Das Besondere an der Birke ist ihre Rinde

Das Besondere an der Birke ist ihre Rinde: Sie erstrahlt in der Jugend und in mittlerem Alter selbst in der dunkleren Jahreszeit in hellstem Weiß. Und dies ist kein Zufall. Dadurch kann die Birke als Baum der Freiflächen die Oberflächentemperatur auf ihrer Rinde deutlich verringern, da Weiß die auftreffende Strahlung zu einem erheblichen Anteil reflektiert und so eine Überhitzung des sehr empfindlichen Zellteilungsgewebes direkt unter der Rindenoberfläche verhindert wird. Diese weiße Farbe kommt durch den Farbstoff Betulin zustande, der ständig an die Oberfläche gelangt und die Rinde wasserundurchlässig macht. Ältere Rindenschichten, die sich außen befinden, lösen sich regelmäßig und für die Birke charakteristisch vom Stamm ab, indem sich größere Flächen der Rinde waagerecht einrollen und dadurch abringeln. Darunter kommen immer wieder neue schneeweiße Rindenschichten zum Vorschein. Die Rinde der Sandbirke ist heller und glänzender als die vieler anderer Birkenarten, was ihr auch den zweiten deutschen Namen Weißbirke eingebracht hat.

Ich sah in bleicher Silberpracht
der Birken Stämme prangen,
als wäre dran aus heller Nacht
das Mondlicht blieben hangen.

(Nikolaus von Lenau)


Zu verwechseln ist die Sandbirke eigentlich nur mit der Moorbirke. Wie die Namen bereits andeuten, kommen sie oft auf recht unterschiedlichen Standorten vor. Allerdings kann man sich darin nicht sicher sein, da es reichlich Ausnahmen gibt. Aber ein Blick auf die jungen Zweige schafft in der Regel Klarheit: Die einjährigen Triebe der Sandbirke sind kahl und mit kleinen klebrigen Harzdrüsen versehen (weshalb sie oft auch Warzenbirke genannt wird, ihr dritter deutscher Name). Die Triebe der Moorbirke sind dagegen behaart und tragen keine Harzdrüsen. Die Blätter der Sandbirke sind doppelt gesägt (d.h. die groben Blattrandzähne sind in sich nochmals gesägt) und unterseits (fast) kahl.

Am Habitus fällt auf, daß die Zweige der Sandbirke steiler stehen und an den Spitzen mähnenartig überhängen, was ihr auch den vierten Namen Hängebirke eingebracht hat. Bei Varietäten ist dieses Merkmal bis zu Trauerformen gesteigert.

Mit diesen Kennzeichen sollte Ihnen die Unterscheidung möglich sein. Zwar gibt es auch (selten) Bastarde zwischen beiden Arten, diese sind aber aufgrund der unterschiedlichen Chromosomenzahlen beider Arten steril, können also keine Nachkommen erzeugen.

Die Birken gehören gemeinsam mit Haselnuß, Erle und Hainbuche zur Familie der Birkengewächse, denn die Blüten stehen in Kätzchen, männliche und weibliche sorgfältig getrennt. Die Blüte findet infolge des frühen Austreibens der Birke schon im April statt, also früher als bei vielen anderen Baumarten. Auf Schauapparate zum Anlocken von Insekten kann die Birke ganz verzichten, da sie vom Wind bestäubt wird und der Pollen - sehr zum Verdruß der Heuschnupfen-Empfindlichen - weithin durch die Luft verfrachtet wird. Daher wissen Allergiker den Blütezeitraum der Birke jedes Jahr ganz genau - und hassen ihn. Das ist der erste Grund, warum Birken in der heutigen Zeit bei Mitmenschen unbeliebt geworden sind.
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Der zweite Grund hängt mit ihren Früchten zusammen. Es sind winzige Nüsse mit zwei Flügeln, sog. Flügelnüsschen. Sie segeln ab August bis zum Herbst zu Millionen aus Birkenkronen herunter. Im Extremfall wurden auf einem Quadratmeter 50.000 Stück gezählt! Diese große Zahl ist für eine Pionierbaumart wie die Birke überlebensnotwendig. Sie bringt es aber mit sich, daß Birken in der Stadt zur häufigsten Streit-Baumart zwischen Nachbarn geworden sind, da es immer mehr Zeitgenossen gibt, die sich nicht nur über Blätter von Bäumen aufregen, sondern inzwischen auch schon über deren Früchtchen. Letztere sammeln sich gelegentlich in Dachrinnen, und bisweilen muß man sie im Spätsommer von der Terrasse fegen. Hoffen wir einfach weiter, daß trotzdem nicht irgendwann Kunststoffbäume in Mode kommen...
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Birkenfrüchte können übrigens bei Wind bis zu mehreren Kilometern weit fliegen. Keimlinge, die noch im Spätsommer mit der Entwicklung beginnen, werden vom Frost zunichte gemacht, die Überzahl keimt jedoch erst im Frühjahr und umgeht damit dieses Problem.

Sandbirken können 30m hoch werden und Durchmesser von 80cm erreichen