3) Die Ungewöhnliche

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begannen in Mitteleuropa – vor allem, um einen akuten Brennholzmangel abzuwenden – die großen Aufforstungen der durch jahrhundertelange Übernutzung heruntergewirtschafteten und verödeten Waldflächen. Zu dieser Zeit waren bereits auch die ungewöhnlichen, aber überaus wertvollen Eigenschaften der Robinie erkannt worden: So war aufgefallen, wie gut sie auch auf extrem kargen Böden und sogar auf Dünen zurechtkam. Diese ungewöhnliche Fähigkeit beruht auf der Symbiose mit Rhizobien – Bakterien, die in Knöllchen an ihrer Wurzel leben und Luftstickstoff fixieren können. Die Robinie beeindruckte damals auch durch ihr ungewöhnlich schnelles Wachstum in den ersten zwei, drei Lebensjahrzehnten, durch die erstaunliche Härte ihres Holzes und dessen spitzenmäßigen Brennwert, der sogar den der besten heimischen Hölzer, der Hainbuchen- und Eichenhölzer, übertrifft. Kein Wunder also, dass die Robinie kaum hundert Jahre nach ihrem Auftauchen in Deutschland von einigen Forstwissenschaftlern ausdrücklich und begeistert für die Wiederbewaldung empfohlen wurde. So sah sie 1790 der kurmärkische Oberforstmeister Burgsdorff schon als ein wahres Kleinod und die Zierde der deutschen Landforste.

Ganz so ist es dann aber doch nicht gekommen. Lediglich auf sandigen Arealen wie im Oberrheingraben oder auf den ausgepowerten Waldböden rund um Nürnberg, vor allem aber im mit Sandböden reichlich gesegneten Brandenburg wurde auch mit Robinien aufgeforstet. Besonders im Osten Brandenburgs und in den Gebieten südlich von Berlin entstanden so im Laufe des 19. Jahrhunderts auch größere zusammenhängende Robinienbestände.
Der Anteil von Robinien in deutschen Wäldern ist aber insgesamt gering geblieben und beträgt heute lediglich etwa 0,1 Prozent, wobei das Gros in Brandenburg und den angrenzenden Gebieten von Sachsen-Anhalt zu finden ist.

Abb. Als Stadtbaum gut geeignet - Foto: Rudolf Fenner

Eine größere Verbreitung hat die Robinie außerhalb der Wälder gefunden – gepflanzt als Alleebaum, als Bienenweide und auch als Hecken- und Feldgehölz. Vor allem aber wird sie dank ihres dichten, weit in die Breite reichenden Feinwurzelsystems zur Bodensicherung an Steilhängen, auf Dämmen, an Böschungen und auf offenen Sandflächen eingesetzt. So trifft man auf die Robinie heute quer durch die ganze Republik entlang von Bahndämmen, Straßenböschungen und Kanalufern. Man trifft sie auch in den sogenannten Bergbaufolgelandschaften zur Begrünung von Abraumhalden und stillgelegten Tagebauflächen.

Auf all diesen künstlich geschaffenen Standorten trifft man meist und schon wenige Jahre nach der Anpflanzung von Robinien auf weitere heranwachsende Exemplare in der direkten Umgebung. Denn auch im Sichausbreiten ist die Robinie ungewöhnlich gut: Zum einen blüht und fruchtet sie oft schon mit sechs Jahren, zum anderen kann aus ihren weitreichenden Wurzeln reichlich Wurzelbrut austreiben und gleich im ersten Jahr zu zwei, drei Meter hohen Ablegern heranwachsen. Und aufgrund ihrer symbiotischen Selbstversorgung mit Stickstoff ist die Robinie auch – zumindest auf stickstoffarmen Böden – anderen Pionierbäumen wie Ahorn, Birke, Schlehe oder Kiefer deutlich überlegen.

 

 

zu 4) Delikat und giftig

Die Robinie enthält toxische Lektine... 

 

 

Deutsche Baumkönigin 2020

Charlotte Baumann
ist die Deutsche
Baumkönigin 2020