brettwurzeln. Die Flatter-Ulme bildet sie besonders ausgeprägt auf flachgündigen, vor allem aber auf nassen Böden zur Erhöhung ihrer Standfestigkeit aus. Diese ausladenden Wurzelanläufe dienen aber möglicherweise auch zur besseren Sauerstoffversorgung der Wurzeln bei Hochwasser.

Abb. li.: Die langgestielten Blüten hängen in Büscheln an den Zweigen
Abb. re.: In Feuchtwäldern bildet die Flatter-Ulme oft auffällige Brettwurzeln, Foto: Kay Hohlfeld


7) Steckbrief

Charakteristika - weitere Merkmale der Flatter-Ulme  

 

Text: Dr. Rudolf Fenner
(Vertreter von ROBIN WOOD im Kuratorium Baum des Jahres)

 

 

Baumkönigin

Caroline Hensel
Baumkönigin 2019