4) Kulturgeschichtliches - Nutzung

 

Schon seit prähistorischen Zeiten hat der Mensch Ulmen gezielt genutzt. Aus ihrer Rinde ließ sich viel und guter Bast gewinnen, feiner noch und weicher als der der Linden, deren Nutzung als Bastlieferant am verbreitetsten war. Die Bastfasern der Flatter-Ulme sind besonders leicht aus der Rinde zu herauszulösen. Die eiweißreichen Blätter der Ulmen wurden als besonders hochwertiges Viehfutter genutzt. Zu diesem Zweck wurden die Ulmen geschneitelt, das heißt: Ihr wurden belaubte Zweige noch vor dem Herbst abgeschnitten, getrocknet und im Winter dann verfüttert. Und bereits in der Steinzeit wurden Jagdbögen vorrangig aus dem zäh-elastischen Holz der Ulmen hergestellt.

Ob damals schon für die jeweiligen Nutzungen spezielle Ulmenarten bevorzugt wurden, ist nicht bekannt. Aber selbst in der Neuzeit wurde bei der Verarbeitung von Ulmenholz – in der Holzbranche meist Rüster genannt – nicht immer groß unterschieden, von welcher Ulmenart das Holz stammte. Wenn doch, dann galt allerdings in der Regel das Holz der Flatter-Ulme als am schwierigsten und verlustreichsten in der Verarbeitung. Es reißt leicht, lässt sich schwer spalten und ist recht zäh. Es war daher insgesamt wenig geschätzt. Gefragt war es allerdings – gerade wegen seiner Zähigkeit – für den Bau von Gerätschaften mit hoher mechanischer Beanspruchung – für Mühlen, Glockenstühle, Räder, Karren, Kutschen oder auch für Skier.

Ulmenholz findet aber auch Abnehmer in der Möbel- und Kunsttischlerei, und zwar wegen der interessanten Farbunterschiede zwischen Kern- und Splintholz . Doch auch in dieser Branche wird das Holz der anderen beiden Ulmenarten vorgezogen. Es ist viel kontrastreicher, dunkel schokoladenbraun oder auch rötlich braun im Kern und gelblich hell im Splint. Die Flatter-Ulme dagegen kommt lediglich mit einem etwas müden, hellgrauen bis gelbbraunen Kernholz daher. Aber wenn – und das kommt bei Flatter-Ulmen sehr viel häufiger vor – sich im Stammholz dank zahlreicher ruhender Knospen , immer wieder austreibender, aber vergänglicher Wassertriebe und mit der Zeit entstehender Knollen höchst dekorative Maserungen herausgebildet haben, dann ist so ein Flatter-Ulmenstamm besonders teuer und begehrt – für Täfelungen, Möbel, Pfeifenköpfe und teures Schreibwerkzeug.

Abb. links: Borke der Flatter-Ulme, Foto: Andreas Roloff
Abb. rechts: Holzschale, Foto: Atelier Wallner

Namensgeschichten

Ulmen hießen bei uns im Mittelalter Elmboum oder einfach Elm. ImEnglischen heißen sie auch heute noch so. Doch bereits im 12. Jahrhundert, vermutlich unter Einfluss des Lateinischen – dort heißt dieser Baum Ulmus – veränderte sich der Name zum Ulmboum. Und spätestens seit dem 15. Jahrhundert ist der heutige Name Ulme üblich. Rüster ist ein weiterer, ebenfalls heute gebräuchlicher Name für Ulmen, vor allem, wenn von dem Holz dieser Bäume die Rede ist. Er ist allerdings erst seit dem 16. Jahrhundert belegt und seine Herkunft ist ungeklärt.
Den amüsant klingenden Namen Flatter-Ulme verdankt diese Baumart ihren kleinen, in Büscheln an den Zweigen hängenden Blüten und Früchten. Diese sind, anders als bei den anderen beiden heimischen Ulmenarten, deutlich lang gestielt und flattern deshalb, wenn‘s weht.

 

 

5) Was tun?

Ulmen erhalten und schützen ... weiter zu 5) 

 

 

 

Text: Dr. Rudolf Fenner, Vertreter von ROBIN WOOD im Kuratorium Baum des Jahres

 

 

 

Baumkönigin

Caroline Hensel
Baumkönigin 2019