Die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia)

1) Historie und Name 

 

Gewöhnliche Robinie – so lautet ihr offizieller Name. Ungewöhnliche Robinie wäre allerdings der sehr viel passendere Name, wenn man ihre erstaunlichen Eigenschaften kennenlernt und sieht, was aus ihr in den letzten Jahrhunderten geworden ist. Da in Europa – außer vielleicht in einigen botanischen Gärten und Parks – keine weiteren Robinienarten vorkommen, reicht es, sie im Folgenden schlicht Robinie zu nennen.

In ihrer nordamerikanischen Heimat, den Wäldern der südlichen Appalachen und des Ozark-Plateaus westlich des Mississippis, ist sie eine unter vielen Baumarten – eine, die sich nicht besonders hervortut. Lediglich nach einem Brand oder Sturm – da ist sie der Pionier, der die verwüstete Fläche schnell und meist vollständig besiedelt, um dann nach zwei bis drei Jahrzehnten den übrigen dort heimischen Baumarten nach und nach wieder ihren Platz einzuräumen.

Doch als im Verlauf der Kolonisierung Nordamerikas die ersten Robinien um 1630 nach Europa kamen, war das der entscheidende Schritt zu einer ungewöhnlichen Weltkarriere. Heute gehört die Robinie neben Eukalypten und Pappeln zu den weltweit meistgepflanzten Bäumen. In China und Südkorea wachsen heute mehr Robinien als in ihrer Heimat, den USA. Eine steile Karriere, die allerdings nicht ohne Kollateralschäden blieb.

Robinie - BDJ 2020, Foto: Andreas Roloff

Irrungen und Wirrungen


Die bei ihrer Entdeckung zunächst für eine Akazienart gehaltene Robinie läuft auch heute noch gelegentlich unter den Namen Akazie oder – was der Wahrheit etwas näher kommt – Scheinakazie oder Falsche Akazie. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Ähnlichkeiten mit nordafrikanischen Akazien. Sie alle haben Fiederblätter, Dornen, Hülsenfrüchte, gelegentlich auch eine ähnliche Gestalt und gehören alle zu der großen Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler. Aber ihre Blüten unterscheiden sich doch erheblich. Akazien gehören zu den Mimosen, Robinien zu den Schmetterlingsblütlern.

Auch der heute gültige botanische Name Robinia pseudoacacia beruht wohl auf einem Irrtum. Er stammt von Carl von Linné, dem Begründer der modernen Pflanzennomenklatur, der mit dieser Namensgebung Jean Robin, den Pariser Apotheker und Kurator der königlichen Gartenanlagen ehren wollte. Er nahm an, dass Jean Robin diesen Baum 1601 als Erster in Europa eingeführt hat. Doch das ist wohl lediglich eine bis heute oft erzählte Legende. Belege dafür gibt es nicht. Weder Jean Robin selbst noch sein Sohn und Nachfolger Vespasien Robin erwähnen diesen Baum in den Inventarlisten der von ihnen betreuten Pariser Gärten. Und so war es wohl der englische Botaniker John Tradescant der Ältere, der die erste Robinie in Europa wachsen ließ. Er führte sie 1634 in der Inventarliste seines Garten am Rande von London. Und um 1640 gibt es dann auch eine botanisch völlig korrekte Abbildung eines Zweiges dieser Robinie im Theatrum Botanicum des Londoner Arztes John Parkinson.

 

2) Die Schöne

weiter zu 2) ...