Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium)

1) Historie und Name 

 

Namensgeschichten

Schon unter den Botanikern des 16. Jahrhunderts war Stechpalme der übliche Name für diesen Baum. Die so gar nicht passende Beschreibung als Palme hängt mit der christlichen Tradition zusammen, bei der am Sonntag vor Ostern, dem Palmsonntag, mit einer Prozession an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert wird. Jesus war damals mit Palmwedeln begrüßt worden. Da es aber in Mitteleuropa keine Palmen gibt und auch anderes Grün zu dieser frühen Jahreszeit kaum vorhanden ist, wurden Sträuße aus Zweigen der Stechpalme – meist zusammen mit Zweigen anderer immergrüner Gehölze – zum kirchlich geweihten Palmwedelersatz.

Ilex, der botanische Gattungsname, ist mittlerweile für viele Leute auch der sehr viel vertrautere und sympathischere Name. Die offizielle Benennung als Stechpalme sorgt heute eher für Irritationen.

Im Nordwesten Deutschlands, der Region mit der wohl dichtesten Verbreitung der Stechpalme, gilt allerdings Hülse (gelegentlich auch leicht abgewandelt Hulst) als quasi amtlicher Name der Stechpalme. Hulst heißt der Ilex auch in den Niederlanden, im Englischen Holly und auf Französisch Houx. Alle diese Namen gehen auf einen gemeinsamen Wortstamm zurück, mit dem auch anderes stechendes Gesträuch bezeichnet wurde.

Es gab und gibt auch noch eine recht große Zahl lokaler, volkstümlicher Namen, von denen hier nur einige angeführt werden: Walddistel, Christusdorn, Stecheiche, Hülskrabbe (Münster), Schradler (Österreich), Waxlafa, (oberbayerischer Dialekt, bedeutet „scharfes Laub“), Stechholder, Döörn und Schorittenbaum (Aachen; Schoritt ist ein Schornsteinfeger. Mit Bündeln von Stechpalmenzweigen wurden Ruß, aber wohl auch böse Geister aus dem Kamin entfernt).


Und was ihre exotische Ausstrahlung betrifft:

Sie ist eine Europäerin durch und durch. Sie wuchs schon vor über zwei Millionen Jahren hier auf diesem damals allerdings deutlich wärmeren Kontinent, und zwar in einer subtropischen Waldgesellschaft, wie sie heute in Europa nur noch auf den geologisch bereits zu Afrika gehörenden Kanarischen Inseln zu finden ist. Die Stechpalme ist aber trotz des sich abkühlenden Klimas in Europa geblieben. Sie hat sich in die sich ändernden Lebensverhältnisse eingelebt und nur während der periodisch auftretenden Eiszeiten in den Südwesten der Iberischen Halbinsel zurückgezogen. Eine Exotin ist sie also nicht, aber doch immerhin ein bemerkenswertes Relikt aus einem anderen Erdzeitalter.

 

 

 

Stechpalme - BDJ 2021, Foto: Andreas Roloff, Verlockend schön, doch streng geschützt, Foto: Rainer Maus

 

2) Verbreitung

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