Ökologie und Vorkommen

Die Sandbirke ist der Inbegriff einer Pionierbaumart mit den charakteristischen Eigenschaften:
-      Blüte schon im Alter von wenigen Jahren,
-      jährlich reichliche Samenproduktion und
-      weit fliegende Samen,
-      extreme Anspruchslosigkeit hinsichtlich Nährstoffbedarf und  Wasserversorgung,
-      schraubige Blattstellung und allseitige Zweigausrichtung,
-      herabhängende Blätter und dadurch Lichtdurchlässigkeit der Krone,
-      schnelles Wachstum,
-      geringes Höchstalter (max. etwa 100 Jahre).

Aber, auch dies ist charakteristisch für Pioniergehölze: ein sehr hoher Lichtbedarf, der so hoch ist, daß die Birke sogar Schwierigkeiten hat, unter sich selbst aufzuwachsen, obwohl Birken die lichtesten Kronen unter den heimischen Baumarten haben.

Die geringen Ansprüche an die Wasserversorgung führen auch dazu, daß an sanierungsbedürftigen Gebäuden fast regelmäßig Birken dafür sorgen, daß der graue abblätternde Putz etwas hinter frischem Grün verschwindet: Birken wachsen in Dachrinnen und Mauerritzen, auch auf Felskuppen. Zu den Ansprüchen an die Wasserversorgung ist allerdings unbedingt hinzuzufügen, daß der Einzelbaum den Verhältnissen von Beginn an angepaßt sein muß. Plötzliche Verschlechterungen des Wasserhaushaltes hingegen verträgt die Birke extrem schlecht, und sie kann dann absterben (z.B. nach Baumaßnahmen in Städten zu beobachten).

Wenn genügend Wasser da ist, gehört die Birke allerdings zu den 'Säufern', zu den Baumarten mit dem höchsten Wasserverbrauch und einem besonders intensiven Wurzelsystem. Das macht man sich im Landschaftsbau teilweise zunutze, indem man Birken als 'Wasserpumpe' zur Drainage von feuchten Standorten einsetzt.

Die Birke ist eine der unempfindlichsten Baumarten gegen Frost und Klimaextreme, was auch ihr Vorkommen in ganz Europa, im hohen Norden sowie in den Hochlagen vieler Gebirge erklärt und was im Waldbau ausgenutzt wird (s.u.). Temperaturen auch unter -40°C verträgt sie problemlos, da sie dann in ihren Zweigen Stärke in Öl umwandelt und so einen Wärmespeicher entwickelt, der beim Gefrieren Wärme freisetzt.

Die Pioniereigenschaften führen dazu, daß sie auf großen Flächen als erste Baumart Birkenreinbestände bilden kann, und dies besonders auf sandigen Standorten oder nach Waldbränden. Die Sandbirke ist daher im nordwest- und nordostdeutschen Tiefland eine von Natur aus wichtige Baumart, die eine natürliche Bewaldung einleiten kann. Dies hat sie auch nach den Eiszeiten, gemeinsam mit den Kiefern, getan und damals die Wiederbewaldung begonnen, nachdem zuvor ihre kleinen Schwestern Strauch- und Zwergbirke Vorarbeiten geleistet hatten. Auch als Trümmerbesiedler spielt die Birke eine wichtige Rolle, daher ihr fünfter Name Steinbirke. Aber anschließend wird sie rasch von anderen Baumarten be- und verdrängt, was diesen aufgrund des hohen Lichtbedarfes der Birke leicht gelingt.

In der Forstwirtschaft galt die Birke lange Zeit als Unkraut und als Zeichen für faule Förster. Dazu mag beigetragen haben, daß junge Birken mit ihren besonders elastischen Zweigen und dem dadurch möglichen Peitschen bei Wind und Sturm benachbarte Fichten und Kiefern so beschädigen können, daß deren Wipfeltrieb abstirbt. Heute, in der sich überall verbreitenden naturnahen Waldwirtschaft, wird dies ganz anders gesehen. Man läßt inzwischen eine gewisse Anzahl Birken in Mischbeständen stehen oder fördert sie gar gezielt wegen ihrer ökologischen Vorteile. Denn ihre Streu ist sehr gut zersetzlich, die lichten Kronen schaffen einen für viele andere Baum-, Strauch- und Krautarten günstigen Halbschatten, einen vorteilhaften Schutz gegen Spätfröste und einen wertvollen Lebensraum.
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Das Stamminnere von Birken wird in hohem Alter schnell faul, was aber z.B. für den Birkenporling ein wichtiger Lebensraum ist. Pilzsammler wissen zudem ganz genau, daß Birken oft mit Fliegenpilzen, Birkenröhrlingen und Birkenpilzen vergesellschaftet sind, wichtigen Lebenspartnern, die auf armen Standorten die Nährstoffaufnahme durch die Wurzeln der Birke verbessern.

Viele Schmetterlingsraupen leben auf Sandbirken (z.B. vom Trauermantel!) oder sind auf diese Baumart sogar angewiesen, ebenso Blattwespenlarven und Blattkäferarten. Man hat über 200 Insektenarten auf der Birke erfaßt!
Eine Vorliebe für Birken haben das sehr selten gewordene Birkwild und der Birkenzeisig.

Etwas sehr Schönes und ökologisch besonders wertvoll sind die leider selten gewordenen Eichen/Birkenwälder. Sie haben einen ganz eigenen Lichthaushalt und daher eine spezielle Krautflora vieler lichtbedürftiger Arten, eigene Tiergemeinschaften und weisen damit eine hohe Artenvielfalt auf.

Das Verbreitungsgebiet der Sandbirke erstreckt sich über ganz Europa (bis auf den höchsten Norden, Teile Spaniens und Italiens sowie Südosteuropas).

Sie ist daher auch besonders gut geeignet, am Beginn des neuen Jahrhunderts die Integration Gesamteuropas zu symbolisieren.