1) Historie und Ulmenkrankheit  

 

Über hundert Jahre ist es her, dass eine der dramatischsten und bis heute andauernden Baumkrankheiten in Nordwesteuropa ihren Anfang nahm: die Holländische Ulmenkrankheit. Sie ist ein eindrückliches Beispiel, welche Kollateralschäden beim weltweiten Holzhandel passieren können. Der Erreger: ein mikroskopisch kleiner Pilz, eingeschleppt mit Hölzern von Ulmen aus dem ostasiatischen Raum. Der Pilz löst im Holz der Ulmen Verstopfungen der Wasserleitungsbahnen aus und lässt so zunächst einzelne Kronenäste, letztlich aber meist die gesamte Baumkrone vertrocknen. 1925 hatte die Epidemie Deutschland erreicht und sich bis Mitte der Dreißigerjahre quer durch ganz Europa von England bis zum Ural ausgebreitet. Anfang der Dreißigerjahre überquerte dieser Pilz – diesmal mit einer Schiffsladung von europäischem Ulmenholz – den Atlantik und wütet seitdem unter den Ulmen in Nordamerika.

Mitte der Sechzigerjahre, als man in Europa längst davon ausging, dass die Epidemie weitgehend abgeklungen sei, kehrte dieser Pilz – diesmal in einer deutlich aggressiveren Version – mit einer Ladung Funierstämmen kanadischer Ulmen über England zurück nach Europa. Und auch aus Russland kommend tauchte hier eine weitere, stärker infektiöse Pilzvariante auf.

Heute hat diese Ulmenkrankheit kaum noch ausgewachsene Feld-Ulmen übrig gelassen. Auch die Berg-Ulmen erreichen immer seltener ein höheres Alter.

Doch bei der Flatter-Ulme, der dritten in Mitteleuropa heimischen Ulmenart, ist das offensichtlich anders. Dieser hochgewachsene Baum der Feuchtwälder und Flussauen erscheint weitgehend immun gegen diese Krankheit. Selbst jahrhundertealte Exemplare zeigen sich überraschend vital. Es gibt zahlreiche höchst eindrucksvolle Beispiele, wo Flatter-Ulmen in unmittelbarer Nachbarschaft von infizierten und absterbenden Feld-Ulmenbeständen stehen, aber selbst keinerlei Symptome der Ulmenkrankheit erkennen lassen. Diese scheinbare Immunität ist allerdings in erster Linie eine indirekte Resistenz. Sie rührt vor allem daher, dass die Flatter-Ulme von den Hauptüberträgern dieser Pilzkrankheit, dem Großen und dem Kleinen Ulmensplintkäfer, in Ruhe gelassen wird. Diese Käfer fliegen sie nicht an. Sie erkennen sie schlicht nicht als Ulme, da sich ihre Rinde in Struktur und Inhaltsstoffen deutlich von der der anderen beiden mitteleuropäischen Ulmenarten unterscheidet.

Und so entgeht die Flatter-Ulme als Einzige der für die anderen Ulmenarten so fatalen Infektion. Wird sie doch mal infiziert, dann zeigt sich, dass sie auch gewisse eigene, wenn auch nicht vollkommene Resistenzmechanismen gegen den Pilz hat. Der Krankheitsverlauf ist weniger gravierend und endet selten tödlich.Doch auch ihre Existenz ist in Deutschland keineswegs gesichert. In sieben Bundesländern gilt sie laut Roter Liste als gefährdet, in Nordrhein-Westfalen sogar als stark gefährdet. Ursache ist der starke Verlust ihrer natürlichen Lebensräume im Verlauf der letzten zwei Jahrhunderte.

Etwa 170 Jahre alte Flatter-Ulmenallee in Landshut, Foto: Almut Kroehling

 

2) Verbreitung

Natürliche Verbreitung der Flatter-Ulme..

 

 

 

 

 

 

Flatter-Ulme BDJ 2019
Foto: A. Roloff